Abstracts Master - Universität Wien

Sebastian Aigner: Das Informationspotential geographischer Metadaten im Kontext von Bibliotheken und webbasierten Diensten. Catalogue Enrichment durch Abgleich von Metadaten am Beispiel einer Konkordanz für den Fachbereich Geographie nach Basisklassifikation (BK) und Regensburger Verbundklassifikation (RVK)

Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist es, zur Homogenisierung des Bestandes der geographischen Metadaten im Österreichischen Verbundkatalog (ACC01) beizutragen, indem eine Konkordanz für den Fachbereich Geographie zwischen den beiden Universalklassifikationssystemen Regensburger Verbundklassifikation (RVK) und Basisklassifikation (BK) erstellt wird. Daneben sollen ein Überblick über die in der ACC01 vorhandenen Metadaten mit geographischem Bezug gegeben werden und Überlegungen zu einer verbesserten Nutzung dieser Daten für das Information Retrieval angestellt werden. Nach einleitenden Definitionen zu Metadaten im Allgemeinen und geographischen Metadaten im Speziellen steht zunächst eine Bestandsaufnahme der Metadaten mit geographischem Bezug, welche im Österreichischen Verbundkatalog zu finden sind. Gegliedert nach

Erschließungsverfahren werden der derzeitige Bestand und dessen Entwicklung aufgezeigt und anhand von Erläuterungen zur Datenstruktur zu den zu Grunde liegenden Regelwerken und der Herkunft der Metadaten in einen Kontext gebettet. Der Fokus liegt hierbei auf den in Österreich aktiv angewendeten Sacherschließungsverfahren (RVK, BK, DDC, RSWK). Es folgen eine Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Metadaten für das Retrieval unter

besonderer Berücksichtigung der bibliothekarischen Information Retrieval Systeme der neuesten Generation und, dadurch angestoßen, ein Beitrag zur Verbesserung der Metadatenbasis der ACC01. Dieser erfolgt durch die intellektuelle Erstellung einer RVK-BKKonkordanz für den Teilbereich Geographie in Form zweier Schlüssel-Tabellen inklusive eines ausführlichen Kommentars zu deren Genese sowie einleitender Ausführungen zu Konkordanzen im Allgemeinen. Die vollständige Konkordanz liegt der Arbeit als Datei bei.

Abschließend werden weitere Überlegungen zur verbesserten Nutzung der geographischen Metadaten insgesamt angestellt.


Thomas Aigner: Die Bestimmung der Skizzen, Entwürfe und Frühfassungen der Oper Die Königin von Saba von Carl Goldmark: Grundlage zur Geschichte der Entstehung des Werks

Obwohl heute nur mehr selten gespielt, ist die am 10. März 1875 an der Wiener Hofoper uraufgeführte Oper Die Königin von Saba von Carl Goldmark (1830 – 1915) eines der erfolgreichsten musikalischen Bühnenwerke eines österreichischen Komponisten aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bis zur Jahrhundertwende wurde das Stück allein an der Wiener Hofoper mehr als hundertmal gegeben. Fast ein Jahrzehnt lang arbeitete Goldmark an dieser seiner Erstlingsoper, was die Entstehung einer derartigen Fülle an musikalischen Skizzen, Entwürfen und Frühfassungen zur Folge hatte, wie sie bei kaum einem vergleichbaren Werk zu finden ist.
Eine nähere Bestimmung dieser Materialien war bislang noch ausständig. Sie wurde durch den Umstand erschwert, dass der künstlerische Nachlass Goldmarks nicht geschlossen erhalten blieb und die genannten Quellen im Wesentlichen auf fünf Sammlungen in drei Ländern verteilt sind: die Széchényi-Nationalbibliothek (Budapest), die Österreichische Nationalbibliothek (Wien), die Wienbibliothek im Rathaus, die Library of Congress (Washington D. C., USA) und die Stanford University Library (Stanford, USA). Dazu kommt noch ein Fragment, das nur aus einem Auktionskatalog bekannt ist.
Den Ausgangspunkt der gegenständlichen Arbeit bildet ein umfangreiches Konvolut von Skizzen zur Königin von Saba, das 1984 in völlig ungeordnetem Zustand von der Wienbibliothek im Rathaus erworben wurde. Bei seiner Katalogisierung wurde wegen des zu erwartenden hohen Zeitaufwands auf eine Bestimmung der einzelnen Teile zunächst verzichtet; die Bedeutung des Werks ließ eine solche jedoch von Anfang an als wünschenswert erscheinen.
Die Einzelteile des genannten Konvoluts umfassen vom Ausreifungsgrad her das gesamte Spektrum von Melodieskizzen über Particell-Entwürfe bis hin zu vollständig ausgearbeiteten Partiturfragmenten. Eine Zuordnung zu korrespondierenden Stellen der Druckfassung ist nur teilweise möglich, da das Konvolut sehr viel verworfenes Material enthält. Dies betrifft nicht nur die Musik, sondern auch den Text der Oper. Eine gesicherte Bestimmung der Skizzen und Entwürfe ist daher nur aus dem Vergleich mit den übrigen handschriftlichen Quellen möglich.
Eine besondere Rolle spielen dabei die autographe Partitur (Széchényi-Nationalbibliothek) und der autographe Klavierauszug der Oper (Österreichische Nationalbibliothek).
Beide repräsentieren eine Zwischenstufe auf dem Weg zur gedruckten Fassung und enthalten viel Material, das nachträglich verworfen wurde, jedoch mit einem Teil der Skizzen korreliert.
Den nächsten “Meilenstein” in der Entstehungsgeschichte stellt die von Kopistenhand stammende Uraufführungspartitur (Österreichische Nationalbibliothek) dar. Ausgehend von der autographen Partitur spiegeln sich in ihr die zahlreichen Kürzungen und Umarbeitungen wider, die kurz vor der Premiere vorgenommen wurden. Deren bedeutendste sind die Zweiteilung des ursprünglichen dritten und letzten Akts und die in mehreren Zwischenstufen erfolgte Neuorganisation des so gewonnenen vierten Akts.
Für die Druckfassung wurde ein Teil der Striche der Uraufführung wieder aufgemacht; weiters findet sich in den von der Wienbibliothek im Rathaus und der Stanford University Library verwahrten Skizzenkonvoluten zwei nachkomponierte Arien für die Vorstellungen in Italien.

Mit Hilfe der Sekundärliteratur gelingt eine ungefähre zeitliche Einordnung der mit wenigen Ausnahmen undatierten Notenmanuskripte. Durch die Auswertung sämtlicher Quellen entsteht schließlich ein Gesamtbild der außerordentlich komplexen Geschichte der Entstehung der Königin von Saba. Es zeigt, mit welchen Schwierigkeiten der bis dahin auf dem Gebiet der Oper noch völlig unerfahrene Goldmark zu kämpfen hatte.

Nicht oft lassen die Quellen zu, einem Komponisten mit soviel Wissensgewinn “über die Schulter zu blicken” . Die neu gewonnenen Erkenntnisse fließen wiederum in Form einer vertieften Katalogisierung der von der Wienbibliothek im Rathaus verwahrten Skizzen zur Königin von Saba zurück.


Stefan Alker: Standard(werk)wissen Bibliothek. Die Bibliothek in literaturwissenschaftlichen Einführungen und kulturwissenschaftlichen Handbüchern des 21. Jahrhunderts

Literatur- und Kulturwissenschaften haben ein besonderes Verhältnis zur Bibliothek. Sie spielt nicht nur bei ihren zentralen Arbeitstechniken – Lesen, Schreiben und Veröffentlichen – eine wichtige Rolle, sondern wird immer wieder auch selbst ein Thema. Dieser Überlegung folgend werden literaturwissenschaftliche Einführungswerke und kulturwissenschaftliche Handbücher, die in den letzten Jahren zahlreich erschienen sind, auf ihre bisher wenig beachteten Informationen zur Bibliotheksbenutzung und zu den dahinterliegenden Konzepten von Bibliothek untersucht. Vergleichende Analysen der Standardwerke zeigen ein breites Themenspektrum von praktischem Bibliothekswissen auf dem aktuellen Stand der Diskussion bis zu großen Erzählungen und überkommenen Klischees. So werden die Funktionen der Bibliothek im Studium und in der alltäglichen Wissenschaftspraxis ebenso fassbar wie ihre Rolle als Instanz kulturgeschichtlicher und gesellschaftlicher Prozesse und verschiedene Konzepte der Bibliothek in der Kulturtheorie. Die Arbeit macht ‚fremde‘ Texte anderer Disziplinen zur Quelle bibliotheks­wissenschaftlicher Überlegungen, bündelt dort vorgebrachte Sichtweisen und Erkenntnisse und will durch das Aufzeigen der Stärken und Schwächen verschiedener Zugänge dem wechselseitigen Verständnis und dem Austausch zwischen Bibliothekswissenschaft und Kulturwissenschaften zuarbeiten.


Birgit Athumani-Hango: Sacherschließung für den Fachbereich Afrikawissenschaften

Sacherschließung für den Fachbereich Afrikawissenschaften schließt eine Lücke zwischen zwei Themengebieten, das jedes für sich gut dokumentiert ist, in ihrer Gesamtheit bis dato aber unerforscht blieb.

Afrikanistik im Sinne der Erforschung afrikanischer Sprachen begann mit der Reise- und Missionstätigkeit im 16. Jahrhundert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verlagerte sich das Interesse dieser Forschungsreisen, handelspolitische Zwecke rückten in den Vordergrund und gipfelten in der kolonialen Aufteilung des Kontinents 1884/85. Im Zuge dieser Reisen entstanden Institute für orientalische Sprachen, Kolonialinstitute und Zentren afrikanistischer Forschung vorerst in Europa, später in den USA, Afrika und Asien. Der Forschungsgegenstand veränderte sich von einer reinen Sprachwissenschaft hin zu einer Arealwissenschaft, die Gesellschaften, deren Geschichte und Literaturen sowie Politik- und Länderkunde miteinbezieht.

Sacherschließung erfolgt verbal und klassifikatorisch. Die Regeln für den Schlagwortkatalog und die Gemeinsame Normdatei sind maßgebend für die verbale Sacherschließung. Die Regensburger Verbundklassifikation, die Basisklassifikation, die Dewey Dezimalklassifikation und die Library of Congress Classification sind wichtige Beispiele klassifikatorischer Sacherschließung. Der Fachbereich Afrikawissenschaften wird in diesen Erschließungssystemen verortet und analysiert. Ein Streifzug durch afrikawissenschaftliche Forschungseinrichtungen und Bibliotheksbestände vertieft das Thema. Die konkrete Erschließungspraxis afrikawissenschaftlicher Bestände zeigt sich anhand ausgewählter Fallbeispiele. Eine OPAC-Recherche in verschiedenen Bibliotheken mit relevanten Beständen verdeutlicht die Erschließungstiefe der Medien und die Anwendbarkeit der Sacherschließungsinstrumente für den Fachbereich. Anhand der Beispiele werden Stärken und Schwächen der Klassifikationen beleuchtet, Probleme aufgezeigt und Lösungsmöglichkeiten gesucht.


Eva Babonich: Vermittlung von Informationskompetenz unter Verwendung eines MOOC an der Bibliothek der Technischen Universität Graz

Seit der erste Massive Open Online Course (MOOC) „CCK08“ (Connectivism and Connective Knowledge 2008) von Steven Downes und George Siemens für Lernende freigeschalten wurde (vgl. Hill 2012: 92), offerieren neben MOOC-Anbietern wie Coursera oder EdX auch Universitäten MOOCs zu diversen Themenbereichen. Auch die Technische Universität Graz betreibt in Kooperation mit der Universität Graz die MOOC-Plattform iMooX.

Die vorliegende Arbeit untersucht zum einen, ob sich MOOCs für die Vermittlung von Informationskompetenz eignen. Zum anderen soll ein Konzept eines Bibliotheks-MOOC zur Vermittlung von Informationskompetenz an der Bibliothek der TU Graz entwickelt werden. Dafür wird zuerst das Konzept der Informationskompetenz analysiert und eine Untersuchung gängiger Informationskompetenz-Standards für Bibliotheken durchgeführt. Auch etwaige Alternativen zu bestehenden Standards sollen diskutiert werden. Anschließend folgt eine Analyse der bestehenden Informationsvermittlungsangebote der Bibliothek der TU Graz. Im darauf folgenden Kapitel dieser Arbeit soll eine Einführung in die MOOC-Thematik mit einer Beschreibung der unterschiedlichen MOOC-Typen gegeben werden. In diesem Teil der Master Thesis wird außerdem die Eignung von MOOCs für die Vermittlung von Informationskompetenz untersucht. Im letzten und umfassendsten Teil der Arbeit soll ein MOOC entwickelt werden, mithilfe dessen Informationskompetenz an der Bibliothek der TU Graz vermittelt werden kann. Dafür werden potentielle KundInnen des MOOC identifiziert und beschrieben und eine Exploration des KundInnennutzens sowie eine Marktanalyse durchgeführt. Anschließend wird eine Anforderungsliste für den Bibliotheks-MOOC erarbeitet und ein Konzept für ein solches Lehrformat entwickelt.


Cecile Billault: Verschollene Werke einer Komponistin? Vergessene Interpretin? Chancen und Grenzen der gendergerechten Nachlaßerschließung, aufgezeigt am Beispiel zweier Nachlässe der Musiksammlung der ÖNB: Ella Kerndl (Komponistin) und Magda Weinig (Pianistin)

Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit der Fragestellung einer möglichen gendergerechten Erschließung anhand von zwei Nachlässen der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek.

Im ersten Kapitel wird zunächst ein historischer Überblick über die allgemeinen und musikalischen Bildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen in Wien um 1900, begeben. Dies soll zum Verständnis für die Erschließung des Nachlassbestandes der Komponistin Ella Kerndl beitragen. Weiters werden die Recherchen und externen Quellen aufgezeigt, die für die Erschließungsarbeit hilfreich waren. Als Ergebnis der Erschließung wird das vollständige Werkverzeichnis von Ella Kerndl präsentiert.

Im zweiten Kapitel wird die Arbeit am Nachlass der Pianistin Magda Schwarz dargestellt. Ihr Nachlass, der vorwiegend aus Korrespondenzen und Lebensdokumenten besteht, zeigt die Herausforderungen bezüglich der verschiedenen Regelwerke sowie die Grenzen der Erschließungsarbeit. Um die Lebenszusammenhänge besser zu verstehen, wird auf den historischen Kontext des zweiten Weltkrieges und die Emigration eingegangen. Als Ergebnis der Erschließung wird Magda Schwarz mit einer Kurz-Biografie vorgestellt sowie das Nachlassverzeichnis eingefügt.

Im dritten Kapitel werden Institutionen der ÖNB sowie ausgewählte Institutionen mit genderspezifischem Schwerpunkt dargestellt und deren Ansätze verglichen. Dabei wird im Hinblick auf die zwei Nachlässe hinterfragt, welche dieser Möglichkeiten umgesetzt werden könnten, um eine möglichst optimale Erschließung zu erreichen. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass eine gendergerechte Erschließung an der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek möglich ist, jedoch mit einem größeren Zeitaufwand und unter Einbeziehung zusätzlicher Erschließungskriterien.


Andreas Brandtner: Die Erschließung von Nachlässen und Autographen im Kontext der aktuellen bibliothekswissenschaftlichen Katalogisierungsdiskussion

Die Gedächtnisinstitution Handschriftensammlung bzw. Literaturarchiv hat im deutschsprachigen Raum seit den 1990er Jahren einen deutlichen Modernisierungsschub erfahren, der bis heute anhält. Wesentlicher Motor dieses Prozesses sind die änderungen der systemrelevanten Umwelten vor allem hinsichtlich elektronischer Daten- und Informationsverarbeitung. Die Übernahme bibliothekarischer Verfahren hat zu einer deutlichen Steigerung der Erschließungsstandards und also der Katalogisierungsqualität und -daten geführt. Über den Anschluss an international eingesetzte und gepflegte Regelwerke und Datenformate wurden Institutionen, die Nachlässe und Autographen verwalten, aus der Isolation idiosynkratischer Insellösungen herausgeführt und in der Kommunikation anderer Gedächtniseinrichtungen vernetzt. Damit sind auch die Voraussetzungen für verstärkten Datenaustausch, für Verbünde und Vernetzungen gegeben, die das je spezifische Datenangebot wesentlich attraktiver, die Benutzungsqualität spürbar besser und den Einsatz interner Ressourcen deutlich effizienter machen können.

Mit dieser neu geschaffenen Situation sind auch Aufgaben und Herausforderungen entstanden. Um den erreichten Standard im Bereich der Erschließung bzw. Katalogisierung halten zu können, haben sich Handschriftensammlungen bzw. Literaturarchive über Fort- und Weiterbildungen am jeweiligen State of the Art der Disziplin zu orientieren. Sie haben sich an Diskussionsprozessen über Neuerungen zu beteiligen, um ihre je spezifischen Interessen und Bedürfnisse artikulieren zu können. Dazu ist es notwendig, in den entsprechenden Gremien, Arbeitsgruppen usw. vertreten zu sein.

Über die Zukunft der Katalogisierung ist noch nicht entschieden. Sie ist offen und wird weiterhin Gegenstand der Diskussion sein. In diesem Sinn sind die Handschriftensammlungen und Literaturarchive in einen lebendigen Arbeitsprozess eingetreten, den sie mit gestalten können und sollen.


Katharina Breyer: RDA (Resource Description and Access): Anforderungen an ein Regelwerk für das 21. Jahrhundert. Eine Analyse der bis zum 1.12.2007 vorliegenden Entwürfe.

Mit RDA (Resource Description and Access) wird derzeit ein Regelwerk zur Formalerfassung entwickelt, mit dem man auf AACR2 aufbauen, gleichzeitig aber auch die Möglichkeiten jüngster technologischer Entwicklungen voll ausschöpfen möchte. Als konzeptionelles Modell wird diesem neuen Regelwerk FRBR (Funktionelle Anforderungen an bibliographische Datensätze) zu Grunde gelegt. In den bis Anfang Dezember 2007 vorliegenden Entwürfen wird geregelt, wie Merkmale von Objekten wiedergegeben werden sollen. Solche Merkmale können entweder zur Identifizierung eines Objektes dienen oder die Auswahl eines Objekts ermöglichen, das hinsichtlich seiner physischen und inhaltlichen Beschaffenheit den Nutzerbedürfnissen entspricht. Weiters enthalten diese Entwürfe auch Vorgaben zur Erfassung von Beziehungen zwischen Objekten auf der einen und Personen, Familien und Körperschaften auf der anderen Seite, sowie von Beziehungen zwischen den Objekten selbst. Bei vielen Bestimmungen der RDA wird den Anwendern freigestellt, zwischen mehreren Möglichkeiten zu wählen oder Angaben zu bestimmten Merkmalen und Beziehungen wegzulassen. RDA soll mit unterschiedlichen Datenbankstrukturen umgesetzt werden können. Die Fertigstellung von RDA ist für 2009 geplant.


Patrizia Brumen: E-Books in Kunstbibliotheken. Ein Wunsch geht in Erfüllung?

E-Books spielen im Bereich der Kunstbibliotheken bisher eine eher marginale Rolle. Den Sammlungsbestand dominieren derzeit gedruckte Bücher. Die sich technologisch verändernde Medienlandschaft - einerseits durch zunehmende Digitalisierungsprojekte und andererseits durch das wachsende Angebot an digitalen Formaten - zeigt nun auch Auswirkungen auf den kunstwissenschaftlichen Bereich.

Ausgehend von einem theoretischen Teil, der sich mit den besonderen technischen Merkmalen von E-Books beschäftigt, zielt die vorliegende Arbeit darauf ab, die Hintergründe der im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Disziplinen verzögerten Medienerweiterung näher zu beleuchten. In den Geisteswissenschaften hat die Monographie, die für die Darstellung komplexer Zusammenhänge in langen Texten ein zentrales Medium ist, einen hohen Stellenwert. Für diese hat sich die gedruckte Ausgabe als vorrangig gegenüber der digitalen erwiesen. Die Stärken der E-Books liegen in anderen Bereichen wie der einfachen, sofortigen, wenn möglich kostenlosen Bereitstellung. Im Fokus liegt die Untersuchung des elektronischen Ausstellungskatalogs, der sich in unterschiedlichen digitalen Erscheinungsformen manifestiert und in den letzten Jahren wachsende Aufmerksamkeit erfährt. Methodisch wurden dazu exemplarische Interviews mit ausgewählten Experten aus dem Bereich der Kunstmuseen und -institutionen geführt, die bereits E-Books produziert haben.

Das zunehmende elektronische Kunstbuchangebot wird sich in Zukunft verstärkt auf die Arbeit der Kunstbibliotheken auswirken, die nun gefordert sind, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Im Kunstbuchbereich wird sich erst zeigen, ob sich das E-Book als neues, komplementäres Medium oder sogar als Konkurrenz zu den Druckwerken etablieren kann oder nur eine Randerscheinung bleiben wird.


