Moser, Simone: Artists' books - Buch, Dokument oder Kunstwerk? Künstlerbücher und Rara der 1960er- und 1970er-Jahre mit einem Blick auf den Bestand der mumok Bibliothek

Die Bibliothek des Museums Moderner Kunst ist eine öffentliche Museumsbibliothek, die ca. 40.000 Medien zur Kunst des 20. Jahrhunderts sowie zur zeitgenössischen Kunst verwaltet. Künstlerbücher und andere Libri Rari spielen in diesem Kontext eine wesentliche Rolle. Insbesondere die im Jahr 2005 erworbene Bibliothek des privaten Kunstsammlers Wolfgang setzt wichtige Akzente für die Rezension der internationalen Kunst in der Periode der 1960er und 1970er Jahre.

In den 1960er Jahren machte die kulturelle Revolution auch vor dem Medium Buch nicht Halt. Bildende Künstler entdeckten das Buch als Transportmittel für Ideen, Konzepte und Manifeste. Außen oft unspektakulär, transportiert das Innenleben die entscheidenden Inhalte. Das Buch, das mit niedrigen Preisen das Interesse eines breiten Publikums gewinnen wollte, entwickelte sich zu einer eigenständigen Kunstform, die so vielfältig und experimentell wie die Kunst selbst ist.

Künstlerbücher werden sowohl sinnlich als auch intellektuell begriffen, sie pendeln zwischen Lesbarem, Betrachtbarem, Denkbarem, und Begreifbarem. Durch den Paradigmenwechsel, der ab den späten 1970er-Jahren stattfand, wurde dem Rezipienten jedoch die sinnliche Erfahrung wieder genommen. Das Künstlerbuch wurde seiner Rolle, als demokratisches Multiple zu funktionieren, quasi enthoben. Damit wurde auch die Absicht, avantgardistische Inhalte breit zu streuen, mehr oder weniger aufgekündigt. Das Künstlerbuch wird seitdem mit institutionellem Auftrag konserviert.

Konzept- und Künstlerbücher spielen in der Bibliothek die Rolle des Grenzgängers. Ihre Bezeichnung als Künstlerbuch, Objektbuch, Buchobjekt, Malerbuch, Medium dazwischen, artists' book, book as art, intermedia ...  spiegelt die ganze Bandbreite. Vor dem Hintergrund der Klassifizierung taucht auch ständig die erneut zu formulierende Frage auf: Künstlerbuch, Dokument, Kunstwerk oder doch „nur" ganz einfach Katalogbuch?

Die zum Thema Künstlerbuch reichlich vorhandene Literatur spiegelt nicht nur die der Thematik immanente Widersprüchlichkeit, sondern unternimmt auch den theoretischen Versuch, verbindliche Kriterien zu definieren.

Die Thesis konzentriert sich auf die methodische Diskussion der einschlägigen Literatur mit dem Ziel, eine für das mumok verbindliche Definition für das Künstlerbuch vorzuschlagen. In der vorliegenden Arbeit werden das Künstlerbuch und seine historische Entwicklung mit dem Fokus auf den Stellenwert als „besonderes Medium" analysiert. Im Speziellen wurde die Bedeutung des Künstlerbuches für die mumok Bibliothek anhand einiger ausgewählter Beispiele exemplarisch erörtert und dargestellt.

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