Anna Maria Buder-Liebmann-Holzmann: Die sogenannte Trattnersche Sammlung: vollständige Sammlung aller seit dem glorreichsten Regierungsantritt Joseph des Zweyten für die k. k. Erbländer ergangenen höchsten Verordnungen und Gesetze durch privat Fleiß gesammelt, und in chronologische Ordnung gebracht

Gesetzgebung und Staatsverwaltung sind Spiegelbild des Zeitgeistes. Im absolutistischen Staat war Gesetz, was der Herrscher unter den verschiedensten Bezeichnungen, wie Patent, Dekret, Reskript, Resolution, Handschreiben, Edikt, Verordnung und dergleichen, anordnete.
Ab dem 17. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden gesetzgeberische Akte großteils nur auszugsweise veröffentlicht. 1762 ordnete die damalige Regentin Maria Theresia an, dass alle Gesetze und Verordnungen in einem Buch zu sammeln und auf den Amtstischen aufzubewahren seien. Während ihrer Regentschaft von 1740 bis 1780 wurden Anordnungen für die Erbländer erlassen, die, teilweise unter Abänderung, noch in der Regierungszeit Joseph II. galten.
Im aufgeklärt-absolutistischen Staat ergingen unter der Alleinregierung Joseph II. von 1780 bis 1790 mehr als 6000 Gesetze und Verordnungen.
Die unter Joseph II. für die kaiserlich königlichen Erbländer ergangenen Gesetze und Verordnungen druckte Johann Thomas Trattner 1788-1791 in der nach ihm benannten zehnbändigen Gesetzessammlung ab. Sie enthält 6206 Anordnungen auf 5765 Seiten. Der Sammlung ist ein zweibändiges Hauptregister angeschlossen. Trattner druckte und verlegte die Sammlung vorwiegend für Juristen und Beamte.
Da die sogenannte Trattnersche Sammlung nur selten in die Quellenverzeichnisse der damaligen Autoren aufgenommen wurde, ist sie vielfach in Vergessenheit geraten.
Die vorliegende Arbeit soll diese Gesetzessammlung wieder in Erinnerung bringen. Sie legt neben der Beschreibung der gesamten Sammlung, der einzelnen Bände und der Arten der Anordnungen, den Schwerpunkt auf jene Gesetze und Verordnungen, welche Regelungen für Buchdrucker, Buchhändler, Bibliothekare und Bibliotheken zum Gegenstand haben. Die Arbeit befasst sich darüber hinaus auch mit den größeren gesetzgeberischen Aktivitäten jener Zeit, deren Spuren bis heute erkennbar sind.


Daniela Comtes: Der Teilnachlass Max Winters in der Wienbibliothek im Rathaus

Die Master Thesis befasst sich mit dem Teilnachlass des Sozialreporters und sozialdemokratischen Politikers Max Winter (1870-1937), der im Jänner 2002 vom Tagblatt-Archiv, dem historischen Teil der Sozialwissenschaftlichen Dokumentation der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, an die Wiener Stadt- und Landesbibliothek (heute Wienbibliothek) zusammen mit etlichen Sondersammlungen übergeben wurde.

Die Arbeit gliedert sich in drei Abschnitte:
Der erste Abschnitt gibt einen kompakten Überblick über das Leben Max Winters. Es wird vor allem die enge Verknüpfung zwischen seinem Wirken als Journalist, Politiker und seinem Engagement bei den “Kinderfreunden” aufgezeigt.

Der zweite und quantitativ umfangreichste Abschnitt fokussiert sich auf die an der Wienbibliothek verfasste Ordnungssystematik des Teilnachlasses und im Zusammenhang damit auch auf die wissenschaftliche Erschließung von Nachlässen. Es wird auf Definitionen, Anforderungen an die Nachlasserschließung und auf das Regelwerk (RNA - Regeln zur Erschließung von Nachlässen und Autographen) eingegangen.

Den Abschluss und damit dritten Teil bildet ein Anhang, in dem eine umfangreiche Bibliografie des journalistischen Werkes Max Winters angeführt wird. Hier werden sowohl die Reportagen Max Winters, die sich im Tagblatt-Archiv der Wienbibliothek recherchieren lassen, als auch vor allem Winters Veröffentlichungen in der “Arbeiter-Zeitung” angeführt.

Die Arbeit bietet einen kompakten Überblick über Leben und Wirken des Begründers der Sozialreportage und Wegbereiters des Sozialstaates und soll durch die Vereinigung von Biografie, Nachlass und Bibliografie eine weitere Erforschung Max Winters anregen und erleichtern.


Bianca Csákány: Vom Zettelkatalog zum Volltext : über die Entwicklung und Funktion des Kataloges am Beispiel der Österreichischen Nationalbibliothek

Der Katalog der Österreichischen Nationalbibliothek hat, seit seiner ersten Erscheinungsform als Bandkatalog 1576, eine lange Entwicklung durchgemacht. Zu Beginn dieser Arbeit, im Historischen Abriss, wird kurz auf die Kataloggeschichte der ÖNB eingegangen, danach folgt die Darstellung der verschiedenen Retrokatalogisierungs- sowie den Katalogoptimierungsprojekten.

Im Jahr 1997 stand die Retrokatalogisierung im Vordergrund, bei der die maschinengetippten Katalogzettel gescannt, OCR gelesen und über den KatZoom (eine Software-Eigenentwicklung) online zur Verfügung gestellt wurden.

1992 begann man mit der EDV-unterstützten Katalogisierung im Bibliothekssystem BIBOS. Mit der Umstellung 1999 auf das neue Bibliothekssystem Aleph500 wurden die Daten aus der ONB BIBOS als ONB01 in das neue System konvertiert. Im Jahr 2000 wurden der alte Nominalkatalog (1501-1929) und der dazugehörige Schlagwortkatalog konvertiert und als ONB02 nach Aleph500 migriert. Im darauffolgenden Jahr wurden auch der neue Nominalkatalog (1930-1991, sog. PI-Katalog) und der dazugehörende Schlagwortkatalog konvertiert und als ONB03 nach Aleph500 migriert. Parallel dazu wurden auch andere Sammlungskataloge, wie z.B. der Katalog in der Musiksammlung oder der Kartensammlung, bearbeitet.

Für die Jahre 2007-2011 wurde ein Strategieplan zur Katalogoptimierung erarbeitet, der zum Ziel hatte, dass in Zukunft der Bestand über eine integrierte Gesamtsuche zugänglich sein soll. Dafür war die Implementierung von Suchmaschinen-Technologie für den OPAC geplant. Deswegen mussten in Folge die damals noch getrennten drei Druckschriftenkataloge (ONB01, ONB02 und ONB03) zusammengeführt werden.

Zu diesem Zweck wurden zuerst in der ONB03 die Impressen aus dem Textblock herausgelöst. Dasselbe galt für die Impressen aus der ONB02. Danach wurden in beiden Katalogen die Verweisungen mit den dazugehörigen Hauptaufnahmen zusammengeführt. Schließlich wurden die beiden historischen Kataloge in die ONB01 migriert. Darauf folgte der Abgleich der Schlagworte aus der ONB03 mit der SW-Normdatei. In Folge wurden auch die Schlagworte der ONB02 mit der Normdatei abgeglichen. Im April 2011 wurde dann die einheitliche Suchoberfläche Quick Search implementiert.

Doch auch wichtige Projekte zur Kataloganreicherung (wie z.B. IV-Scan) und Projekte zur Massendigitalisierung, wie ANNO und ALEX, werden in meiner Arbeit behandelt.

Diese Master-These soll eine kompakte Zusammenfassung aller wichtigen Retro- und Katalogoptimierungsprojekte bieten und in Zukunft als eine Art Nachschlagewerk für an diesem Thema Interessierte dienen.


Julia Danielczyk: Archive für Literatur: Editionsunternehmungen oder hilfswissenschaftliche Institutionenß Ein Beitrag zur Erforschung der Geschichte der österr. Literaturarchive (1878-1918)

Im Sinne eines neuen nationalen Selbstverständnisses, das sich ab der Gründung des Deutschen Reiches nicht nur über geografische, sprachliche und politische, sondern auch kulturelle Werte definierte, gewannen literarische Archive unter identitätsstiftender Perspektive neue Bedeutung. Die Gründung des Goethe-Archivs in Weimar sowie die Einrichtung eines eigenständigen Gebäudes unter Erzherzogin Sophie von Sachsen-Weimar-Eisenach im Jahr 1886 verweisen auf die neue Wahrnehmung auf literarische Handschriften als “kulturelles Erbe” sowie die veränderte Bedeutung von Autographen als Textgrundlage für editorische Projekte.

Für Österreich ist das Jahr 1878 entscheidend: Der literarische Nachlass von Franz Grillparzer legte in der Wiener Stadtbibliothek den Grundstock für eine systematische Sammlung von literarischen Archiven und Autographen.

Die ersten theoretischen Überlegungen zur Konzeptionen organisierter Literararchive kamen von Wilhelm Dilthey, der 1889 seinen programmatischen Vortrag “Archive für Literatur” veröffentlichte. In Österreich wurde die Diskussion vor dem Hintergrund editorischer Interessen aufgenommen und unter veränderten Prämissen diskutiert. Wesentliche Exponenten für die Einrichtung österreichischer Archive für Literatur waren Carl Glossy, von 1889 bis 1904 Direktor der Wiener Stadtbibliothek, der Prager Literaturhistoriker August Sauer sowie der Literaturwissenschaftler Jakob Minor. Als Vorstandsmitglieder der Grillparzer-Gesellschaft waren sie an der Edition deutschsprachiger österreichischer Literatur interessiert. Von österreichischer Seite ist der Begriff “Literaturarchiv” lange unklar definiert, 1894 veröffentlichte Minor erste Ideen zur Einrichtung von “Centralanstalten für die literaturgeschichtlichen Hilfsarbeiten” , 1903 gründeten Glossy, Sauer und Anton Bettelheim den “Literarischen Verein in Wien” , der die Einrichtung eines eigenständige österreichischen Literaturarchivs vorsah und ein Editionsprogramm vorlegte. Im Verständnis der Aufgaben und Funktionen war das geplante Archiv einerseits als hilfswissenschaftliche Einrichtung zur Unterstützung des akademischen Universitätsbetriebs, andererseits als Editionsunternehmung nach dem Vorbild des Stuttgarter Literarischen Vereins angedacht.

Der Literarische Verein in Wien wurde 1917 aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt konnte er 24 realisierte Bände vorlegen, ein eigenständiges Literaturarchiv wurde nicht eingerichtet.


Helmut Dollfuß: Einführung und Evaluierung von Ressourcen für den Personal Digital Assistant (PDA) an medizinischen Universitätsbibliotheken

Im Gesundheitsbereich tätige Menschen müssen mobil sein, denn Kranke und Pflegebedürftige sind es nicht. Der moderne PDA ist bequem in der Jackentasche von ärzten, Studenten und Krankenpflegern transportierbar und kann große Mengen an relevanter Information für den Arbeitsalltag in einer elektronisch schnell durchsuchbaren Form speichern. Das kommt gerade dieser Personengruppe entgegen, um Fragen an Ort und Stelle zu entscheiden, unabhängig vom fest verdrahteten PC.

In USA unterstützen schon viele Medizinbibliotheken den Einsatz von PDAs, in Europa beschäftigen sich hingegen nur wenige Bibliotheken mit diesem Gerät. Viele bekunden ihr Interesse, geben aber fehlendes Know-how als hauptsächliches Hindernis an.

Die vorliegende Arbeit möchte dem Medizinbibliothekar den PDA näher bringen. Es wird über seine geschichtlichen Wurzeln berichtet und die rasante technische Entwicklung anhand einzelner Modelle vorgestellt. Zukünftige Mobilgeräte werden in vielen Variationen PDA-, Telefon- und Internetfunktion vereinen und mit ihrer weiten Verbreitung den Ausbau des mobilen Internets kräftig ankurbeln. Neben der klassischen und digitalen Bibliothek wird sich damit auch der Bereich der Mobile Library etablieren.

Im zweiten und dritten Teil werden auf Grundlage publizierter Artikel mögliche Ressourcen und Einsatzbereiche für den PDA diskutiert, mit entsprechenden Beispielen aus Medizinbibliotheken.

Als geeignete Lizenzprodukte erwiesen sich lokal bewährte Arzneimittelverzeichnisse, häufig verwendete Lexika und bekannte Nachschlagewerke.

Bibliotheken profilieren sich durch PDA-Projekte bei ihren Benutzern und bei der Institutsleitung als Innovator und erarbeiten sich das nötige Expertenwissen für zukünftig wichtige mobile Bibliotheksanwendungen. Auf Hürden beim Einstieg in diese neue Technologie wird hingewiesen.

Das PDA-Projekt der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien startete im März 2007 und wird im vierten Teil im Detail behandelt. Ergebnisse der dabei durchgeführten Online-Umfrage werden graphisch dargestellt. Die Auswertung zielt dabei auf den Vergleich von zwei unterschiedlichen Nutzergruppen des PDA-Angebotes ab. Als Top-Anwendung stuften beide, ärzte und Medizinstudenten, das Arzneimittelverzeichnis ein, Studenten aber auch noch den Pschyrembel für die Prüfungsvorbereitung.

Im abschließenden Diskussionsteil werden Ideen, Erkenntnisse und Fragen der vorliegenden Arbeit nochmals durchgegangen und die Resultate der Online-Umfrage in Wien den Ergebnissen des Modell-Projektes der Zweigbibliothek Medizin der Universität Münster gegenüber gestellt.


Agnes Drucker: Bibliothek, quo vadis? - Konzept für die Verbesserung von Benutzerservice und Bibliothekskompetenz an der Anton Bruckner Privatuniversität

Die Masterthesis beschäftigt sich mit dem Benutzerservice an der Bibliothek der Anton Bruckner Privatuniversität (Bruckneruniversität). Das ehemalige Brucknerkonservatorium wurde 2004 zur Universität akkreditiert. Im Zuge dessen erfolgte auch der Aufbau der Bibliothek zur Universitätsbibliothek.

Durch diese spezielle Situation der noch jungen Universitätsbibliothek sieht sich die Bibliothek mit einigen Problemen in Bezug auf den Benutzerservice konfrontiert. Den Lesern fehlt es oft an Bibliothekskompetenz, sie wissen nicht um die Angebote der Bibliothek bzw. können nicht damit umgehen. Weiters wünscht sich die Bibliothek durch die Öffnung zur Universitätsbibliothek mehr externe Benutzer.

Ein Hauptaugenmerk soll dabei im Rahmen dieser Arbeit auf die Bibliothekskompetenz der derzeitigen und der erwünschten künftigen Nutzer gelegt werden.

Die Masterthesis stützt sich dabei auf aktuelle wissenschaftliche Literatur zu dieser Thematik, vergleicht bei diversen Aspekten auch die Vorgehensweisen anderer Bibliotheken und stellt praxisorientiert Maßnahmen für die Bibliothek der Bruckneruniversität dar. Ein breit gefächerter Bogen beginnt dabei bei der Erstellung eines Leitbildes, das der Bibliothek zu einer klaren Identität verhelfen soll und zwei wichtige Themenbereiche abdecken soll: Wer sind wir und für wen bieten wir unsere Services/Dienstleistungen an? Als Ergebnis sollen Zielgruppen festgelegt werden, mit denen danach konkrete Maßnahmen zur “Erreichung” der Bibliothekskompetenz überlegt werden können.

Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit dem Benutzerservice und der Bibliothekskompetenz der Leser. (Wie kann ich den Benutzern Bibliothekskompetenz vermitteln? Wie können die Leser verstärkt in die Bibliothek gebracht werden?) Dabei wird ein Spektrum vom Aufbau von zielgruppenorientierten Benutzerschulungen bis hin zu Marketingmaßnahmen präsentiert, die auf die Angebote der Bibliothek aufmerksam machen sollen.

Abgerundet wird die Arbeit mit einem Ausblick auf die Möglichkeit der Implementierung von Elementen der Teaching Library für die Bibliothek der Bruckneruniversität


Sonja Edler: Der Conspectus als bibliothekarisches Instrument zur inhaltlichen Bestandsanalyse: eine Anwendung an der Fachbibliothek für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien

Der Conspectus als Methode der inhaltlichen Bestandsevaluation und Entwicklung von vergleichbaren Erwerbungsprofilen wird erstmals in Österreich in seiner Entwicklungs- und Rezeptionsgeschichte vorgestellt und anschließend in einer adaptierten Form an der Fachbibliothek für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien exemplarisch angewendet. Anhand des Conspectus sollte die aktuelle Sammeltätigkeit einer Fachbibliothek ihrem Inhalt nach dargestellt werden. Aus den 779 Neuerwerbungen im Jahr 2005 wurde eine Zufallsstichprobe von 120 Exemplaren gezogen, die nach adaptierten Conspectus-Kriterien bewertet wurde: Notation der Basisklassifikation, Tiefenlevel und Sprache. Anschließend wurde der jeweilige Datensatz nach Sachgruppen der Basisklassifikation aggregiert und die Gruppen graphisch nach ethnologischen Disziplinen, Forschungslevel und Sprache aufbereitet. Es konnte aufgezeigt werden, dass der Conspectus als zugrunde liegende Idee betrachtet werden kann, die von Fall zu Fall unterschiedlich ausgeführt wird. Voraussetzung ist ein qualitativ guter Datensatz und einheitlich definierten Abfragekriterien, mit denen in weiterer Folge unterschiedliche inhaltliche Bestandsfragen beantwortet werden können. In einem Exkurs wurde aufgezeigt, dass auch eine Abfrage im Online-Katalog im Expertenmodus ohne Conspectus-Kriterien auch ein rasches Erwerbungsprofil liefern kann, wenn ein einheitliches inhaltliches Kriterium in jedem Exemplardatensatz vorhanden ist, wie zum Beispiel eine Standortsignatur mit inhaltlicher Aussage wie im Falle der Fachbibliothek für Kultur- und Sozialanthropologie.


Reinhard Ellensohn: Aspekte und Probleme der Konvolutbildung bei der Ordnung von Nachlässen am Beispiel des Günther-Anders-Nachlasses am Österreichischen Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Die Frage der inneren Ordnung von Nachlässen ist ein zentraler Aspekt der Nachlassbearbeitung. In der vorliegenden Master Thesis werden wesentliche Aspekte, Fragen und Probleme der Konvolutbildung, die bei der inneren Ordnung von Nachlässen relevant werden können, dargestellt und erörtert. Neben den theoretischen Überlegungen fließen auch die praktischen Erfahrungen, die der Autor bei der Ordnung (eines Teils) des Günther-Anders-Nachlasses am Österreichischen Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek machen konnte, ein.

Im ersten Kapitel werden die theoretischen Grundlagen im Hinblick auf das Thema Nachlassordnung bzw. Konvolutbildung erarbeitet. Im zweiten Kapitel wird über den praktischen Teil der Arbeit, die Ordnung des Anders-Nachlasses, berichtet. Im dritten Kapitel werden die wesentlichen Aspekte, Fragen und Probleme der Konvolutbildung erörtert und anhand einiger Beispiele dargestellt. Abschließend werden zwei Projekte am Deutschen Literaturarchiv in Marbach kurz vorgestellt. Ein Resumée fasst die wichtigsten Erkenntnisse und Ergebnisse der Master Thesis thesenartig zusammen.

Zunächst zeigt sich, dass das Literaturarchiv eine Mittelstellung zwischen traditionellem Archiv und Bibliothek einnimmt. Darüber hinaus wird deutlich, dass die Ordnung des Nachlassmaterials den Forschungs- und Erkenntnisprozess beeinflußt, sie ist immer in gewissem Sinn “erkenntnisleitend” . Im besten Fall fördert die Nachlassordnung den Forschungs- und Erkenntnisprozess.

Die abschließende Hauptthese lautet: Konvolutbildung ist eine besonders effiziente und vorteilhafte Form der Ordnung von Nachlässen, aus arbeitsökonomischer, aus wissenschaftstheoretischer und aus Benutzer-Perspektive. Probleme und Fragen, die im Zuge der Konvolutbildung auftreten können, sind durch entsprechende Vermerke bei der Verzeichnung und durch die Möglichkeiten der EDV lösbar. Schlagwörter: Archivtheorie, Nachlassbearbeitung, Nachlasserschließung, Nachlassordnung, Konvolutbildung.


Eva Farnberger: Der fotografische Teilnachlass Arthur Schnitzlers im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek: Bilddokumente eines Literaten im historischen und biografischen Kontext

Die Arbeit beschäftigt sich mit Fotografien aus dem Nachlass Arthur Schnitzlers und stellt diese in einen historischen und biografischen Kontext. Zunächst richtet sich der Blick auf die Nachlassgeschichte der Objekte, wobei unter Einbeziehung der im Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek vorhandenen Akten nachvollzogen werden kann, dass die Bibliothek eine nicht unwesentliche Rolle in der Provenienzgeschichte der Objekte spielte. Am Beispiel der Erstellung einer virtuellen Ausstellung auf der Bildplattform www.bildarchivaustria.at wird die Eingliederung des Nachlasses in den Sammlungsbestand des Bildarchivs, seine Erschließung und Präsentation im Internet aufgezeigt. Ein wesentlicher Teil beschäftigt sich mit den einzelnen Fotografien und den fotografischen Ateliers, in denen diese entstanden. Hierbei und auch bei der Betrachtung der in privatem Rahmen entstandenen Fotografien steht nach Einbeziehen der historischen Entwicklungen die Perspektive Arthur Schnitzlers im Vordergrund, indem seine Aussagen – als Quelle dienen seine Tagebucheinträge – zur Entstehung und Beurteilung von Fotografien sowie zu einzelnen Fotografen herangezogen werden.


Benedikt Feldkircher: Super Mario Brothers in the Library: Computer- und Videospiele in den Bibliotheken Deutsches Abstract

In den letzten Jahren unterlag die öffentliche Meinung über Computer- und Videospiele einem grundlegenden Wandel. Vor zehn Jahren galten Computer- und Videospiele als Zeitvertreib einer kleinen gesellschaftlichen Gruppe. Heute sind sie zu einem Massenphänomen geworden. Wirtschaftlich gesehen setzt die Unterhaltungssoftwareindustrie mehr Geld um, als die Filmindustrie. Durch diese Entwicklung wurde das Computer- und Videospiel immer mehr zum Gegenstand verschiedener Wissenschaften, wie zum Beispiel der Medienwissenschaften oder der Psychologie. Daraus entstand “Games Studies” als eine neue Wissenschaft.

Die öffentlichen Bibliotheken orientierten sich schon früh an die Wünsche ihrer Kunden und nahmen die digitalen Spiele in ihren Bestand auf. Die Library of Congress erstellte im Jahr 2006 einen Kanon der zehn wichtigsten Spiele der Computerspielgeschichte. Anfang 2000 starteten viele US-amerikanische, wissenschaftliche Bibliotheken Computer- und Videospiele in ihren Bestand zu integrieren und Forschern und Studierenden zu Verfügung zu stellen. Neben dieser klassischen Art der Bestandserweiterung, sah man in diesem neuen Medium auch eine ideale Möglichkeit, Marketing für die eigene Bibliothek zu betreiben. Auch als neue Lehrart, das Game-Base Learning, wird das Computer- und Videospiel vermehrt in verschiedenen wissenschaftlichen Bibliotheken für Benutzerschulungen und für die Informationkompetenz eingesetzt.

Die vorliegende Arbeit beschreibt diese Entwicklung des Computer- und Videospiels in Bibliotheken und welche Probleme und Möglichkeiten sich mit diesem neuen Medium ergeben können. An Hand von Beispielen wird der Einsatz der Computer- und Videospiele als Marketinginstrument und als neue Lehrart aufgezeigt.


Andreas Ferus: Open Access an Kunstuniversitäten – am Beispiel der Akademie der bildenden Künste Wien

Mangels nationaler Initiativen wurde die Open Access-Bewegung in Österreich lange Zeit von lediglich drei Institutionen: dem FWF, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien geprägt. Im Laufe der letzten beiden Jahre änderte sich dies aber schlagartig. Die Hauptgründe dafür sind die Gründung des vom FWF und von der Österreichischen Universitätenkonferenz (UNIKO) initiierten Open Access Network Austria (OANA) sowie das Anfang 2014 gestartete, vom österreichischen Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) kofinanzierte Hochschulraumstrukturmittelprojekt e-Infrastructures Austria, im Zuge dessen drei wichtige Ziele verfolgt werden: der Aufbau von Dokumentenservern bei allen Partnereinrichtungen, die Erarbeitung eines strategischen Konzepts für das zukünftige Forschungsdatenmanagement in Österreich und der Aufbau eines Wissensnetzwerks und einer allen 25 Projektpartnern zugänglichen Wissensinfrastruktur für den Umgang mit digitalen Ressourcen. Angestoßen durch die erwähnten Initiativen, schlug der Open Access-Gedanke in kürzester Zeit auch auf institutioneller Ebene seine Wurzeln, sodass mittlerweile neben dem FWF, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Institute of Science and Technology Austria, auch schon die Universitäten Graz, Klagenfurt, Salzburg und Wien sowie die Akademie der bildenden Künste Wien Open Access-Policies verabschiedet haben. In einem nächsten Schritt sollte der Status quo von Open Access an der Akademie erhoben werden, um davon organisatorische, strukturelle und strategische Maßnahmen für den Aufbau von Inf­rastrukturen, Services und anderen Angeboten im Zusammenhang mit Open Access ableiten zu können. Die Ausgangsbasis dafür, bildet die vorliegende Masterthesis.


Sigrid Fichtinger-Huber: Aufgaben, Funktion und Stellenwert österreichischer Kammerbibliotheken. Mit besonderer Berücksichtigung der Bibliothek der Österr. Apothekerkammer.

Die vorliegende Masterarbeit widmet sich den bislang wenig beachteten

Kammerbibliotheken. Sie setzt sich mit den Fragen, welche Aufgaben, welchen Nutzen, welche Funktion und welchen Stellenwert österreichische Kammerbibliotheken haben, auseinander. Die Problemstellung ergibt sich aus dem Fehlen einer exakten Definition dessen, was die eigentlichen Aufgaben einer Kammerbibliothek sind, welche Rolle sie für ihre Trägerinstitution übernehmen (soll) und wie / wo sie in der Bibliothekslandschaft positioniert ist, etwa welchem Bibliothekstyp sie zuzuordnen ist. Aufgrund des beruflichen Umfeldes der Verfasserin wird der Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Um den formulierten Forschungsfragen gerecht zu werden, wurde aus dem Methodenspektrum qualitativ ausgerichteter Sozialforschung die Durchführung von ExpertInneninterviews ausgewählt. Es wurden anhand von Leitfadeninterviews sechs KammerbibliothekarInnen befragt, die Situation in der Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer wurde mittels Selbstbeobachtung dargestellt. Auch der Blickwinkel der Trägerorganisation wurde berücksichtigt; dazu wurde stellvertretend für die Organisation der Kammeramtsdirektor der Österreichischen Apothekerkammer befragt.

Die eingehende Analyse der empirisch erhobenen Daten hat das Spezifikum von Kammerbibliotheken beleuchtet und Schlussfolgerungen ermöglicht, die mit dem Versuch einer Auslegung des Begriffs Kammerbibliothek abgerundet wurden. Als spezifische Merkmale von Kammerbibliotheken haben sich u. a. die folgenden abgezeichnet: Innerhalb ihrer Trägerorganisation kommt ihnen eine Sonderstellung zu, sie sind fokussiert auf eine eng umrissene Zielgruppe, die sich zusammensetzt aus allen, die mit der Kammer in einem Naheverhältnis stehen: MitarbeiterInnen, Mitglieder und EntscheidungsträgerInnen; was nicht zwingend den ausnahmslosen Ausschluss interessierter Externer bedeuten muss. Sie legen einen hohen Anspruch an die Qualität der eigenen Dienstleistungen, der in einer ausgeprägten Orientierung an den Bedürfnissen der BibliotheksnutzerInnen und einer besonderen Nähe zu ihnen Ausdruck findet.


Tarik Gaafar: NS-Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek der Universität für Bodenkultur in Wien

Im Rahmen dieser Masterarbeit soll das Projekt NS-Provenienzforschung an der Bibliothek der Universität für Bodenkultur (UB BOKU) vorbereitet werden und ein starker Impuls für die Durchführung desselbigen gesetzt werden. Zuerst wird als Einstieg ein kurzer Abriss über die Geschichte der damaligen Hochschule und Bibliothek kurz vor und in der NS-Zeit gegeben. Danach folgt der erste, theoretische Teil der Arbeit, der sich mit Provenienzforschung beschäftigt, der Schwerpunkt liegt bei NS-Raubgut. Dieser Einblick in die Provenienzforschung soll das theoretische Rüstzeug für das Projekt an der UB BOKU sein.

Diese Erkenntnisse, gepaart mit umfangreichen Recherchen, dienen im zweiten Teil der Arbeit dazu die Ausgangslage des Projektes festzustellen. Mögliche Quellen mussten gesucht und ihre Ergiebigkeit geprüft werden. Archivarische und mündliche Quellen sowie die Zugangsbücher zeigten sich als wenig ergiebig. Die vorhandenen archivarischen Quellen wurden zwar ausgewertet, jedoch gibt es kaum bibliotheksspezifisches Aktenmaterial. Mündliche Quellen gibt es im eigentlichen Sinne nicht mehr, die BibliotheksmitarbeiterInnen, die schon länger an der Bibliothek arbeiten, wurden jedoch befragt. Die Quellenlage bei physischen Merkmalen in den Büchern ist vielversprechender. Anhand der Eintragungen in den Büchern, die von der Bibliothek gemacht wurden, lässt sich feststellen, wann und woher das Werk kam. Es werden Kaufjahr, Herkunft, Preis und das Inventarisierungsdatum angegeben. Ob nun ein Verdacht auf Raubgut besteht, lässt sich durch diesen Eintrag in der Regel nicht feststellen. Dazu müsste eine einschlägige Herkunft genannt werden. Ist dies nicht der Fall, braucht es für einen Verdacht noch weitere Merkmale im jeweiligen Werk. Eine durchgeführte Stichprobe brachte noch keine Funde. Falls geraubte Werke gefunden werden, wird die Rückgabe an die rechtmäßigen EigentümerInnen angestrebt.

Die Masterarbeit, wie auch das momentan laufende Projekt, beschäftigen sich mit den Beständen der Hauptbibliothek der UB BOKU. Bestände der Fach- und Institutsbibliotheken sollen zu einem späteren Zeitpunkt bearbeitet werden.


Annarita Garganese: Die Personalentwicklung in systematischer und historischer Perspektive. Universitätsbibliothek Wien, Konstanz, Bozen und UCL Library als Fallbeispiele

Heutzutage steht die Bibliothekswelt vor einem bedeutenden Funktionswandel, der nicht nur die von den Bibliotheken angebotenen Dienstleistungen betrifft, sondern die gesamte Bibliotheksstruktur umfasst und grundlegende Umwandlungen seitens des Führungsmanagements erfordert.

Den neuen Anforderungen der Kunden und Nutzer entsprechen auch aktuelle Projekte, die  die Bibliothek als "Learning Center" begreifen und architektonisch neu zu gestalten versuchen.

Das enorme Anwachsen der verfügbaren Informationen und Informationsdienste im Internet sowie die Entwicklung neuer Medien konfrontiert die Bibliotheken mit konkurrierenden Anbietern, sodass sie sich profilieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit mehr und mehr erhöhen müssen.

Aufgrund der Tatsache, dass die neuen Anforderungen im Hinblick auf Innovation und digitale Bibliothek nur von einem qualifizierten Personal bewältigt werden können, wird eine neue personelle Ausbildungsstrategie in den Fokus der Betrachtung gerückt. In diesem Sinne zielt die Personalentwicklung darauf ab, die Qualifikation der Mitarbeiter einerseits zu erhalten, andererseits aber auch zu erweitern.

Die betriebliche Personalpolitik kann nur im Gesamtzusammenhang mit der bibliothekarischen Tätigkeit gesehen werden. Die Forderungen nach einem aktuellen Standardniveau haben mit strategischer Personalentwicklung zu tun und sind die Grundlage für „ein der gesellschaftlichen Situation angepasstes, verändertes Management“.

Nur ein integriertes Vorgehen bei der Planung und Verwirklichung von Innovationen, bei dem die organisatorischen und personalpolitischen Entwicklungsschritte parallel geplant werden, wird den Anforderungen gerecht.

Zu den Zielen der vorliegenden Masterarbeit gehören:

1) die aktuelle Diskussion der theoretischen Grundlagen der Organisationsstrukturen und der Personalentwicklungsstrategien darzustellen

2) anhand von vier Fallbeispielen (der Universitätsbibliothek Wien, der Universitätsbibliothek Konstanz, der FUB Bibliothek Bozen und der UCL Library) kann die konkrete Entwicklung aufgezeigt werden – auch, inwieweit die Organigramme, die Personalführungs-Strategien und die entsprechenden -instrumente durch den Modernisierungsprozess des Informationsmarktes verändert worden sind.


Ellen Geisriegler: Enriching Electronic Texts with Semantic Metadata. A Use Case for the historical Newspaper Collection ANNO (Austrian Newspapers Online) of the Austrian National Library

Die vorliegende Master Thesis setzt sich mit der Frage nach Möglichkeiten der Anreicherung historischer Zeitungen mit semantischen Metadaten auseinander. Sie möchte außerdem analysieren, welcher Nutzen für vor allem geisteswissenschaftlich Forschende, durch die Anreicherung mit zusätzlichen Informationsquellen entsteht. Nach der Darstellung der Entwicklung der interdisziplinären ‚Digital Humanities', wurde für die digitale Sammlung historischer Zeitungen (ANNO AustriaN Newspapers Online) der Österreichischen Nationalbibliothek ein Use Case entwickelt, bei dem ‚Named Entities' (Personen, Orte, Organisationen und Daten) in ausgewählten Zeitungsausgaben manuell annotiert wurden. Methodisch wurde das Kodieren mit ‚TEI', einem Dokumentenformat zur Kodierung und zum Austausch von Texten durchgeführt. Zusätzlich wurden zu allen annotierten ‚Named Entities' Einträge in externen Datenbanken wie Wikipedia, Wikipedia Personensuche, der ehemaligen Personennamen- und Schlagwortnormdatei (jetzt Gemeinsame Normdatei GND), VIAF und dem Bildarchiv Austria gesucht und gegebenenfalls verlinkt. Eine Beschreibung der Ergebnisse des manuellen Annotierens der Zeitungsseiten schließt diesen Teil der Arbeit ab.

In einem weiteren Abschnitt werden die Ergebnisse des manuellen Annotierens mit jenen Ergebnissen, die automatisch mit dem German NER (Named Entity Recognition) generiert wurden, verglichen und in ihrer Genauigkeit analysiert.

Abschließend präsentiert die Arbeit einige Best Practice-Beispiele kodierter und angereicherter Zeitungsseiten, um den zusätzlichen Nutzen durch die Auszeichnung der ‚Named Entities' und durch die Verlinkung mit externen Informationsquellen für die BenützerInnen darzustellen.


Andrea Gruber: Anforderungen an Forschungsbibliotheken und deren Umsetzung. Entwicklung der Forschungsumgebung kleinerer Institutionen am Beispiel des Don Juan Archivs Wien.

Der Begriff Forschungsbibliothek bezeichnet im bibliothekstypologischen Kontext große, institutionell unabhängige Bibliotheken, die sich, orientiert an den historischen Geisteswissenschaften, der Forschung und Forschungsförderung widmen. Durch eine starke Fokussierung auf umfassende Sammlungen von Originalquellen ist der Typus nach der aus den 1990er Jahren stammenden Definition nur auf eine kleine Gruppe von Bibliotheken anwendbar, und berücksichtigt nicht, dass viele Forschungsfragen auch auf Basis von Reproduktionen bearbeitet werden können, wie sie in aktuellen Digitalisierungsinitiativen in großem Umfang entstehen. Wesentlich und typenbildend sind jedoch die Funktionen von Forschungsbibliotheken, denen auch kleinere Bibliotheken entsprechen, die in den Forschungsbetrieb einbezogen sind, wie jene des Don Juan Archivs Wien (DJA), einem theater- und kulturhistorischen Forschungsinstitut. Anhand des DJA und vier weiteren Einrichtungen, deren Forschungstätigkeiten samt den sich daraus ergebenden Anforderungen an ihre Bibliotheken in Expert*innen-Interviews erhoben wurden, identifiziert die Arbeit unter Berücksichtigung der relevanten Literatur zentrale Merkmale und Funktionen von Forschungsbibliotheken, deren besondere Verflechtung charakteristisch ist: Spezialisierter Bestand, tiefe Erschließung, eigene bestandsbezogene Forschung, Aktivitäten und Strukturen zur Forschungsunterstützung, Vermittlung der Forschungsergebnisse und Expertise. Daraus entstehen auch Anforderungen an die Forschungsumgebung. Wie diese in den Bereichen Erschließung, Forschung und Forschungsunterstützung umgesetzt werden können wird am Beispiel des DJA gezeigt.


Edeltraud Haas: E-books an der Bibliothek der Universität St. Gallen (HSG). Einbindung elektronischer Bücher in Bestand und Online-Katalog

E-Books gehören mittlerweile zum Portfolio einer wissenschaftlichen Bibliothek. Im Vergleich zu herkömmlichen Printmedien weisen sie für Benutzerinnen und Benutzer und für die Bibliothek Vorteile auf: von Aufenthaltsort und Öffnungszeiten der Bibliothek unabhängiger Zugriff, weder Belegung von Laufmetern noch Abnutzung, Beschädigung oder Diebstahl. In der Master Thesis wird aufgezeigt, wie die bereits vorhandenen E-Books in den Online-Katalog eingebunden werden und aufgrund welcher Auswahlkriterien die HSG-Bibliothek neue E-Books gekauft hat. Die Einbindung der bereits vorhandenen E-Books in den Online-Katalog wird dokumentiert. Bei den neuen E-Books handelt es sich um zwei Pakete des Springer-Verlages und um elektronische Bücher von Ciando. Anhand dieser zwei unterschiedlichen Modelle werden die notwendigen Überlegungen und Problemfelder, die bei Ankauf und Einbindung der E-Books in den Online-Katalog auf eine Bibliothek zukommen, dargestellt.


Christoph Hammerer: Arbeitsprozesse im Rahmen der Bibliothek der Veterinärmedizinischen Universität Wien - Darstellung des Alltags einer öffentlichen wissenschaftlichen Bibliothek in Österreich im Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Umbruch des Bibliothekswesens am Beginn des 21. Jahrhunderts

In folgender Thesis werden unterschiedliche Arbeitsprozesse, die gegenwärtig in der Hauptbibliothek der Universität für Veterinärmedizin in Wien durchgeführt werden, auf analytisch-deskriptiver Ebene dargestellt. Darüber hinaus wird ein allgemeiner Überblick über das Bibliothekswesen am Beginn des 21. Jahrhunderts geboten, welches – wie de facto sämtliche Bereiche des täglichen Lebens moderner Gesellschaften überhaupt – ebenfalls und nach wie vor, von zahlreichen Veränderungsprozessen, die die Globalisierung am Ende des 20. Jahrhunderts mit sich brachte, betroffen ist. Dabei werden unter anderem folgende Fragen behandelt: Mit welchen Problemen müssen öffentliche Bibliotheken gegenwärtig fertig werden, um weiterhin bestehen zu könnenß Oder: Was kann eine öffentliche Bibliothek wie jene der Universität für Veterinärmedizin in Wien eventuell tun, um weitere Herausforderungen bewältigen zu könnenß

Durch die Behandlung eben gestellter Fragen und der einleitend erwähnten Beschreibung einzelner Arbeitsprozesse, soll in folgender Thesis ein Einblick in den gegenwärtigen Alltag einer öffentlich wissenschaftlichen Bibliothek in Österreich zwischen Kontinuität und Umbruch im Rahmen des Sektors des Informationsmanagements am Beginn des 21. Jahrhunderts gegeben werden.


Katharina Hasitzka: Bibliometrie in Österreich

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit Bibliometrie in österreich auseinander. Sie ist in zwei Abschnitte gegliedert.
Im ersten Teil wird die Entstehung und Entwicklung der Bibliometrie in österreich dargestellt.
Grundlage bilden Auswertungen von Datenbankenrecherchen, wobei der untersuchte Zeitraum bis zum Jahr 2010 eingeschränkt wurde.
Einerseits wird untersucht, seit wann und in welcher Zahl wissenschaftliche Publikationen, einschließlich der Hochschulschriften, zu diesem Themenbereich entstanden sind und in welchen Fachdisziplinen Bibliometrie relevant ist.
Außerdem wird herausgearbeitet, welche Bedeutung der Bibliometrie in den österreichischen Printmedien zukommt und welche Themenschwerpunkte behandelt werden.
In diesem Kontext wird auch der Frage nachgegangen, welche Einrichtungen in österreich bibliometrische Serviceleistungen und Schulungen anbieten bzw. welche Rolle österreichischen Bibliometrikern national und international zukommt.

Schwerpunkt des zweiten Teiles bildet eine Untersuchung mit dem Zweck, Stellenwert und Akzeptanz der Bibliometrie in der österreichischen Scientific Community zu erheben.
Hierfür werden die Ergebnisse einer mittels E-Mail-Befragung mit Formular-Anhang durchgeführten Umfrage, die sich an Wissenschafter von österreichischen Universitäten und Forschungseinrichtungen wandte, ausgewertet und analysiert.
Die Untersuchungen zeigten, dass trotz der aufstrebenden und ansteigenden Aktivitäten der Wissensstand im Bereich Bibliometrie noch gering ist und viel Raum für Verbesserungen in der österreichischen Scientific Community hat. Die Mehrheit der Wissenschafter sieht Handlungsbedarf beim Angebot bibliometrischer Ausbildung und zeigt auch die Bereitschaft, vorhandene bibliometrische Services zu nutzen.


Leopold Hayer: Bibliometrische Untersuchungen zur Auswirkung der Schriften von Robert King MERTON. Über die Vorgangsweise bei bibliometrischen Untersuchungen und über die dabei zu beachtenden Besonderheiten der Zitationsdatenbank WEB OF SCIENCE

In der Arbeit Bibliometrische Untersuchungen zur Auswirkung der Schriften von Robert King Merton: Über die Vorgangsweise bei bibliometrischen Untersuchungen und über die dabei zu beachtenden Besonderheiten der Zitationsdatenbank Web of Science wird die Auswirkung der Schriften Robert King Mertons untersucht. Dabei wird gezeigt, wie bei derartigen bibliometrischen Untersuchungen vorgegangen werden kann.

Auf eine Einführung in die Bibliometrie folgt die Auswahl eines Literaturverwaltungsprogrammes, welches von den drei interdisziplinären Quellen für bibliometrische Untersuchungen Web of Science, Scopus und Google Scholar unterstützt wird.

Die bibliometrische Untersuchung beginnt mit der Gewinnung von Informationen über Robert King Merton, wobei auch Personalbiographien gefunden werden. Diese Informationen sind die Basis der anschließenden Datensammlung im Web of Science. Bei dieser Datensammlung werden die für derartige bibliometrische Untersuchungen wichtigen Eigenschaften des Web of Science dargestellt.

Abschließend werden die im Web of Science gesammelten Daten analysiert. Auf die Betrachtung der Publikationsgewohnheiten Robert King Mertons folgt die Zitationsanalyse seines Gesamtwerks. Im Web of Science wurden 136 Werke Robert King Mertons gefunden. Zur Publikation dieser Werke nutzte Robert King Merton am häufigsten die Zeitschriften American Sociological Review und American Journal of Sociology.

Im Web of Science sind 24 419 Werke erfasst, welche Robert King Merton zitieren. Von 1968 bis 2013 wurde er jährlich mehr als 300 Mal zitiert. Dabei ist seit 2002 ein steiler Anstieg der jährlichen Zitationshäufigkeit – bis auf 1120 – zu beobachten. Am häufigsten wurde Robert King Merton in Publikationsorganen zitiert, welche der Soziologie, den Wirtschaftswissenschaften und der Psychologie zugeordnet sind.

Auf Grund dieser Ergebnisse wird geschlossen, dass Robert King Mertons Werk hohe Bedeutung beigemessen wurde und wird.


Helene Heller: Die Bibliothek der Fachhochschule Vorarlberg auf dem Weg zur Teaching Library. Entwicklung eines praxisorientierten Konzeptes zur Vermittlung von Informationskompetenz

Im Rahmen der Arbeit wird für die Bibliothek der Fachhochschule Vorarlberg ein Konzept für die Vermittlung von Informationskompetenz entworfen. Nach der Beschreibung der Bibliothek der Fachhochschule Vorarlberg sowie einer Erläuterung der Begriffe “Teaching Library” und “Informationskompetenz” soll anhand von konkreten Praxisbeispielen gezeigt werden, auf welche Art und Weise Informationskompetenz vermittelt werden kann und welche Voraussetzungen dafür nötig sind. Dabei werden für die Bibliothek der Fachhochschule Vorarlberg Maßnahmen vorgeschlagen, die unter den gegebenen Voraussetzungen und den zur Verfügung stehenden Ressourcen auch in der Praxis umgesetzt werden können.

Wesentliche Aspekte der Arbeit sind die Frage der Einbindung von bibliothekarischen Schulungsangeboten in das reguläre Studium, nötige personelle und räumliche Voraussetzungen sowie Überlegungen zur Didaktik, Evaluation und zum Marketing von Veranstaltungen. Eigene Kapitel zu virtuellen und elektronischen Lernangeboten sowie zur schulenden Betreuung am point of use sollen verdeutlichen, dass Informationskompetenz auf verschiedene Art und Weise vermittelt werden kann.


Gunda Heydemann: Hauptsächlich Gedichte. Ein Beitrag zur Ordnung und Erschließung des Teilnachlasses Christine Bustas am Österreichischen Literaturarchiv

Die Arbeit ist ein Beitrag zur Erschließung eines Teilnachlasses der Christine Busta am Österreichischen Literaturarchiv. Es wurde entsprechend den im deutschsprachigen Raum üblichen Standards eine Ordnungssystematik entwickelt. Einige methodische und praktische Fragen im Umgang mit Archivgut wurden diskutiert; weiters wird ein knapper Überblick über das Leben der Autorin geboten. Im Anhang der Arbeit findet sich ein detaillierter Index der Gedichte und Gedichtanfänge, der vor allem der zukünftigen Forschung beim Auffinden der entsprechenden Vers-Texte behilflich sein soll.


Petra Hudler: Die Pflanzenbilder des Dioskurides in späteren illustrierten botanischen Werken aus dem 14. bis 16. Jahrhundert untersucht und verglichen an einigen ausgewählten Beispielen aus dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek

Um das Wissen der Antike im Mittelalter zu bewahren, mußten Handschriften immer wieder kopiert werden. Da beim Kopieren nicht nur in Texten unweigerlich Fehler entstehen, sind auch Pflanzenbilder aus pharmazeutischen und medizinischen Handschriften diesen Veränderungen unterworfen. Waren dann die abgebildeten Pflanzen noch zu erkennen und daher ihre Abbilder überhaupt von Nutzenß

Der Annahme folgend, daß der Codex Vindobonensis (C.V., Cod. Med. Gr. 1) und der Codex Neapolitanus(C.N., Ms. Ex Codex Vindobonensis Med. Gr. 1) als Quellen von Traditionslinien anzusehen sind (nicht als Individuen aber als Typ), wurden Pflanzenbücher des 14. bis 16. Jahrhunderts aus dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek daraufhin untersucht, ob charakteristische Merkmale von Pflanzen oder aus älteren Pflanzenbildern in Kopien (Abkömmlingen) aus späterer Zeit erkennbar sind.

Verglichen wurde die verschiedene Gliederung und Ausstattung der Codices: großformatige Prachthandschrift, mittelalterliche platzsparend angelegte Wissensressource und repräsentative Kopie.

Für Cod. 187 und 2277 wurden vollständige Inventare der enthaltenen Pflanzenbilder erstellt und diese zu ihren Vorbildern in C.V. und C.N. in Beziehung gesetzt (Tabellen 1 und 2).

Cod. 11.117-11.125 und Cod. Min. 107* wurden in die Untersuchung einbezogen, da Leonhard FUCHS noch stark von Dioskurides und Plinius beeinflußt war. In Tabelle 3 werden die beiden Codices in Beziehung gesetzt, wobei neue Erkenntnisse zur Zuordnung von Pflanzenbildern gewonnen wurden.

Anhand einiger ausgewählter Pflanzen wurde ein direkter Vergleich ihrer Abbildungen über alle bearbeiteten Codices im Sinne einer “Konkordanz der Abbildungen” erstellt. Tabelle 4 beinhaltet die Ergebnisse. Zusätzlich werden, um die Bedeutung von Informationsweitergabe im Bild zu verdeutlichen, einige Beispiele durch Bilder veranschaulicht (Abb. 1 - 33). Anhand dieser Beispiele wird erklärt, wie Merkmale im Lauf der Zeit durch Kopierfehler und Mißinterprätationen verändert wurden.


Karoline Hüttl, BA: Kinderbücher der ÖNB. Historischer und bibliophiler Kinderbuchbestand der Sammlung von Handschriften und Alten Drucken

Kinder- und Jugendliteratur wurde bis vor wenigen Jahren in Österreich von Forschenden und Lehrenden kaum beachtet und als nicht ernst zu nehmende Lektüre abgetan. Immer mehr wird jedoch auch von der Fachwelt ihr künstlerischer und kulturhistorischer Wert erkannt. Denn gerade hier lassen sich in den Texten und Illustrationen vorherrschende politische Strömungen, soziale Verhältnisse, moralische und pädagogische Ansichten der jeweiligen Epoche ablesen.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Sichtbarkeit der Kinder- und Jugendliteratur im Bestand der Sammlung von Handschriften und alten Drucken an der Österreichischen Nationalbibliothek zu erhöhen und dadurch den Benutzerinnen und Benutzern einen erleichterten Zugriff auf diese äußerst umfangreiche, kunst- und kulturhistorisch wertvolle Sammlung zu ermöglichen. Das Potenzial dieses außergewöhnlichen Sonderbestandes als Forschungsfeld soll erkannt, und im Allgemeinen das Interesse an Kinder- und Jugendliteratur geweckt und verstärkt werden. Zunächst wird die Ausgangslage an der Bibliothek beleuchtet. Ferner werden folgende Fragen eingehend beantwortet: Wie finde ich diese spezielle Literatur im Bestand der Bibliothek? Wie kann ich sie darstellen bzw. sichtbar machen?

Abschließend wird die Geschichte des Kinder- und Jugendbuchs in Österreich kurz geschildert und einige besondere, künstlerisch wertvolle und bibliophile Exemplare des 18. bis 21. Jahrhunderts aus dem Bestand der Sammlung von Handschriften und alten Drucken der Österreichischen Nationalbibliothek vorgestellt werden.


Ingeborg Jamek-Leitner: Umgestaltungsprozesse zur Modernisierung der Bibliothek der voestalpine Stahl GmbH

Die vorliegende Master Thesis “Umgestaltungsprozesse zur Modernisierung der Bibliothek der voestalpine Stahl GmbH” soll dem Management der voestalpine, dem Leiter der Bibliothek und dessen Mitarbeiterinnen als umfassender Leitfaden zur Reorganisation dienen. Im Vordergrund der Umgestaltungsprozesse der Bibliothek stehen Betrachtungen über bibliothekarische Kernbereiche wie der Umgang mit Bibliotheksverwaltungssystemen, Recherchearbeiten, Abwicklung des Zeitschriftenrundlaufs sowie auch architektonische Aspekte und Maßnahmen bei einem Bibliotheksumzug.

Da die Prozesse zur Modernisierung und Umgestaltung der Bibliothek eine konsequent durchführbare Umsetzung der Änderungsmaßnahmen erfordern, wird im anfänglichen theoretischen Teil der Master Thesis sämtliche themenrelevante Literatur aufgearbeitet um schließlich eine fachlich fundierte Basis für den praktisch bzw. “handwerklich” orientierten Abschnitt zu liefern. Der Schwerpunkt liegt hierbei primär auf der Kommunikation zwischen den Bibliothekarinnen und den Kundinnen der Einrichtung, der zahlreiche Interviews und Analysen vorangehen. Nebenbei werden auch die finanziell festgelegten Möglichkeiten des Managements mit den potentiellen Änderungsmaßnahmen abgewogen. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine optimale Umsetzung der Umgestaltungsprozesse im Handlungsrahmen der voestalpine Stahl GmbH in Verbindung mit den Anliegen derer Kundinnen im Hinblick auf die Erneuerung der Bibliothek.

Die dargebotene Master Thesis zeigt schließlich die Erstellung durchstrukturierter wie realistisch umsetzbarer Verfahrensanleitungen zur Umgestaltung der Bereiche “Architektur der Bibliothek” , “Umstieg auf elektronische Zeitschriften”, “Verwaltung der Fachartikel und Berichte”, “Auswahl an Bibliotheksverwaltungssystemen” sowie “Reorganisation des bestehenden Systems”.


Lydia Jammernegg: Frauen in Bewegung (1918-1938) - historische Entwicklung, Aufarbeitung und Dokumentation von relevanten Bibliotheks- und Archivbeständen in Österreich

Gleichzeitig mit der Organisierung von Frauen in Vereinen zur Durchsetzung ihrer politischen Forderungen, begannen diese auch relevante Publikationen zu sammeln und eigene Schriften zu veröffentlichen, die in den vereinseigenen, aber auch privaten Bibliotheken und Archiven gesammelt, sowie an öffentliche Einrichtungen abgeliefert wurden. Die Entwicklung sowie Aufarbeitung und Dokumentation dieser Bestände – historisch und im Rahmen von Frauen in Bewegung (1918–1938). Biographien, Vereinsprofile, Dokumente (http://www.fraueninbewegung.onb.ac.at/) – steht im Zentrum dieser Arbeit.

Der erste Teil widmet sich aus historischer Perspektive einerseits der Entstehungsgeschichte der Sammlungen zur Frauenbewegungsgeschichte ausgehend vom 19. Jahrhundert bis 1938, sowie Fragen nach der Weitertradierung dieser Bestände bis heute und andererseits den Dokumenten, die von den Frauenorganisationen herausgegeben wurden, und da vor allem den zahlreichen historischen Frauenzeitschriften.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der dokumentationswissenschaftlichen Aufarbeitung der in der Webpräsentation Frauen in Bewegung (1918–1938) verwendeten Materialien. Erörtert werden die Begriffe “Dokument” und “Quelle” sowie die Zugangsweisen zu diesen aus dokumentarischer und historischer Perspektive. Einerseits wird erläutert, wie – basierend auf diesen Reflexionen – Aufnahmekriterien erstellt wurden, die eine kontrollierte und standardisierte Auswahl der entsprechenden Dokumente und historischen Daten ermöglichten. Andererseits werden Wege, wie diese Dokumente auffindbar und zugänglich gemacht wurden, beschrieben. Dargestellt werden die Voraussetzungen dafür, ein Informationssystem zur Vermittlung von frauenpolitischen und frauenbewegten Aktivitäten von 1918 bis 1938 in Österreich zu erstellen, das auf nachvollziehbaren inhaltlichen Kriterien und formalen Aspekten beruht.


Susanne Kirchmair: “Produkt” Fachhochschulbibliothek - Analyse und Konzeption aus betriebswirtschaftlicher Sicht

Die universitäre Hochschulbildung in Österreich wird seit wenigen Jahren durch Fachhochschulen bereichert. Zur Infrastruktur einer Fachhochschule gehört ebenso der Zugang zu den Ressourcen einer Bibliothek. Am Beginn der Arbeit steht die Definition und Abgrenzung von wesentlichen Begriffen aus dem Bibliothekswesen und der Betriebswirtschaftslehre. Anschließend folgt eine Analyse der Rolle der Bibliothek für eine Bildungseinrichtung, ein Blick auf aktuelle Entwicklungen sowie eine Analyse der Bibliothek aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Anhand von drei Fallstudien werden Bibliothekskonzeptionen beispielhaft dargestellt. Mithilfe dieser Erkenntnisse werden Kriterien für ein Geschäftsmodell für FH-Bibliotheken entwickelt und Empfehlungen gegeben.


Markus Knitel: The application of linked data principles to library data : opportunities and challenges

Linked Data hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einem vorherrschenden Thema der Bibliothekswissenschaft entwickelt. Als ein Standard für Erfassung und Austausch von Daten, bestehen zahlreiche Berührungspunkte mit traditionellen bibliothekarischen Techniken. Diese Arbeit stellt in einem ersten Teil die grundlegenden Technologien dieses neuen Paradigmas vor, um sodann deren Anwendung auf bibliothekarische Daten zu untersuchen. Den zentralen Prinzipien der Linked Data Initiative folgend, werden dabei die Adressierung von Entitäten durch URIs, die Anwendung des RDF Datenmodells und die Verknüpfung von heterogenen Datenbeständen näher beleuchtet. Den dabei zu Tage tretenden Herausforderungen der Sicherstellung von qualitativ hochwertiger Information, der permanenten Adressierung von Inhalten im World Wide Web sowie Problemen der Interoperabilität von Metadatenstandards wird dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Der letzte Teil der Arbeit skizziert ein Programm, welches eine mögliche Erweiterung der Suchmaschine des österreichischen Bibliothekenverbundes darstellt. Dessen prototypische Umsetzung erlaubt eine realistische Einschätzung der derzeitigen Möglichkeiten von Linked Data und unterstreicht viele der vorher theoretisch erarbeiteten Themengebiete. Es zeigt sich, dass für den voll produktiven Einsatz von Linked Data noch viele Hürden zu überwinden sind. Insbesondere befinden sich viele Projekte derzeit noch in einem frühen Reifegrad. Andererseits sind die Möglichkeiten, die aus einem konsequenten Einsatz von RDF resultieren würden, vielversprechend. RDF qualifiziert sich somit als Kandidat für den Ersatz von auslaufenden bibliographischen Datenformaten wie MAB oder MARC.


Christina Köstner-Pemsel: Die Lust zur Ordnung – Bibliothekarinnen an wissenschaftlichen Bibliotheken in Österreich

Der Bibliothekarsberuf war jahrhundertelang ein reiner Männerberuf. Mit dem Jahr 1921 konnten die ersten Akademikerinnen an einer wissenschaftlichen Bibliothek in Österreich angestellt werden. Diese Pionierinnen waren allesamt Töchter aus „gutem Hause“, übten ihren Beruf ein Leben lang aus und waren nicht verheiratet. Diese Arbeit zeigt erstmals umfassend die Geschichte der Frauen an wissenschaftlichen Bibliotheken in Österreich und skizziert dabei die gesetzlichen Rahmenbedienungen und nennt die ProtagonistInnen, die dazu beitrugen, dass sich dieser Beruf innerhalb von gut 50 Jahren zu einem Frauenberuf gewandelt hat. Es wird aber auch darauf eingegangen, welche Themen und Probleme die Bibliothekarinnen bewegten, wie ihre Aufstiegschancen waren, ob und wie sie Beruf und Familie vereinbaren konnten, und ob heute noch das Geschlecht den Ausschlag für eine Personalentscheidung gibt. Mit einem historisch-biographischen Ansatz wurde an dieses Thema herangegangen und dabei vor allem Primärquellen ausgewertet. Insgesamt wurde die Geschichte von 21 wissenschaftlichen Bibliotheken herangezogen, doch ein Schwerpunkt der Arbeit liegt auf den beiden größten Bibliotheken Österreichs, der Österreichischen Nationalbibliothek und der Universitätsbibliothek Wien. Diese Arbeit bringt einen neuen Blickwinkel auf die Arbeit der wissenschaftlichen Bibliotheken in Österreich und möchte damit zur Veränderung der Wahrnehmung von Bibliotheksgeschichte beitragen.


Alice Kristl: Kritische Auseinandersetzung mit der Förderung der Informationskompetenz im Bereich der Wirtschaftssprachen mittels eLearning an der WU Bibliothek

Die rasante Entwicklung der Technologien und der Gesellschaft, sowie der immer schneller werdende Lebensrhythmus jedes Einzelnen haben zur Folge, dass immer mehr Studierende neben dem Studium arbeiten und von Zuhause aus lernen und recherchieren müssen.

Hat man früher nur eine Ausbildung gemacht und in weiterer Folge sein ganzes Berufsleben in nur einer Branche verbracht, so ist man heute gezwungen sich ständig weiterzubilden um einerseits am aktuellsten Stand der Dinge zu bleiben, aber andererseits auch um einen vielfältigen, breit gefächerten Lebenslauf aufweisen zu können.

Studierende in der heutigen Zeit müssen oft neben dem Studium arbeiten und/oder Praktika absolvieren um Erfahrungen zu sammeln. eLearning ermöglicht ihnen zeit- und ortsungebunden zu sein, sie können von Zuhause aus, vom Büro oder aus dem Ausland per Computer an den Lehrveranstaltungen teilnehmen und sich mit anderen Studierenden austauschen.

Seit 2001 gibt es an der Wirtschaftsuniversität Wien die eLearning-Plattform Learn@WU. Sie ist ein wichtiger Bestandteil des Studiums geworden und wird auch viel und oft genützt. Allerdings fehlt noch die Informationskompetenz für die Bibliothek Wirtschaftssprachen, welche ich in meiner Masterthese versucht habe aufzubauen.

Nach einer kurzen Definition von eLearning, ist es auch wichtig die verschiedensten Schulungsarten kennenzulernen, um für die eigene Plattform die geeignetste Form der Schulung zu finden. Da für die WU eigentlich nur ein Online Tutorial in Frage kommt, muss man wissen wie so ein Tutorial aufgebaut ist, worauf man achten muss und was man vermeiden sollte.

Anhand anderer eLearning-Plattformen wird in einem ersten Schritt analysiert, welche Vor- und Nachteile diese beiden Plattformen haben, um den Aufbau der eigenen eLearning-Plattform optimieren zu können.

Das Online Tutorial für die Bibliothek Wirtschaftssprachen wird so aufgebaut sein, dass man anhand eines Bibliotheksplans zu den verschiedensten Themenbereichen wie Orientierung in der Bibliothek, Systematiken, Zeitungen und Zeitschriften, Datenbanken und Transliterationsliste gelangt.

Der Studierende bekommt einen umfassenden Einblick in den Bestand der Bibliothek Wirtschaftssprachen und einen Überblick über die verschiedenen Systematiken, Zeitschriften und Datenbanken in der Bibliothek Wirtschaftssprachen.

Nach dem Durchlesen des Online Tutorials sollte er in der Lage sein, sich in der Bibliothek auszukennen und recherchieren zu können.


Adele Kuenrath: Frauenbibliotheken in Österreich

Im Fokus dieser Arbeit steht die übergreifende Darstellung der Frauenbewegungsgeschichte und der daraus hervorgegangenen frauenrelevanten österreichischen Einrichtungen. Einführend wird anhand einschlägiger Literatur die Verwendung des Begriffs Frauenbibliothek diskutiert.

Der nächste Teil der Arbeit widmet sich aus einer historischen Perspektive der „ersten“ Frauenbewegung und ihrer Bibliotheken in Österreich. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Voraussetzungen gelegt, die die Errichtung eigener Bibliotheken notwendig machten.

Des Weiteren werden die Übergänge hin zur Neuen Frauenbewegung sowie ihren Informationseinrichtungen dargelegt. Dabei wird auf die Frage nach Brüchen bzw. Kontinuität eingegangen.

Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit der Neuen Frauenbewegung und den in diesem Kontext entstandenen Informationseinrichtungen aus historischer und gegenwärtiger Sicht. Die Befragung ausgewählter Einrichtungen mittels Fragebogen sowie Internetrecherche dienen der komplettierenden und aktuellen Darstellung der jeweiligen Einrichtungen.

Die Analyse der Forschungsliteratur zeigt, dass bereits die Alte Frauenbewegung Bibliotheken zum Zweck der Selbsthilfe gründete, da die traditionelle Bibliothekswelt mit ihrem Wissensangebot die Bedürfnisse der Frauenbewegungen nicht abdeckte.

Die Jahre 1918 bzw. 1934/38 stellen einen Bruch dar, weil (fast) alle Frauenvereine und -organisationen sowie die dazugehörigen Bibliotheken aufgelöst wurden. International überlebten einige Bibliotheken der historischen Frauenbewegung bzw. kam es hierzu ab den 1920er Jahren zu Neugründungen, während in Österreich Bestände nur verstreut erhalten blieben.

Erst mit der Herausbildung der Neuen Frauen- und Lesbenbewegungen Ende der 1960er Jahre entstanden wiederum Informationseinrichtungen, die zum Ziel hatten/haben frauenspezifisches Wissen zu sammeln, zu erschließen und zugänglich zu machen. Erschwert wird diese Aufgabe durch mangelnde finanzielle sowie personelle Ressourcen, was in den letzten Jahren zu  Schließungen bzw. Umstrukturierungen einiger Einrichtungen führte.

Es zeigt sich, dass eine effiziente Vernetzung die wesentliche Voraussetzung für ein zukünftiges Bestehen dieser Einrichtungen darstellt.


Martina Lammel: AllAge AllOver?! AllAgeLiteratur in der Bibliothek zwischen Altersempfehlung und Jugendschutz

Harry Potter, Rubinrot, Tintenherz, Tribute von Panem oder Twilight... kaum ein Tag vergeht, an dem nicht nach einem dieser sogenannten All-Age-Titel an der Informationstheke einer Öffentlichen Bibliothek gefragt wird, doch das Auffallende dabei ist, dass es sich bei den potentiellen Leserinnen und Leser nicht nur um Kinder und Jugendliche, sondern auch um deutlich ältere Leser beiderlei Geschlechts handelt.

Doch darf nicht vergessen werden, dass es neben einer alters- und generationsübergreifenden Kinder- und Jugendliteratur auch noch eine altersspezifische Literatur gibt, d.h. Literatur mit einer speziellen Altersempfehlung bzw. Alterskennzeichnung. Wie kommt eine solche Kennzeichnung aber auf ein Kinder- oder Jugendbuch? Wer legt fest, wer welches Buch lesen kann bzw. darf? Nach welchen formalen, inhaltlichen und sprachlichen Kriterien oder entwicklungspsychologischen Lesestufen werden Altersempfehlungen von Rezensenten und Verlagen ausgesprochen? Und worin liegen – aus Sicht der Autoren, Buchhändler und Verlagshäuser etc. – die Vor- und Nachteile einer derartigen Kennzeichnung?

Die vorliegende Master Thesis bietet dank einer Online-Befragung unter Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen deutschsprachiger Verlagshäuser bzw. Kinder- und Jugendliteraturinstitutionen Antworten auf diese Fragen sowie – erstmalig wissenschaftlich analysiert und untersucht – einen fundierten Einblick in die gängige Praxis bei der Vergabe von Altersempfehlungen. Darüber hinaus illustriert und belegt eine statistische Datenerhebung und Auswertung ausgewählter All-Age-Titel die Popularität dieser Werke bei LeserInnen und Lesern aller Altersstufen. Schlussendlich geht die vorliegende Master Thesis auf historische Lesealtersstufenmodelle sowie aktuelle literaturwissenschaftliche Debatten um Altersempfehlungen bzw. adäquate Lesealter in Deutschland, Großbritannien und Russland ein.

Denn eines steht fest: trotz oder gerade wegen der altersübergreifenden Titelauswahl scheint All-Age-Literatur dennoch immer eine Frage des Alters zu sein...


Beate Lang: Comics und die Bibliothek: Zum Beginn einer späten Freundschaft?

Aufgrund eines Mangels an institutioneller Akzeptanz werden Comics in wißenschaftlichen Bibliotheken so gut wie nicht gesammelt. Die Rezeption von Comics wurde jahrelang mit einem geringen Maß an Bildung und mit einem Verlust von Lesekompetenz in Verbindung gebracht. Obwohl visuelle Medien immer wichtiger werden, begann eine Akademisierung des Comics-Diskurses nur schleppend. In den letzten Jahren wurden Comics vom kulturellen wie wißenschaftlichen Betrieb verstärkt als ernstzunehmender Gegenstand wahrgenommen. Zum einen gewann das Lesen von Comics an Zustimmung, zum anderen begann die Wißenschaft – vorerst im angloamerikanischen Raum, später auch in Europa – sich in zahlreichen Disziplinen mit Comics zu beschäftigen. Comics gewinnen an Bedeutung als Quelle und als literarische Form.

Nun liegt es an den Bibliotheken, diesem Wißenschaftstrend entgegenzukommen und hinreichend Sekundär- und vor allem auch Primärliteratur zur Verfügung zu stellen. Eine Recherche nach Comics in entsprechenden Katalogen deckt allerdings die defizitäre Handhabung in wißenschaftlichen Bibliotheken auf. Bibliotheken werden dem rasant wachsenden Forschungsintereße nicht gerecht. Es mangelt an Aufgeschloßenheit gegenüber Comics, an Erschließungsmöglichkeiten und vor allem an ausreichenden Beständen.

Diese Arbeit versucht, das Comic der wißenschaftlichen Bibliothek näherzubringen, indem sie es von verschiedenen Seiten beleuchtet und als wichtige zeitgenößische, stilistisch vielfältige, inhaltlich anspruchsvolle und herausfordernde Publikationsform vorstellt. Mainstreamcomics, sowie Publikationen jenseits des Maßenmarkts wie Graphic Novels oder Comiczines aus dem alternativen Kulturbereich werden auf ihre Funktion als Quelle und im Bezug auf Erschließungspraktiken und Archivierungs-methoden analysiert und debattiert, die Dringlichkeit der Erhaltung dieser Quellen wird argumentativ belegt. Reßentiments seitens der Gesellschaft und der Wißenschaft gegenüber Comics als Maßenmedien werden untersucht und als nicht haltbar bewertet. Nicht zuletzt ist die Arbeit als ein Plädoyer für eine Freundschaft zwischen Comics und der wißenschaftlichen Bibliothek zu lesen.


Christian Liebl: Zur Edition historischer Tonaufnahmen: Vorarbeiten für die Erschließung und Kontextualisierung unveröffentlichter Bestände des Phonogrammarchivs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Das Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1899 als erstes Schallarchiv der Welt gegründet, veröffentlicht seit 1999 seine CD-Edition Gesamtausgabe der Historischen Bestände 1899–1950. Diesen Tonaufnahmen, die im Memory of the World Register der UNESCO eingetragen sind, widmet sich die vorliegende Master Thesis (aus dem Fachbereich FB 2: Medientheoretische Grundlagen) in drei Hauptkapiteln:

  1. Probleme und Methoden der Erschließung, Kontextualisierung und Edition historischer Tondokumente bilden den Mittelpunkt des ersten Kapitels, an dessen Beginn Betrachtungen zum Wert historischer Tonaufnahmen stehen, bevor dann Wesen und Ziele der Gesamtausgabe sowie deren Editionsprinzipien erläutert werden. Im Anschluss folgen Überlegungen zu einer zukünftigen Publikationsform (Online / Open Access) sowie ein Vergleich mit der CD-Reihe des Berliner Phonogramm-Archivs. Die beiden nächsten Abschnitte umfassen zwei praxisorientierte Workflows für die kommentierte Quellenedition insbesondere von Phonogrammen, die aber für andere historische Tonträger ebenfalls relevant sind. Der Workflow zur inhaltlichen Erschließung präsentiert wichtige Arbeitsschritte, thematisiert jedoch auch prinzipielle editorische Fragen, während der technische Workflow als klassischer Leitfaden (zu Re-recording, Signalverbesserung etc.) konzipiert ist.
  2. Im zweiten Kapitel werden ausgewählte kleinere Sammlungen der historischen Bestände des Phonogrammarchivs aus den Jahren 1911 bis 1918 – unveröffentlichte Tonaufnahmen der Sprachwissenschaftler Eugen Herzog, Carlo Battisti, Josef Balassa und Karl von Ettmayer – für eine zukünftige Edition vorerschlossen; der Schwerpunkt liegt dabei auf den Biographien der Feldforscher und Phonographierten sowie der Kontextualisierung der Tondokumente.
  3. Inhalt des letzten Kapitels ist die Erstellung eines Archivbehelfs zu einem Konvolut von Materialien aus dem Phonogrammarchiv, um diese Quelle (vor allem allgemeine Akten, Personalakten und Zeitungsausschnitte der Jahre 1899–1955) für zukünftige Editionen und Recherchen zur Geschichte des Phonogrammarchivs entsprechend nutzbar zu machen.

Michaela Linhardt: Suum cuique. Konzeption eines Etatverteilungsmodells für die Universitätsbibliothek Graz

Im Rahmen dieser Masterthesis wird eine Modellarchitektur für ein Etatverteilungsmodell entwickelt, das an der Universität Graz eine zeitgemäße, bedarfsorientierte und transparente Literaturversorgung gewährleisten soll.

Ausgehend von einer Begriffsbestimmung und einem kurzen historischen Überblick werden gängige Verteilungsparameter (Personal-, Literatur-, Benutzungs- und Leistungsparameter) sowie weitere Faktoren, die bei der Entwicklung von Etatmodellen zu beachten sind, vorgestellt. Besondere Bedeutung kommt dem Bereich E-Medien zu. Im Hinblick auf die Etatverteilung elektronischer Ressourcen werden folgende drei Problemfelder diskutiert: NutzerInnengesteuerte Erwerbung, Konsortialerwerbung und Open Access. Die Umfrageergebnisse an österreichischen Universitätsbibliotheken belegen, dass Etatverteilungsmodelle hierzulande keinen Einfluss auf die inneruniversitäre Mittelvergabe ausüben. Nur eine Bibliothek wendet ein kleines Verteilungsmodell (ausschließlich für Printmonografien) an und zwei weitere Institutionen sind in der Planungs- bzw. Ausarbeitungsphase. Erste Berechnungen werden für die Parameter wissenschaftliches Personal, wissenschaftliche Publikationen und prüfungsaktive Studierende angestellt. Auch lokale Durchschnittspreise, getrennt nach Sprache (deutschsprachig/fremdsprachig) und Publikationsform (Monografien/Zeitschriften) werden pro Wissenschaftszweig ermittelt. Für den digitalen Bereich wird für die fachübergreifenden Produkte, Patron Driven Acquisition und für drei deutschsprachige Springer E-Book-Pakete, eine prozentuelle Aufteilung (Titel bzw. Preis) auf die Wissenschaftszweige der UB Graz vorgenommen.


Patrick Karbon: Das Österreichische Portal zur Informationskompetenz  : Hinführung zum neuen Portal anhand evaluierter Bildungsportale zur Informationskompetenz im deutschsprachigen Raum

Die Master Thesis soll anhand von in Deutschland und der Schweiz durchgeführten Evaluationen zu bestehenden Bildungsportalen zur Informationskompetenz eine Hinführung zum neuen Portal der Informationskompetenz und deren Vermittlung in Österreich bieten. Dafür werden diese Evaluierungen nach prädefinierten Heuristiken gegenübergestellt, um daraus eine Best practice für die Entwicklung, Umsetzung und Instandhaltung des neuen Portals abzuleiten. Die Arbeit gründet sich auf kompilatorischer Vorarbeit zur Informationskompetenz, zur Vermittlung von Informationskompetenz, zu Bildungsportalen und zur Evaluierung von Portalen. Nebst einer theoretischen Übersicht wird die Arbeit von einem praktischen Teil in der genannten Gegenüberstellung aus dem Blickwinkel des Inhalts, des Systems und der User abgerundet. Der rote Faden dieser Arbeit ist der praxisorientierte Zugang aus der Sicht der Benutzer.


Martina Koger: Zeugnisse aus dem Leben eines Wienerliedsängers - der Nachlass von Peter Wlček

Die in dieser Arbeit behandelte Thematik ist eine Darstellung über die Entwicklung des Wienerliedes durch die Beiträge einzelner Interpreten und Musiker. Es soll der Frage nachgegangen werden, welche Bedeutung hatte das Wirken und Engagement von Peter Wlček und wie stellt sich die Situation anhand der Aufarbeitung von Beständen aus dem Nachlass von Peter Wlček (1897-1988) dar. Diese Unterlagen wurden vom Sohn des Verstorbenen dem Archiv des Österreichischen Volksliederwerkes übergeben. Anhand der in dieser Sammlung enthaltenen Lebensdokumente1 sowie weiterer Quellen, soll mit Hilfe eines aufgezeichneten Interviews mit dem Sohn (Walter Wlček) vom 28. Mai 2003 das Leben des Sängers dargestellt werden. Dabei wird darauf hingewiesen, dass das Gespräch zwischen der Leiterin des Österreichischen Volksliedwerkes, Mag. Michaela Brodl, und Prof. Walter Wlček im Zuge der Übergabe von Dokumenten, Programmen, Noten und Fotografien erfolgte und keine strukturierte Befragung im Sinne eines geplanten Interviews darstellt.

Die Aufgabenstellung für die Master Thesis setzt sich aus verschiedenen Bereichen zusammen. Unter Berücksichtigung der kulturellen, gesellschaftspolitischen und historischen Faktoren soll die Thematik, die Bedeutung einzelner Interpreten für die Entwicklung und den Erhalt des Wienerliedes, behandelt und dabei ein quellenkritischer Ansatz beachtet werden. Des Weiteren sollen die Beziehungen von Peter Wlček zu anderen Interpreten des Wienerliedes und die Bedeutung seiner Tätigkeit für die musikalische Tradition des Wienerliedes beleuchtet werden. In erster Linie soll das Leben und Wirken von Peter Wlček dargestellt werden. Eine Aufstellung und Beschreibung der Lebensdokumente soll Stationen des Lebens von Peter Wlčeks dokumentieren.

Der Nachlass von Peter Wlček umfasst handschriftliche Aufzeichnungen, Geschäfts-, Kassa- und Arbeitsbücher, Ausweise, Verzeichnisse, Preisaufstellungen, Programmzettel, zahlreiche Bilddokumente, eine große Anzahl von gedruckten und handschriftlichen Noten, über tausend Liedflugblätter und 753 Einzelblattdrucke sowie andere Dokumente aus dem Leben des Musikers.


Birgit Kopar: Mahnungen als Service am Leser : eine empirische Studie über das Rückgabeverhalten der BenutzerInnen an der Universitätsbibliothek Wien im Zeitraum 1999 bis 2010

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Mahnungen und Mahngebühren an der Universitätsbibliothek Wien. Die Autorin untersucht den Zeitraum von 1999-2010 anhand einer Datenbankauswertung auf Basis bibliothekseigener Datenaufzeichnungen. Im ersten Teil der Arbeit wird der Einfluss von Gebühren auf überzogene Werke zu jenen Zeitpunkten untersucht, an denen es zu einer Gebührenerhöhung kam. In diesem Kontext werden auch die Unterschiede zwischen verschiedenen BenutzerInnengruppen herausgearbeitet sowie die gebräuchlichsten Entlehnfristen bezüglich überziehungsquotient und überziehungsdauer miteinander verglichen.
Im zweiten Teil der Arbeit wird anhand einer Umfrage der Stellenwert der Mahnungen unter den BenutzerInnen geklärt, ebenso werden Gründe und Motive für verspätete Rückgaben untersucht, wobei unter anderem die Frage berücksichtigt wird, ob es eine Schmerzgrenze bei Gebühren gibt, ab der die NutzerInnen keinesfalls mehr überziehen würden.
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass Mahnungen und Mahngebühren grundsätzlich notwendig sind, dass aber die Höhe der Gebühren keine wesentliche Rolle spielt. Wirft man einen Blick auf die Unterschiede im Rückgabeverhalten zwischen verschiedenen BenutzerInnengruppen, so ist allerdings sehr wohl ein deutlicher Unterschied in der Einstellung von Gruppen mit gleichen Entlehnbedingungen gegenüber der Gebührenhöhe feststellbar.
Es stellte sich im Zuge der Untersuchung ferner heraus, dass die Leihfristen einen weniger starken Einfluss auf das Rückgabeverhalten haben, als bisher angenommen: Die kürzeste und die längste Leihfrist haben nahezu den gleichen überziehungsquotienten. Der höchste Quotient findet sich bei den 14 tägigen Ausleihen. Die Umfrage ergab, dass die NutzerInnen die Werke aus Vergesslichkeit, aus Zeitmangel oder bei Eigenbedarf verspätet zurückgeben. Die BenützerInnen vertraten in der Umfrage tendenziell die Ansicht, dass ohne Mahnungen und Gebühren die Bücher nicht mehr oder nicht rechtzeitig zurückkommen würden. überfällige Werke wurden vor allem dann als Problem betrachtet, wenn Vormerkungen bestanden und dadurch die persönliche Terminplanung des/der Wartenden durcheinander geriet. Trotzdem wurde in der Umfrage auch bei vorgemerkten Werken eine Verspätung von höchstens einer Woche unter den NutzerInnen toleriert.


Julia König-Rainer: Die Plakatsammlung der Wienbibliothek im Rathaus. Plakatkunst der sechziger Jahre. Schwerpunkt Wien.

Diese Masterarbeit geht von der These aus, dass es anhand der Plakatsammlung, aufgrund ihres Sammlungsaufbaus und der Erschließung, möglich sein sollte, die Wiener Geschichte des 20. Jahrhunderts und jeden beliebigen Zeitabschnitt daraus mit Plakaten zu belegen und so die Geschichte visuell erfassbar zu machen. Das Medium Plakat berücksichtigt dabei stets nur das öffentliche Leben, ohne individuelle Lebenssituationen einzelner Personen zu erfassen.

Um diese These prüfen zu können, ist zuerst eine zeitliche Begrenzung notwendig, denn aus dem Zeitraum 1900-2000 sind mehr als 118.500 Plakate verzeichnet. Hierfür wurden die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts ausgewählt.

Einleitend wird die Plakatsammlung der Wienbibliothek, ihre Bestände sowie die Erschließung der Sammlung vorgestellt und so ein Überblick über die Sammlung gegeben, der als Grundlage zur Beurteilung des Zutreffens der These dienen soll. Ein kurzer Exkurs ist der Werbebranche der sechziger Jahre gewidmet.

Das Kapitel über die Geschichte Wiens der sechziger Jahre liefert die inhaltliche Grundlage, an der es die These zu prüfen gilt. Im thematisch gegliederten Bildteil erfolgt die Prüfung der eingangs vertretenen These.

Die These ist schlüssig und belegbar, wenn es das öffentliche Leben und allgemeine, gesellschaftliche Entwicklungen zu belegen gilt. Individuelle Lebenssituationen einzelner Personen sind anhand von Plakaten nicht erfassbar. Die Anwendbarkeit der These hat sich durch diese Masterarbeit bestätigt.


Martin Malina: Lokale (Aufstellungs-)Systematiken im Verbund für Bildung und Kultur (VBK) und Regensburger Verbundklassifikation (RVK) als Parallelsysteme.Probleme und Perspektiven – dargestellt am Beispiel der Bundesstaatlichen Pädagogischen Bibliothek beim Landesschulrat für Niederösterreich (PBN

In einem von Konkurrenz zu anderen Informationsanbietern gekennzeichneten Umfeld sehen Bibliotheken in der standardisierten inhaltlichen Erschließung durch fachlich qualifiziertes Personal eine ihrer Stärken. Angesichts tendenziell knapper werdender Ressourcen müssen gleichzeitig auch Methoden der Erschließung permanent auf ihre Brauchbarkeit für Kunden und Kundinnen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

Die vorliegende Arbeit ist in diesem Zusammenhang den Problemen gewidmet, die sich aus dem unverbundenen parallelen Einsatz von Verbundklassifikationen und lokalen Aufstellungssystematiken ergeben. Diese bestehen zentral darin, dass weder in der Recherche noch im Lesesaal noch in der Erschließungsarbeit eine sinnvolle und komfortable gemeinsame Nutzung beider Systeme möglich ist. Am Beispiel der Bundessstaatlichen Pädagogischen Bibliothek beim Landesschulrat für Niederösterreich (PBN), einer Bibliothek des Verbundes für Bildung und Kultur (VBK), wird untersucht, wie eine Verbindung zwischen Regensburger Verbundklassifikation (RVK) und einer lokaler Systematik hergestellt werden kann.

Ausgehend von allgemeinen Erläuterungen zu Klassifikationen in Bibliotheken und einer Analyse von Struktur und Funktionen beider Systeme, wird für den Sammlungskern einer pädagogischen Fachbibliothek eine Konkordanz zwischen RVK und lokaler Systematik erstellt. Auf dieser Grundlage werden Anwendungsmöglichkeiten für die Recherche im Suchportal Primo, für den Freihandbereich und für die Sacherschließungsarbeit entwickelt. Als besonders ertragreich erweist sich die Konkordanz in Verbindung mit vorgefertigten Suchabfragen zu einzelnen Sachgebieten für den Bereich der Recherche, können mit ihrer Hilfe doch Suchräume beträchtlich ausgeweitet und Defizite, die sich aus strukturellen Beschränkungen im Suchportal ergeben, ausgeglichen werden. Die Konkordanz sowie die aufgezeigten Anwendungsoptionen sollen als Modell gesehen werden, das– mit gewissen Anpassungen – auch auf andere Bibliotheken des VBK angewandt werden kann.erfassen, eine schlüssigere Lösung an.


Eva Marschik: Titel:Sichtbar werden: Wege und Visionen im Planungsprozess der neuen Bibliothek der Kunstuniversität Linz

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem geplanten Umzug der Bibliothek der Kunstuniversität Linz in ein für die Bedürfnisse der Bibliothek zu adaptierendes Gebäude am Hauptplatz Linz.

Eine Ist-Analyse der aktuellen Bibliothek verdeutlicht die Grenzen der räumlichen Situation und Magazinkapazitäten. Die Durchführung einer Bedarfserhebung via Online-Umfrage unter den PrimärkundInnen ermöglicht einen überblick über die Wünsche und Vorstellungen der BenutzerInnen. Die umsetzbaren Ergebnisse werden im Planungsprozess einfließen. Die Partizipation des Bibliothekspersonals und die Wichtigkeit von Change Management im Laufe des Projekts werden im Folgenden beleuchtet.

Die theoretische Beschäftigung mit den Thesen zu modernem Bibliotheksbau von Harry Faulkner-Brown und Andrew McDonald wird durch überlegungen zur Universitätsbibliothek als öffentlichem Raum und Lernort ergänzt.

Das Erstellen eines Wunschprofils für die neue Bibliothek umfasst vor allem die räumliche Zonierung der verschiedenen Bereiche, die Konzeption der Medienaufstellung und das Definieren des erforderlichen Platzbedarfs für Magazin, Benutzung und Verwaltung. Ein detailliertes Raum- und Funktionsprogramm erläutert eine mögliche Anordnung der geplanten Dienstleistungs- und Raumangebote und wird durch die Darstellung in Plänen ergänzt.

Ziel in der neuen Bibliothek ist neben der Deckung des Flächenbedarfs für die nächsten 10 bis 15 Jahre und der Umsetzung der räumlichen Trennung der verschiedenen Nutzungsbereiche in erster Linie das Schaffen von qualitativen Lese- Lern- und Arbeitsräumen für die BenutzerInnen. Darüber hinaus wird die größere Präsenz der Bibliothek am neuen Standort ein neues Image vermitteln und eine höhere Nutzungsfrequenz bewirken.


 Adelheid Mayer: Wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Historische, technische, organisatorische und ethische Aspekte der Sammlung sowie des Plagiarismus von Dissertationen, Diplom-, Magister- und Masterarbeiten an österreichischen Universitäten unter besonderer Berücksichtigung der Universität Wien

Wissenschaftliche Abschlussarbeiten wie Diplom-, Masterarbeiten und Dissertationen gehören seit Jahrhunderten zum Sammelgebiet wissenschaftlicher Bibliotheken, wo sie unter dem Begriff „Hochschulschriften“ firmieren. Bedeutete die Sammlung wissenschaftlicher Arbeiten bis vor einigen Jahren, die gedruckten Exemplare von Diplomarbeiten und Dissertationen in der Bibliothek aufzustellen und damit der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Situation durch die elektronische Verfügbarkeit der Texte grundlegend gewandelt. Inzwischen sammeln fast alle österreichischen Universitätsbibliotheken wissenschaftliche Arbeiten auch als digitale Ausgaben in institutionellen Repositorien. Nicht – bzw. kaum – gewandelt hat sich jedoch die Gesetzgebung bezüglich der verpflichtenden Veröffentlichung von wissenschaftlichen Arbeiten. Hier stehen Universitätsgesetz und vor allem Urheberrecht einer generellen Ablöse der Druckexemplare durch elektronische Ausgaben im Wege. Daneben beschäftigen sich aktuell die meisten Bibliotheken auch mit dem Aspekt des Plagiarismus in Hochschulschriften, der einerseits durch die technische Erleichterung des unzitierten Abschreibens durch Copy & Paste, andererseits durch die computergestützte Prüfung auf Textgleichheiten hervorgerufenen Fülle entdeckter Plagiatsfälle eine rege Debatte innerhalb und außerhalb der Universitäten ausgelöst hat. Jedenfalls sehen sich Universitäten hier gezwungen, sowohl aufdeckend als auch vorbeugend zu handeln.

Diese Arbeit beleuchtet Aspekte des juristischen Umfeldes, des Plagiarismus sowie der praktischen Handhabung wissenschaftlicher Arbeiten an österreichischen Universitätsbibliotheken, besonders aber der Universitätsbibliothek Wien im Jahr 2015. Daneben widmet sich eine historische Einleitung der Entstehungsgeschichte wissenschaftlicher Abschlussarbeiten, die zeigt, dass die Form, wie sie uns heute geläufig ist – Abhandlungen anhand wissenschaftlicher Methodik in deutscher Sprache – im Wesentlichen eine Entwicklung des späten 19. Jahrhunderts sind.


Claudia Mayerhofer: Maria Luise Cavallars künstlerische Vita: kulturgeschichtliche Wertungsprozesse und archivalische Grundlagen

Das Zentrum dieser Master Thesis bildet die systematische Erschließung und Auswertung des Teilnachlasses Maria Luise Cavallars (1889–1977) im Theatermuseum in Wien. Cavallar war eine vielseitige und wichtige Persönlichkeit im Wiener Kulturbetrieb, die vor allem in den 1930er-Jahren sowie Ende der 1940er bis in die 1960er-Jahre Teil eines Netzwerks von künstlerisch tätigen Frauen war, die zu jener Zeit durchaus als prominent galten, heute aber fast vollständig in Vergessenheit geraten sind.

Der Teilnachlass wurde nach Einbringung des Bestandes 2001 grob vorsortiert, darüber hinaus aber nicht nach bibliothekarischen Kriterien erschlossen. Neben der sorgfältigen Erschließung des Teilnachlasses setzte sich diese Arbeit die Erforschung biografischer Details zur Bestandsbildnerin zum Ziel, da ihre Vita bislang kaum untersucht wurde. Darüber hinaus soll damit der noch immer weitgehend unterrepräsentierten Sichtbarkeit von (künstlerischem) Schaffen von Frauen entgegen gewirkt werden.

In einem ersten Schritt wurde der Teilnachlass Maria Luise Cavallars nach den Regeln zur Erschließung von Nachlässen und Autographen (RNA) systematisch erschlossen. In einem zweiten Schritt erfolgte die inhaltliche Auswertung des Bestandes, aus dem sich der Großteil an Informationen über Leben und Wirken Cavallars ableiten ließ.

Die vorliegende Arbeit ist in zwei große Abschnitte gegliedert: Der erste Abschnitt zeigt Maria Luise Cavallars vielfältige Rollen im Wiener Kulturbetrieb. Sie war zunächst als Schauspielerin, dann als Schauspiellehrerin und Rezitatorin erfolgreich. Der Öffentlichkeit war sie darüber hinaus als Rundfunksprecherin und Verfasserin von Radiobeiträgen ein Begriff. Als langjährige Präsidentin des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen und Vizepräsidentin des Verbands der Geistig Schaffenden Österreichs organisierte sie unzählige (literarische) Veranstaltungen und nützte ihre Kontakte in der Wiener Kulturszene, um das künstlerische Schaffen von Frauen sichtbar zu machen und in den Mittelpunkt zu rücken. Charakteristisch für ihre außergewöhnliche Persönlichkeit ist die aktive Rolle, die sie im damals vor allem von Männern dominierten Kulturbereich innehatte.

Den Schwerpunkt des zweiten Abschnitts bildet die Ordnungssystematik, die im Zuge der Erschließung des Teilnachlasses erstellt wurde und eine weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Bestand ermöglicht. Begleitet wird sie von einem ausführlichen Kommentar, der sowohl systematische als auch inhaltliche Fragestellungen erörtert.


Roland Mayerhofer, BA: Marketing an österreichischen Behördenbibliotheken Best-Practice-Maßnahmen der Ministerialbibliothek des Bundesministeriums für Finanzen, der Wienbibliothek im Rathaus und der AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften und die Einschätzung ihrer Anwendbarkeit auf die Parlamentsbibliothek

Diese Masterthesis dient dem Zweck der Erhebung von Best-Practice-Maßnahmen, die von österreichischen Behördenbibliotheken im Bereich Marketing eingesetzt werden und der Einschätzung ihrer Anwendbarkeit auf die österreichische Parlamentsbibliothek. Dies erfolgt mittels der Durchführung von Expert/inneninterviews und der Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Jochen Gläser und Grit Laudel, denen theoretische definitorische und überblicksmäßig-einführende Ausführungen zu den Themenblöcken Wesen und Lage von Behördenbibliotheken in Österreich und Marketing für Bibliotheken vorangehen.

Bei den Behördenbibliotheken, die den Auswahlkriterien entsprachen (österreichischer Standort, Servicierung interner und externer Kund/innen, Mitgliedschaft im österreichischen Bibliothekenverbund), handelt es sich um die Ministerialbibliothek des Bundesministeriums für Finanzen, die Wienbibliothek im Rathaus und die AK Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften. Als Expert/innen fungierten jeweils die Leiterinnen der Einrichtungen.

Die Maßnahmen, die sich bewährt haben, dienen vor allem der Steigerung der Flexibilität, Multifunktionalität und Kund/innenorientierung des Personals und des Raums, der Verbesserung der Sichtbarmachung von Leistungen und dem Betrieb von effektiven und effizienten Werkzeugen der strategischen Steuerung, Kommunikation, Information und Kontrolle.

Ein Teil dieser Maßnahmen ist in der Parlamentsbibliothek bereits realisiert. Jene Maßnahmen, die es nicht sind, könnten, nach der entsprechenden Prüfung und Adaptierung, eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden Praxis darstellen.


Heike Merschitzka: Man kann es immer besser machen – Qualitätsmanagement an öffentlichen Bibliotheken am Beispiel des oberösterreichischen Qualitätssiegels für Erwachsenenbildung

Das Erwachsenenbildungsforum Oberösterreich vergibt seit 1998 ein Qualitätssiegel für Erwachsenenbildungseinrichtungen und öffentliche Bibliotheken. Das Qualitätssiegel für öffentliche Bibliotheken des Erwachsenenbildungsforums Oberösterreich, kurz „EBQS“, wurde in den Jahren 2014/2015 überarbeitet und an die aktuellen Aufgaben öffentlicher Bibliotheken angepasst. Nach einer Einführung in das Qualitätsmanagement in Bibliotheken und der aktuellen Situation in Österreich wird das „EBQS“ in dieser Arbeit beschrieben. Durch den Vergleich mit anderen Qualitätsmanagementmodellen für öffentliche Bibliotheken, vorwiegend Branchenmodellen, wurden Kriterien für die Beschreibung entwickelt und angewendet. Abschließend werden Empfehlungen für eine Verbesserung und Weiterentwicklung des Qualitätssiegels gegeben.


Ralf Messner: Erwerbungsarten von E-Books an wissenschaftlichen Bibliotheken. Ein Leitfaden mit besonderer Berücksichtigung des „Evidence-based selection“-Modells

Wissenschaftliche Bibliotheken können E-Books auf verschiedenste Arten und zu unterschiedlichsten Konditionen erwerben. In jüngster Zeit werden immer mehr neuartige Erwerbungsformen auf einem stetig komplexer werdenden Markt angeboten.

Der Beginn der vorliegenden Master Thesis liefert einen Überblick über die einschlägigen Begriffsdefinitionen (E-Book, Kauf, Lizenz) und die derzeit gängigen Erwerbungsarten (Einzeltitel, Pakete, nutzergesteuerte Erwerbung), wobei insbesondere der Hintergrund der rezentesten Entwicklungen im Bereich nutzergesteuerter Erwerbung intensiver beleuchtet wird.

Im zweiten Teil wird anhand der E-Book-Erwerbung der Universitätsbibliothek Wien ein Praxisbeispiel empirisch dargestellt. Neben den „Standard“-Erwerbungsarten (als Einzeltitel bzw. in Paketform) werden auch diverse Sonderformen (E-Books aus Periodika bzw. Datenbanken) und die Integration von E-Books in die Nachweissysteme der Bibliothek besprochen. Das Hauptaugenmerk liegt auch im empirischen Teil auf der nutzergesteuerten Erwerbung, welche an der UB Wien dem sogenannten „Evidence-based selection“-Prinzip (EBS) folgt. Neben dem EBS-Modell mit einem Verlag wurde auch erstmalig ein EBS-Projekt mit einem Aggregator umgesetzt. Die beiden detaillierten Fallbeispiele demonstrieren anschaulich, welche Vorbereitungen notwendig sind und welche technischen und organisatorischen Herausforderungen in der Umsetzungs- und Abschluss-phase zu bewältigen sind.

Im dritten Teil werden die wichtigsten Erkenntnisse in Form eines Leitfadens für die E-Book-Erwerbung präsentiert. Die verschiedenen Möglichkeiten hinsichtlich Erwerbungsarten, Anbietern, Zugangsbedingungen, Nutzungsrechten, Nachweissystemen, Metadaten, Paketen sowie nutzergesteuerter Erwerbung werden kurz und prägnant zusammengefasst.


Marian Miehl: Studie zu Status und Optimierungsmöglichkeiten für die Informationskompetenz der Studierenden der Medizinischen Universität Wien

Mit der vorliegenden Arbeit wurde erstmals an der Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Wien eine Befragung der höhersemestrigen Studierenden mittels Interviews durchgeführt. Dafür wurde ein Leitfaden ausgearbeitet, der aus drei Frageblöcken zu den Themenbereichen Informationskompetenz, Lehrbuchsammlung und Teaching Library bestand. Es sollte festgestellt werden, wie gut der Umgang der Studierenden mit dem Online-Katalog ist, wie hoch die Zufriedenheit der Studierenden mit der Lehrbuchsammlung und wie stark die Nutzung der elektronischen Lehrbücher ist. Des Weiteren wurde erfragt inwieweit die Studierenden die vermittelten Inhalte der Lehrveranstaltungen der Universitätsbibliothek im Rahmen des Medizin Curriculum Wien (MCW) im Studium anwenden und ob sie in diesem Bereich zusätzliche Angebote benötigen um das Wissen zu festigen.

Die Arbeit beschäftigt sich in einem ersten Schritt mit den theoretischen Grundlagen der drei Frageblöcke und der derzeitige Status Quo an der Universitätsbibliothek wird festgehalten. Danach findet eine Auseinandersetzung mit den methodischen Grundlagen einer Befragung mittels Interviews statt. Anschließend wird auf die Methodik, die Zielgruppe und den Ablauf der Befragung eingegangen, bevor die Ergebnisse der Interviews dargestellt werden. Abschließend findet sich eine Zusammenfassung und es werden Empfehlungen zur Umsetzung der Wünsche der Studierenden gegeben.

Wesentliche Ergebnisse der Befragung sind, dass die Studierenden, entgegen der ursprünglichen Annahme, ihre Literatur lieber direkt im Regal suchen. Wenn sie dafür auf den Online-Katalog zurückgreifen, dann nutzen die meisten noch das alte System, den OPAC, und nicht die neue Suchmaschine Ubmed find it. Die Zufriedenheit mit dem Angebot der Lehrbuchsammlung ist hoch, das elektronische Angebot wird allerdings weniger genutzt als erwartet. Die Inhalte der Lehrveranstaltungen sind zwar noch präsent, trotzdem äußert der Großteil der Studierenden den Wunsch nach einer Möglichkeit das Wissen zu einem späteren Zeitpunkt auffrischen zu können.


Irene Mitis-Stanzel: Social Tagging in Bibliotheken - Analyse und Konzeption aus betriebswirtschaftlicher Sicht

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Methode des Social Tagging zur Erschließung von Bibliotheksbeständen. Social Tagging ist die Beschreibung von Ressourcen mittels frei wählbarer Schlagwörter - sogenannter Tags – durch die Benutzerinnen selbst. Der dabei entstehende Pool an Tags wird Folksonomy genannt. Neben einer genauen Analyse der Funktionsweisen von Folksonomies sowohl bei der Beschreibung von als auch bei der Suche nach Ressourcen, werden mögliche Funktionen von Social Tagging im Bibliotheksbereich dargestellt. Dabei wird klar, dass Folksonomies traditionellen Erschließungsmethoden in manchen Bereichen unterlegen sind, in anderen aber völlig neue Möglichkeiten bieten. Social Tagging kann die bibliothekarische Sacherschließung daher nicht ersetzen, ist aber eine sinnvolle Ergänzung zu dieser. Dies beweisen auch die in dieser Arbeit beschriebenen Beispiele von öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken, die Social Tagging bereits einsetzen.


Simone Moser: Artists‘ books – Buch, Dokument oder Kunstwerk? Künstlerbücher und Rara der 1960er- und 1970er-Jahre mit einem Blick auf den Bestand der mumok Bibliothek

Die Bibliothek des Museums Moderner Kunst ist eine öffentliche Museumsbibliothek, die ca. 40.000 Medien zur Kunst des 20. Jahrhunderts sowie zur zeitgenössischen Kunst verwaltet. Künstlerbücher und andere Libri Rari spielen in diesem Kontext eine wesentliche Rolle. Insbesondere die im Jahr 2005 erworbene Bibliothek des privaten Kunstsammlers Wolfgang setzt wichtige Akzente für die Rezension der internationalen Kunst in der Periode der 1960er und 1970er Jahre.

In den 1960er Jahren machte die kulturelle Revolution auch vor dem Medium Buch nicht Halt. Bildende Künstler entdeckten das Buch als Transportmittel für Ideen, Konzepte und Manifeste. Außen oft unspektakulär, transportiert das Innenleben die entscheidenden Inhalte. Das Buch, das mit niedrigen Preisen das Interesse eines breiten Publikums gewinnen wollte, entwickelte sich zu einer eigenständigen Kunstform, die so vielfältig und experimentell wie die Kunst selbst ist.

Künstlerbücher werden sowohl sinnlich als auch intellektuell begriffen, sie pendeln zwischen Lesbarem, Betrachtbarem, Denkbarem, und Begreifbarem. Durch den Paradigmenwechsel, der ab den späten 1970er-Jahren stattfand, wurde dem Rezipienten jedoch die sinnliche Erfahrung wieder genommen. Das Künstlerbuch wurde seiner Rolle, als demokratisches Multiple zu funktionieren, quasi enthoben. Damit wurde auch die Absicht, avantgardistische Inhalte breit zu streuen, mehr oder weniger aufgekündigt. Das Künstlerbuch wird seitdem mit institutionellem Auftrag konserviert.

Konzept- und Künstlerbücher spielen in der Bibliothek die Rolle des Grenzgängers. Ihre Bezeichnung als Künstlerbuch, Objektbuch, Buchobjekt, Malerbuch, Medium dazwischen, artists‘ book, book as art, intermedia …  spiegelt die ganze Bandbreite. Vor dem Hintergrund der Klassifizierung taucht auch ständig die erneut zu formulierende Frage auf: Künstlerbuch, Dokument, Kunstwerk oder doch „nur“ ganz einfach Katalogbuch?

Die zum Thema Künstlerbuch reichlich vorhandene Literatur spiegelt nicht nur die der Thematik immanente Widersprüchlichkeit, sondern unternimmt auch den theoretischen Versuch, verbindliche Kriterien zu definieren.

Die Thesis konzentriert sich auf die methodische Diskussion der einschlägigen Literatur mit dem Ziel, eine für das mumok verbindliche Definition für das Künstlerbuch vorzuschlagen. In der vorliegenden Arbeit werden das Künstlerbuch und seine historische Entwicklung mit dem Fokus auf den Stellenwert als „besonderes Medium“ analysiert. Im Speziellen wurde die Bedeutung des Künstlerbuches für die mumok Bibliothek anhand einiger ausgewählter Beispiele exemplarisch erörtert und dargestellt.


Irmgard Müller: Online-Kommunikation in österreichischen Bibliotheken und Informationseinrichtungen. Bestandsaufnahme und Perspektiven

Kommunikationsarbeit im Internet heißt, sich laufend an die dynamischen Veränderungen in der Nutzung des World Wide Web und im Kommunikationsverhalten der zahlreichen Dialoggruppen von Bibliotheken anzupassen. Der Wandel von statischer, monologischer Kommunikation hin zu dialogorientierter, vernetzter und spezifischer Zielgruppenkommunikation vollzieht sich in raschen Schritten und wird in Zukunft von den Internetbenützer/innen auch hinsichtlich der Online-Angebote österreichischer Bibliotheken zunehmend eingefordert werden. Die vorliegende Master Thesis spannt einen Bogen von den Anforderungen, die an die Kommunikationsarbeit im Internet derzeit gestellt werden, bis hin zu den aktuellen Online-Kommunikationsaktivitäten österreichischer Bibliotheken.

Zur Einleitung werden in einem kurzen Abriss zentrale Begriffe und aktuelle wissenschaftliche Ansätze zu Online-Public Relations und Online-Kommunikation zusammengefasst. Anschließend diskutiert die Arbeit aktuelle Entwicklungen bibliothekarischer Internet-Kommunikation und verknüpft diese mit einer Auswahl kommentierter Fallbeispiele die für kreative und innovative Online Relations an in und ausländischen Bibliotheken stehen. Der Fokus wird dabei auf drei Themenfelder der Öffentlichkeitsarbeit, nämlich Bibliothekspräsentation, Media Relations und Zielgruppenkommunikation, gerichtet. Zum Abschluss geht die Thesis der Frage nach, inwieweit Bibliotheken das Internet gegenwärtig zur Kommunikation mit ihren Dialoggruppen und Öffentlichkeiten nützen. Dazu wurde eine Inhaltsanalyse auf österreichischen Bibliothekswebsites durchgeführt, die zum Ziel hatte, den Status quo der aktuellen Online-Kommunikationsaktivitäten der Bibliotheken zu erheben.

Zunächst zeigt sich, dass ein Großteil der Bibliothekswebsites gegenwärtig einen eher geringen Grad an Interaktivität und Dialogorientierung aufweist. Die Vorteile und Chancen, die aufgrund neuer Technologien und Instrumente für die Online-Kommunikation entstehen, werden erst in Ansätzen zum konkreten Zielgruppendialog eingesetzt. Jedoch findet sich auch eine Reihe sehr innovativer Ideen und Ansätze, die für die Zukunft in Richtung vermehrte Dialogorientierung und interaktive Kommunikation auf österreichischen Bibliothekswebsites weisen.


Roswitha Müller: RAK-WB in MAB2 - Materialien für die Lehre der Formalerschließung im Rahmen des Österreischichen Bibliothekenverbundes, nebst einer theoretischen Einleitung

Mit der vorliegenden Arbeit werden Schulungsunterlagen zur Formalerschließung nach RAK-WB im Rahmen des Kategorienschemas MAB2 vorgelegt.

Mit diesen Unterlagen sollen einerseits die wesentlichsten Regeln der RAK-WB vermittelt werden, die konkretes Katalogisieren in einer Datenbankumgebung ermöglichen; andererseits sollen sie den Lernenden dabei unterstützen, allgemeine Prinzipien der Formalerschließung zu verstehen. Dies soll den Transferprozess auf andere Regelwerks/Kategorienumgebungen erleichtern.

In der allgemeinen Einleitung wird die theoretische Basis der Unterlagen dargestellt: daraus ergibt sich ein allgemeines Modell für die Didaktik der Formalerschließung, das insbesondere in einer zukünftigen RDA/FRBR/MARC-Umgebung fruchtbringend zu sein verspricht.


Michaela Ortner: Die Einblattdrucke des 16 Jahrhunderts der Österreichischen Nationalbibliothek in der Flugblätter-, Plakate- und Exlibris-Sammlung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Einblattdrucken des 16. Jahrhunderts der Flugblättersammlung an der Österreichischen Nationalbibliothek. Dabei werden im ersten Abschnitt die Geschichte der Sammlung sowie die verschiedenen Ansätze, wie mit diesem Sonderbestand verfahren wurde, aufgezeigt. Im zweiten Teil wird ein Überblick über die Geschichte des Mediums und seiner Erschließung in anderen Institutionen ab dem 19. Jahrhundert bis heute gegeben. Zum Abschluss wird dargestellt, wie die aus den beiden ersten Teilen gewonnenen Erkenntnisse im Pilotprojekt “Flugblätterkatalog” umgesetzt wurden, wobei die Datensätze mit digitalen Images angereichert sind. Die formale und inhaltliche Erschließung erfolgte nach dem Standard der Regelwerke RAK-Alte Drucke und RSWK, einer Voraussetzung für die problemlose Einbindung der Datenbank in Verbundkataloge und Internet-Portale. Die Frühdrucke aus dieser Spezialsammlung der “Palatina” sind durch die 2009 erfolgte Internet-Präsentation auf der Homepage der Österreichischen Nationalbibliothek.


David Panhuber, BA: Discovery Services in Österreich. Mit Suchmaschinentechnologie zum Bibliothekskatalog der nächsten Generation

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Discovery Services an Universitätsbibliotheken in Österreich. Zu Beginn werden die Merkmale von Discovery Systemen herausgestrichen und deren Vorzüge mit denen von Internetsuchmaschinen und klassischen Bibliotheks-OPACs verglichen.

Des Weiteren werden die Erwartungshaltungen von BibliothekarInnen an jene Systeme eruiert und erste Erfahrungswerte veranschaulicht. Es wird untersucht, nach welchen Kriterien das jeweilige Lizenzprodukt ausgewählt wurde und welche Effekte sich nach der Einführung des Discovery Services einstellten. Während die Zahl der BibliotheksbesucherInnen, der Bedarf an NutzerInnenschulungen sowie die Entlehnung gedruckter Medien stets konstant geblieben sind, hat vor allem die Nutzung elektronischer Medien durch die Einführung von Discovery Services merklich zugenommen.

Auf Basis einer qualitativen NutzerInnen-Studie, bei der zehn Sudierende zweier Institutionen je drei Suchaufgaben mittels Discovery Systemen lösen sollten, wurde eine Liste von Kriterien erstellt, die ein ideales Discovery Service erfüllen sollte, um die Literatursuche von LeserInnen optimal zu unterstützen. Wichtig ist in diesem Bereich vor allem die schlüssige Gliederung der auf Normdaten gestützten Suchfacetten. Der optimale Einsatz jener Facetten setzt eine solide inhaltliche Bestandserschließung voraus. Jegliche Art von Pop-Up-Fenstern ist zu vermeiden und die Anzahl der benötigten Klicks, um an ein bestimmtes Exemplar am gewünschten Standort zu gelangen, sind zu reduzieren. Der Einsatz hinterlegter Thesauri wird nahe gelegt, um die durch Schreibfehler, durch die Verwendung mehrerer üblicher Schreibweisen und durch Deklinationen entstehende Probleme zu umgehen. Außerdem wird zum Zwecke der Suchoptimierung die Aufzeichnung der durch Suchanfragen erhobenen Daten empfohlen.

Zusammenfassend sollte ein Discovery Service möglichst selbsterklärend zu bedienen sein. Jegliche Hilfestellung sollte so knapp wie möglich ausfallen, da sie ansonsten nicht beachtet wird. Sämtliche Fehlerquellen während des Recherchevorganges sollten nach Möglichkeit vom System selbst kompensiert werden. Überall wo dies nicht möglich ist, sollten NutzerInnenschulungen den LeserInnen dabei helfen, das System kennen zu lernen, um es entsprechend anwenden zu können.


David Parsian: Überlegungen zur Aufstellungssystematik und Reklassifikation an der Fachbereichsbibliothek Afrikawissenschaften und Orientalistik.

Der praktische Einsatz der Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) für die inhaltliche Erschließung sowie als Aufstellungssystematik in wissenschaftlichen Bibliotheken des deutschen Sprachraums hat wenig Tradition und wurde bisher von der Literatur kaum aufgearbeitet. Nach einer Darstellung der Rahmenbedingungen und der Problemlage in der Fachbereichsbibliothek Afrikanistik/Orientalistik der Universität Wien, gibt der Autor einen Überblick über die Erfahrungen mit und die Einschätzung von DDC in vergleichbaren wissenschaftlichen Bibliotheken vor allem im deutschen und englischen Sprachraum, definiert Kriterien für eine neue Systematik und klärt inwieweit diese mit dem Einsatz von DDC erfüllbar sind. Ausgehend von den quantitativen und räumlichen Rahmenbedingungen und der Segmentierung des Bestandes im Hinblick auf die Erfordernisse der Reklassifikation, sowie auf der Basis eigener Erfahrungen und Plausibilitätsprüfungen schätzt der Autor anhand von drei Varianten den nötigen Personal- und Zeitaufwand für den Einsatz von DDC im Rahmen eines Reklassifizierungsprojektes. Abschließend enthält die vorliegende Arbeit praktische Erfahrungen im Umgang mit der DDC am Beispiel des Themenbereiches “Islamwissenschaft” , durch die auf einige Besonderheiten und Probleme bei der Verwendung von DDC für die Reklassifizierung hingewiesen wird.


Josef Pauser: Amtsdrucksachen des 16. Jahrhunderts. Ein Beitrag zum Druck von amtlichen Druckschriften anhand Wiener Offizinen der Frühen Neuzeit

Die vorliegende Arbeit geht dem Druck von Amtsdrucksachen im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Wien nach. Der Schwerpunkt liegt dabei in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Als Amtsdrucksachen sind dabei all jene Druckschriften zu verstehen, welche die unterschiedlichsten Obrigkeiten aus amtlichen Bedürfnissen heraus drucken ließen. Materiell betrachtet handelt es sich hauptsächlich um Gesetze und um Verwaltungs­schrift­gut (Formulare u.Ä.). Die große Masse der Gesetze wurde in der Form von Einblattdrucken (Plakate) gedruckt, umfänglichere Ordnungen auch in Buchform („Libell“). Gesetzesdrucke sind bereits vereinzelt ab Maximilian I. (1493–1519) überliefert. Besonders intensiv wird der Buchdruck zu amtlichen Zwecken dann unter der Herrschaft Ferdinands I. (1521–1564) herangezogen werden.

Im Amtsdruckschriftengeschäft sind vor allem vorerst die Wiener Buchdrucker Johann Winterburger (1492–1519) und dann nach dessen Tod Johann Singriener d. Ä. (1510–1545) zu nennen. Als Johann Singriener d. Ä. stirbt wird die Offizin von einer Erbengemeinschaft seiner Söhne (1546–1549) weitergeführt, bis schließlich mit Johann Singriener d. J. (1550–1562) der jüngste Sohn die Offizin übernimmt. Speziell zur Offizin Singriener konnte zahlreiches neues Quellenmaterial in den Rechnungsbüchern des Hofkammerarchivs (Gedenkbücher) und des Wiener Stadt- und Landesarchivs (Oberkammer-, Steueramt) aufgefunden und erstmals herangezogen werden. Aufgrund dieser Quellen, die in einem Anhang auch ediert wurden, konnten neue Erkenntnisse zu Produktionsbedingungen und Kosten von Amtsdrucksachen und damit zum ökonomischen Umfeld des frühneuzeitlichen Wiener Buchdruckergewerbes und Buchhandels getätigt werden. Darüber hinaus konnten auch erstmals Auflagenhöhen von landesfürstlichen Gesetzen und von Geboten der Stadt Wien genau bestimmt werden, was – aus rechtshistorischer Sicht – Rückschlüsse auf Kundmachungsbedingungen zulässt. Trotz allem bleiben Lücken, denn nicht für alle Gesetze konnten Zahlungen in den Rechnungsbüchern nachgewiesen werden.


Martina Payr: Wissenshandlungsfelder: ganzheitliches Wissensmanagement an der Universitätsbibliothek Wien

Die Instrumente des Wissensmanagements dienen dazu, Wissen zu ordnen, zu managen, abzurufen und zu kommunizieren. Anhand einer wissenschaftlichen Bibliothek, wie der Universitätsbibliothek Wien wird aufgezeigt, welche Theorien für den universitären Bereich relevant und von Interesse sind. Methoden und informationstechnologische Instrumente zur Wissensgenerierung, zum Wissensaustausch und zur Wissensverteilung werden besprochen, sowie die Integration von Wissen in alltäglichen Geschäftsprozesse und deren Qualitätssicherung beschrieben.

Ganzheitliches Wissensmanagement setzt auf sozialpsychologische Aspekte, Beziehungen und Kommunikation, Lernkultur und Vertrauensklima in einer Organisation und hat auch die Optimierung der Geschäftsprozesse, der Arbeitsorganisation und der technologischen Infrastruktur zum Ziel.


Veronika Plössnig: Changemanagement an Universitätsbibliotheken: Unterschiedliche Methoden der Durchführung und deren Erfolg.

Im Mittelpunkt dieser Master Thesis steht die Forschungsfrage, mit welchen Methoden, Methodenbausteinen oder Instrumenten Führungskräfte im Bibliothekswesen bei der Durchführung von Change Management-Prozessen unterstützt werden können. Dazu werden Veränderungsprozesse an deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken vorgestellt, die auf ganz unterschiedliche Weise umgesetzt wurden. Dies sind die Universitätsbibliothek der Technischen Universität München (TUM), die Universitätsbibliothek Passau sowie einige Bibliotheken in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, die gemeinsam das Modell der Kollegialen Beratung entwickelten.

Als Forschungsmethoden werden Instrumente der Qualitativen Sozialforschung gewählt. Die Datenerhebung wird mittels qualitativer, problemzentrierter Interviews mit den beteiligten Führungskräften durchgeführt. Die Auswertung der Daten erfolgt mittels der Methode der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.

Die Master Thesis wird mit einer Einschätzung und Bewertung der aus den Daten gewonnenen Erkenntnisse unter dem Fokus der Forschungsfrage abgeschlossen.


Kathrin Pokorny-Nagel: Zur systematischen Erfassung und Präsentation von Künstlerbüchern im Internet

Mit der vorliegenden Arbeit wird der wissenschaftliche Versuch unternommen, einen weiteren, schon längst fälligen Schritt in der kunsthistorischen Bearbeitung des künstlerisch gestalteten Buches zu setzen und gleichzeitig die inhaltliche Erschließung der weitgehend unbekannten Sondersammlung Ausstattungsbücher / Künstlerbücher des MAK-Österreichisches Museums für angewandte Kunst / Gegenwartskunst und deren Präsentation im Internet zu betreiben.

Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit besteht zunächst in einer gründlichen theoretischen Diskussion der einschlägigen Begriffe, insbesondere des zentralen Begriffs vom Künstlerbuch; weiter wird die Entwicklung einer Datenbank vorgestellt und begründet, die die einschlägigen MAK-Bestände erfasst. Dritte wichtige Zielsetzung ist die Entwicklung von Strategien der Öffentlichkeitsarbeit und der Vermarktung der neuen Datenbank sowie ein Benchmarking gegenüber Mitbewerbern auf dem Feld der Informationsbereitstellung zu Künstlerbüchern.

Die wichtigsten Ergebnisse der vorliegenden Arbeit sind in der erfolgreichen Entwicklung eines Datenbanksystems zu sehen, mit dessen Hilfe sowohl ein grundsätzliches bibliothekarisches Interesse nach korrekter Erfassung der Bestände als auch ein interdisziplinärer Anstoß in die Richtung der Kunstgeschichte erreicht werden soll. Die Bestände sollen aus einer kunsthistorischen Sicht vielfältig und systematisch erfasst und damit für die moderne wissenschaftliche Auseinandersetzung nutzbar gemacht werden. Der kunsthistorische Aspekt trägt wesentlich zur Entwicklung der Struktur der Datenbank bei und soll die interdisziplinäre Anbindung des Projekts an andere kunsthistorische und bibliothekarische Projekte vorbereiten und ermöglichen.

Die Methodik der vorliegenden Arbeit musste vielfältig angelegt werden, zumal ihr Gegenstand eine interdisziplinäre Auseinandersetzung erforderte. Es werden sowohl methodische Aspekte einer Literaturarbeit berücksichtigt als auch methodische Anregungen aus dem Bereich der Kunstgeschichte und der Betriebswirtschaft. Die zentrale Methodik ist dem Bereich der Bibliothekswissenschaft zuzuordnen und beruft sich sowohl auf klassische Vorbilder der bibliothekarischen Erfassung als auch auf innovative Aspekte eines interdisziplinären Ansatzes der Bibliothekswissenschaften.


Horst Prillinger: Weblogs als Kommunikationsformat für Bibliotheken und Bibliothekare. Potenziale und Praxisbeispiele.

Seit den späten 90er Jahren hat eine neue Form der Internet-Publikation zunehmend Aufmerksamkeit erregt: das Weblog, eine Form der Website, die regelmäßig aktualisiert wird und kurze Einträge in umgekehrt chronologischer Reihenfolge enthält, deren Inhalt von alltäglichen Erlebnissen des Autors über Projektnotizen, politischen Kommentaren, Technik-Neuheiten bis hin zu Katzenfotos so gut wie alles sein kann. Ein Weblog enthält immer auch ein Archiv aller bisherigen Einträge, eine eindeutige URL für jeden Eintrag, einen XML-Feed, über den man die Einträge abonnieren kann, Links zu thematisch verwandten Webseiten und Kommentare der Leser.

Dadurch, dass Weblogs einander gegenseitig verlinken, entstehen thematisch verwandte Informationscluster; durch die chronologische Reihenfolge der Einträge werden Prozesse und Gedankenabfolgen stärker betont als Ergebnisse; durch die offene Struktur wird Konversation und Kommunikation angeregt.

Bibliotheken und Bibliothekare arbeiten nach dem Selbstverständnis, Information zu verbreiten und den Zugang zu Informationen zu sichern. Als Konsequenz davon haben Bibliothekare das Medium des Weblogs von Anfang an für die Informationsvermittlung verwendet.

Nach einer Zusammenfassung der Theorie des Weblogs wird in dieser Arbeit auf die Grundpfeiler der Anwendung von Weblogs im Kontext einer Bibliothek eingegangen. Es werden die Ergebnisse einer Untersuchung vorgestellt, in der Weblog-artige Webseiten (für externe wie interne Kommunikation) von 22 österreichischen wissen¬schaftlichen Bibliotheken untersucht wurden. Danach werden exemplarisch die Weblogs einiger ausländischer Bibliotheken vorgestellt, um das weitere Potenzial dieser Kommunikationsform zu illustrieren. Schließlich wird noch darauf hingewiesen, wie persönliche Weblogs von Bibliothekaren nachhaltig bestehende Stereotypen abbauen können; zur Illustration werden einige Beispiele solcher Weblogs vorgestellt.


Maria Rabl: Die Privilegiensammlung des Österreichischen Patentamtes - ein Beitrag zum UNESCO-Weltdokumentenerbeß

Die Privilegiensammlung des Österreichischen Patentamtes beinhaltet über 95.000 Erfindungsbeschreibungen, die den Geist und die Genialität von Erfindern widerspiegeln, die für das Gebiet Österreich-Ungarns in der 2. Hälfte des 19. Jhdts. um die Erteilung von ausschließenden Privilegien angesucht haben. Die Sammlung blieb bis dato jedoch weitgehend unbekannt. Der Grund liegt einerseits darin, dass sie für Forschungsarbeiten ungenügend erschlossen ist. Andererseits, dass die Dokumente aufgrund der Papierqualität und früherer Lagerbedingungen stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind und einer intensiven Nutzung ohne Konservierungs- und Digitalisierungsmaßnahmen nicht Stand halten würden. Deshalb wurde bisher wenig unternommen, um den Bekanntheitsgrad zu erhöhen.

Die in diese Arbeit eingebrachte Idee, das in der Sammlung steckende Potential und ihre Bedeutung herauszuarbeiten, wurde anhand der Nominierungskriterien zur Eintragung in die UNESCO-Weltdokumentenerbeliste erarbeitet. Für die beiden Eckpunkte des Memory of the World-Programms “preservation & access” , wurden Strategien und Möglichkeiten für die Privilegiensammlung ausgearbeitet, um der Zielsetzung des Programms gerecht zu werden.

Ergebnis der Arbeit ist eine Neudefinition des Werts der Sammlung aufgrund von Inhaltsanalysen und Unter-Schutzstellungsmöglichkeiten, das Aufzeigen von unumgänglichen Bestanderhaltungsmaßnahmen sowie ein “Leitfaden” für Möglichkeiten im Konservierungs-, Digitalisierungs- und Marketingbereich.


Nikolaus Rappert: Standortepolitik und Fragen des Bestandsmanagements einer polylozierten wissenschaftlichen Bibliothek: Zu Problemstellung und Lösungsansätzen auf Basis einer Nachlese älterer und neuerer Initiativen der Universitätsbibliothek Wien im Kontext der Geschichte der Universitätsorganisationsformen

An der Universität Wien hat sich aufgrund ihrer langen Geschichte und Größe ein Bibliothekssystem entwickelt, das heute zwar funktional einschichtig, aber dennoch polyloziert, das heißt durch eine Vielzahl an Standorten charakterisiert, ist. Gleichzeitig hat die Universitätsbibliothek als wissenschaftliche Universalbibliothek eine Archivfunk-tion, sodass auch mittelfristig mit einem kontinuierlichen Bestandszuwachs zu rechnen ist (auch wenn sich die Akquisitionspolitik in Richtung eRessourcen verlagert und pa-rallel zum Bestandsaufbau auch Deakquisition stattfindet). Diese Tatsache stellt die Bi-bliotheksleitung vor die Herausforderung, wie sie die Standorte entwickeln kann, um auch langfristig die Flächen bereitzustellen, die es braucht, um sowohl den vorhandenen Bestand als auch den jährlichen Zuwachs an wissenschaftlicher Literatur aufbewahren zu können.

Eine Sichtung der an bzw. von der Universitätsbibliothek Wien geplanten, realisierten und auch gescheiterten Projekte der jüngeren und jüngsten Vergangenheit versucht, die dahinter stehende bibliothekarische Standortepolitik in ihren Kontexten in den Blick zu bekommen und geht dabei besonders auf den organisationsrechtlichen Rahmen ein, der für österreichische Universitäten und ihre Bibliotheken in jüngerer Zeit einem massiven Wandel unterworfen war, sodass sich unausweichlich die Frage nach Zusammenhängen stellt und im Rahmen der Arbeit daher auch thematisiert wird


Johann Rasinger: Die Bibliothek als Instrument des Wissensmanagements; eine praktische Arbeit am Beispiel der EWZ-Bibliothek (Eduard Wallnöfer-Zentrum’s-Bibliothek)

Forschungsgegenstand ist die EWZ-Bibliothek (Eduard Wallnöfer- Zentrum’s-Bibliothek) in Hall in Tirol, die die Bildungseinrichtungen UMIT (Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik), AZW (Ausbildungszentrum West für Gesundheitsberufe) und EURAK (Europa-Akademie für Health Professionals) betreut. Die Untersuchung will herausfinden, ob eine Ein-Personen-Bibliothek in der Lage ist mit Hilfe des Wissensmanagements ihre Arbeitsprozesse zu verbessern. Ziel ist die praktische Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse.

Als theoretischer Hintergrund dient die “Grounded Theory ”. Es wurden 11 Leitfaden-Interviews mit Entscheidungsträgern, Professoren, Lehrern, Studenten und Schülern geführt und ausgewertet. Das Ergebnis zeigt, dass die generelle Zugänglichkeit das Hauptkriterium bei der Implementierung von Wissensmanagement in die bibliothekarischen Arbeitsprozesse darstellt. Intervenierende Hauptvariablen sind das Literaturbudget und der Personalaufwand.

Praktisch umgelegt werden die Ergebnisse in den Tätigkeitsfeldern: Öffnungszeiten, Katalogkunde und Webauftritt der EWZ-Bibliothek. Die Öffnungszeiten sollen verlängert werden unter Zuhilfenahme von angelernten Mitarbeitern des Hauses. Der OPAC (Online Public Access Catalogue) hat nicht nur zur Verfügung zu stehen, sondern muss aktiv den Nutzern nahe gebracht werden. Am besten in der Gestalt von angeleiteten Kleingruppenseminaren. Der Webauftritt der Bibliothek im Rahmen der UMIT braucht einen Platz, der über die Startseite zugänglich ist und eine benutzerfreundlichere Gestaltung.

Die forschungsleitende Fragestellung, ob die Bibliothek als Instrument des Wissensmanagements dienen kann, ist auch unter gegebenen restriktiven Bedingungen zu bejahen.


Irene Rauner: Erstellung einer Konkordanz zwischen BK (Basisklassifikation) und RVK (Regensburger Verbundklassifikation) für das Fachgebiet Germanistik

Ziel der vorliegenden Master Thesis war die Erstellung einer Konkordanz zwischen der Regensburger Verbundklassifikation (RVK) und der Basisklassifikation (BK) für den Fachbereich Germanistik, die in der Suchmaschinentechnologie Primo als Tool bei der facettierten Suche eingesetzt werden kann. Der erste Teil der Arbeit beinhaltet Informationen zu Primo und zur facettierten Suche sowie Erläuterungen zu den Begriffen Klassifikation und Notation. Daran schließen sich die Präsentation der beiden Universalklassifikationen RVK und BK sowie kursorische Angaben zur Dewey DecimalClassification (DDC) an. Einführenden Informationen zum Thema Konkordanz folgen die Ergebnisse einer Umfrage in der Inetbib- und RVK-Anwenderliste unter potentiellen Anwendern beider Klassifikationen. Im zweiten Teil der Arbeit, der als Testfall konkreter Anwendung angelegt worden ist, werden nach einem einführenden Kommentar exemplarisch ausgewählte Beispiele aus der in Microsoft Excel tabellarisch erstellten Konkordanz kommentiert angeführt. Als Resultat der Arbeit ist neben der bereits bekannten Problematik der Erstellung einer Konkordanz zwischen unterschiedlich tief gegliederten Klassifikationen der Wunsch nach weiteren Konkordanzen für die gesamte Geisteswissenschaft zu nennen, um einerseits die Datendichte in den Bibliotheksverbünden noch weiter erhöhen und um sowohl Klassifizierern in ihrer täglichen Arbeit als auch informationssuchenden Benutzern bei ihren Recherchen einen Mehrwert bieten zu können.


Christian Recht: Digitale Publikationen im österreichischen Pflichtexemplarrecht unter besonderer Berücksichtigung internationaler Rahmenbedingungen

National Libraries have the prominent task to collect, preserve and make available the national output of published information as comprehensively and for as long a term as possible. With the advent of digital media, libraries are confronted with the challenge to develop new strategies for fulfilling their task.

A vital support for their collecting activity is a legal deposit which, as a rule, is laid down by law, and which requests the publisher to deposit samples of a publication basically without remuneration. New media are therefore required to be included in legal deposit legislation.

By updating the Austrian Media Act, with the new law being effective by 1st of March 2009, the Austrian legislator has recently mandated the Austrian National Library to collect and archive online media (i.e. media published on the web), in addition to traditional printed and digital offline media (i.e. media on a physical carrier such as CD-ROM, DVD or diskette), the latter having already been included in legal deposit legislation in the year 2000.

These new legal provisions will be presented, compared and commented upon in consideration of basic issues which arise in connection with the preservation of digital information and by focusing on related international developments of mainly contractual and legislative nature.


Sonja Reisner: Die Bibliothek des Johannes Roland – Ein Beitrag zur Erforschung frühzeitlicher Privatbibliotheken

Vorrangiges Ziel dieser Arbeit war die Rekonstruktion und Erforschung der Privatbibliothek eines frühneuzeitlichen Arztes, die sich in der Bibliothek des Wiener Dominikanerkonvents erhalten hat. Johannes Roland, ihr ursprünglicher Besitzer, lebte an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert, in einer Zeit, die sowohl historisch-politisch, als auch gesell­schaft­lich, wissenschaftlich und religiös eine Epoche des Umbruchs war. Dies spiegelt sich auch in seiner Büchersammlung wider.

Johannes Roland wurde um 1564 im schlesischen Schweidnitz geboren, wuchs in einer protestantisch dominierten Umgebung auf, studierte in Wien, Padua und einigen anderen italienischen Städten Medizin, promovierte 1591 an der Universität von Padua und wirkte von da an als sog. Viertelmedicus im Dienst der Landstände von Niederösterreich – zunächst in Mistelbach und ab 1596 in Wiener Neustadt, wo er im Jahr 1618 verstarb.

Vor allem dank seiner Exlibris-Vermerke war es möglich, seine Bücher als ehemals zusammengehöriges Corpus innerhalb der Konventsbibliothek zu erkennen und wieder zusammenzuführen. Die Untersuchung der Exlibris-Vermerke weiterer Besitzer ergab, daß die Rolandsche Büchersammlung zunächst an Adam Olitorius (um 1586–1637) überging, der 1613 Rolands Tochter Catharina geheiratet hatte und ebenfalls Mediziner war, und danach an dessen Söhne Johann Wilhelm (geb. 1631) und Georg Albert (1632–1700).

Letztere waren aber weder leibliche Enkel Rolands noch Mediziner: Sie entstammten der zweiten Ehe des Adam Olitorius mit einer gewissen Anna Maria (geb. Sidenitschin von Seydenberg) und ergriffen beide die geistliche Laufbahn. Georg Albert trat 1648 in das Stift Klosterneuburg ein, sein älterer Bruder wurde 1656 Novize im Wiener Predigerkloster. Johann Wilhelm (Ordensname: Dominicus) brachte die 168 Bände (= 304 Werke) aus dem Besitz seines „Stiefgroßvaters“ an ihren heutigen Aufbewahrungsort.

Die detaillierte Erfassung der an Lese- und Gebrauchsspuren reichen Bücher und umfangreiche ergänzende Archivrecherchen machten es möglich, Einblick in das Leben, die Weltanschauung und die persönlichen Netzwerke ihrer ehemaligen Besitzer zu gewinnen. So ergab sich als entscheidendes Narrativ nicht nur die Geschichte einer frühneuzeitlichen Privatbibliothek, sondern auch das mit dieser eng verknüpfte Schicksal einer Familie durch drei Generationen hindurch.


Andreas Resch: Anmerkungen zum Fotobuch als bibliothekarisches Sammelgut

Dem Fotobuch ist in den letzten zehn Jahren vermehrt Sammler- und Forschungsinteresse zuteil geworden. Dementsprechend sind viele Bücher über das Fotobuch erschienen, darunter aber erstaunlicherweise keine Publikation, die sich mit Fotobüchern in Bibliotheken befasst. Auf dieses Desiderat möchte ich mit der vorliegenden Arbeit hinweisen.

In den Beständen des österreichischen Bibliothekenverbundes befinden sich viele wertvolle Fotobücher, die durch herkömmliche bibliothekarische Praktiken beschädigt wurden. Der Schutzumschlag, die Buchbinde, oder der Schuber sind integrale Bestandteile von Fotobüchern, die in der bibliothekarischen Praxis im Verbund Großteils nicht berücksichtigt werden. Besonders eindeutig ist diese Vernachlässigung in Bibliotheken in denen Kunstbücher nicht zum Sammlungsschwerpunkt gehören. Das zentrale Anliegen dieser Thesis ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie diese Bestände fachgerecht gesammelt, aufbewahrt und vermittelt werden können.

Zuvor war es nötig, einen Überblick über die Vielzahl von Büchern über Fotobücher zu geben und den Begriff „Fotobuch“ zu definieren. Im Anschluss daran habe ich zwei bibliothekarische Bereiche ausgewählt, die für das Fotobuch besonders relevant sind. Zuerst beschreibe ich die Katalogisierung von Fotobüchern am Beispiel einzelner Exemplare und Katalogisate aus dem österreichischen Bibliothekenverbund und zeige Best Practices und Verfehlungen auf. Im nächsten Teil vergleiche ich zwei Digitalisierungsprojekte und wähle eines als Best Practice aus. Als Abschluss wage ich noch einen kurzen Ausblick auf die Zukunft des Fotobuchs als Objekt bibliothekarischen Sammelns.


Kurt Schaefer: Beziehungen zwischen den Zeitschriftenbestäunden der Fachbereichsbibliothek Chemie und der Publikationstätigkeit an den chemischen Instituten der Universität Wien

Eine Fachbereichsbibliothek hat für den Forschungsbetrieb zwei wichtige Aufgaben zu erfüllen:

Diese beiden Funktionen sind bei der Analyse der publizierten Forschungsarbeiten zu unterscheiden. Drückt man die komplexe Aufgabe der Forschungsdokumentation der Fachbereichsbibliothek für Chemie in Prozentzahlen aus, so steigt sie im betrachteten Zeitraum von etwa 50% auf über 80% (genaue Werte siehe Tabelle). Wissenschaftliche Autoren/innen können, bzw. müssen für die Publikation ihrer Ergebnisse unter vielen Journalen ein geeignetes Journal wählen. Die Anzahl dieser in Frage kommenden Journale war anfangs gering. Dass, historisch gesehen, die Bibliothek nur die Hälfte dieser Journale im Bestand hatte, erscheint für die Dokumentationsaufgabe wenig zu sein. Umso erstaunlicher ist das Ausmaß der Steigerung. Bei der enormen Zunahme an Journaltiteln die heute als Publikationsmedium zur Verfügung stehen ist die bibliothekarische Dokumentation von 80% der wissenschaftlichen Arbeiten aus den Universitätsinstituten als sehr positiv zu bewerten.

Dieser eben beschriebene starke Anstieg von Journaltiteln bewirkt aber im Gegenzug, dass die Informationsversorgung der Forscher/innen durch die Bibliothek gesunken ist. Von anfänglich mehr als 90% sank die Versorgung auf etwas über 75% (genaue Werte siehe Tabelle). Aber bedenkt man die Fülle an Zeitschriften, die zu verschiedensten Themen der Chemie erscheinen, so ist die Bereitstellung von dreiviertel der für die Forschung an den Instituten / Departments wichtigen Literatur durch die Bibliothek als sehr gut einzustufen.

Sowohl bei der Dokumentation als auch bei der Informationsversorgung ist in den letzten fünfzig Jahren der Unterschied in den Prozentzahlen nur gering. Das bedeutet, dass die Aufgaben der Forschungsdokumentation und Informationsversorgung auch vor fünfzig Jahren ähnlich gut war und in diesem Zeitraum mit der internationalen Entwicklung der Zeitschriftenliteratur Schritt gehalten hat.

Die vorliegende Arbeit zeigt durch die Analyse der Literatur einerseits und durch die Umfrage andererseits zwei unterschiedliche Sichtweisen auf die Qualität des Bibliotheksservice. Die unterschiedlichen Bilder ergeben sich durch:

Die auf Fakten begründete Datenanalyse liefert ein positives Bild der Bibliothek (siehe oben). Dieses steht im Widerspruch zu der subjektiven Einschätzung durch die Bibliotheksbenutzer, die an der Umfrage teilgenommen haben. Zwei Aspekte stehen hier im Vordergrund. Die Versorgung mit:

Von den befragten Personen wird die Bibliothek hauptsächlich in ihrer traditionellen Funktion, als Lieferant von gedruckten Informationsträgern wahrgenommen. Mit dem Angebot an elektronischen Medien verliert die Bibliothek ihre Kontur. Die Umfrage zeigt, dass durch vermehrte online Nutzung von Journalen und Datenbanken kaum ein Zusammenhang zwischen dem Informationsangebot und der Bibliothek gesehen wird. Diese falsche Einschätzung der Versorgung mit neuen Medien durch die Bibliothek spiegelt sich auch im geringen Interesse an der Umfrage wider.

Um dem entgegenzusteuern muss sich die Fachbereichsbibliothek Chemie für ihre Nutzer/innen als


Verena Maria Schaffner: FRBR in MAB2 und Primo - ein kafkaesker Prozess? : Möglichkeiten der FRBRisierung von MAB2-Datensätzen in Primo, exemplarisch dargestellt an Datensätzen zu Fran Kafkas “Der Process”

FRBR (Functional Requirements for Bibliographic Records) ist ein logisches Denkmodell für bibliographische Datensätze, welches zur benutzerfreundlicheren Gestaltung von Browsing in Online-Bibliothekskatalogen herangezogen werden kann. Im österreichischen Bibliothekenverbund (OBV) werden bibliographische Datensätze nach den Regeln für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Bibliotheken (RAK-WB) erstellt und liegen im Datenformat MAB2 (Maschinelles Austauschformat für Bibliotheken) vor. Mit der Software Primo von Ex Libris, die 2009 implementiert wurde, besteht die Möglichkeit bibliographische Datensätze für die Anzeige neu aufzubereiten.
Wie ausgehend von MAB2-Daten eine möglichst FRBR-konforme Datenpräsentation in Primo geleistet werden kann und welche Probleme sich dabei ergeben, ist die zentrale Fragestellung dieser Master Thesis. Exemplarisch dargestellt wird dies anhand von Datensätzen des österreichischen Bibliothekenverbundes zu Franz Kafkas “Der Process”. Im Fokus stehen drei Aspekte, welche im Zusammenhang mit FRBR, MAB2 und Primo als besonders problematisch und diskussionswürdig erscheinen: das Konzept des “Werkes”, Expressionen als praxistaugliche Entitäten und Aggregate bzw. mehrbändig begrenzte Werke.
Nach einer Einführung in das FRBR-Modell wird versucht einen idealen FRBR-Baum zu Kafkas “Der Process” in seinen unterschiedlichen Ausprägungen (übersetzungen, Verfilmungen, Textvarianten, Aggregate etc.) darzustellen: Schon hier werden erste Grenzen des Modells sichtbar. Daran anschließend werden Datensätze des OBV einer Analyse unterzogen, um die FRBR-Tauglichkeit von MAB2 und die Möglichkeit der FRBR keys in Primo zu beleuchten. Folgende Einschränkungen wurden deutlich: Die derzeitige Herangehensweise und Praxis der Formalerschließung ist nicht auf FRBR vorbereitet. Die vorliegenden Metadaten sind zu inkonsistent, um ein maschinelles Extrahieren für eine FRBR-konforme Datenpräsentation zu ermöglichen. Die Möglichkeiten des Werkclusterings und der Facettierung in Primo bieten darüber hinaus zwar einen Mehrwert für das Browsing in Trefferlisten, jedoch nur bedingt im FRBR-Sinne.


Rosemarie Schauerhuber: Die historische Schülerbibliothek von 1869-1885 am Beispiel der Volksschul-Schülerbibliothek in St. Pölten

Das Staatsgrundgesetz vom 21. Dezember 1867 und die Maigesetze von 1868 brachten für die Geschichte des österreichischen Bildungssystems und des schulischen Bibliothekswesens eine entscheidende Wende: Das Schulwesen wurde unter staatliche Aufsicht gestellt und die Gründung von Schülerbibliotheken gesetzlich angeordnet. Vor diesem Hintergrund werden Funktionen und Zielgruppen der neu zu gründenden und tatsächlich gegründeten Schülerbibliotheken sowie die Traditionen, die diese ablösen sollten, untersucht. Erarbeitet wird weiters die organisatorisch-funktionale Ausgestaltung der Schulbibliotheken, die die Wahl der Kataloge und Verzeichnisse maßgeblich bestimmte. Dargestellt werden auch die Kriterien der Literaturauswahl sowie die personellen Zuständigkeitsbereiche für die Schülerbibliotheken.

Die zentrale Fragestellung der Thesis ist, wie weit einerseits behördliche, andrerseits bibliothekstheoretische Vorgaben in die Praxis umgesetzt wurden. Am Beispiel der St. Pöltner Volksschul-Schülerbibliothek werden – vornehmlich anhand der beiden großen Revisionen der Jahre 1875 und 1885/86 – die beträchtlichen Einflussnahmen der Schulbehörden auf den Inhalt der Bibliotheksbestände nachgewiesen. Die Grundlage für diese “Reinigungen ” der Schülerbibliotheken von “Schmutz und Schund ” bildeten die behördlich erstellten Jugendschriften-Verzeichnisse. Es wird verdeutlicht, welche besondere Bedeutung diesen im Vergleich zu jenen Verzeichnissen zukam, die einzelne Pädagogen und Lehrervereine erstellten. Weiters wird gezeigt, dass der von den Bibliothekstheoretikern geforderte Anspruch, wonach Volksschulbibliotheken auch Volksbibliotheken sein sollten, seitens der St. Pöltner Volksschulbibliothek umgesetzt wurde.


Sabine Schmidt: Open Access-Publikationen als Anstoß zum Aufbau eines institutionellen Repositoriums

Der ungehinderte Zugang zur wissenschaftlichen Publikation ist eine entscheidende Voraussetzung für die Forschung. Die Open-Access-Bewegung entstand als Folge der Zeitschriftenkrise, der technischen Entwicklung und dem ständig wachsenden Konkurrenzkampf in Forschung und Lehre für. Sie setzt sich für den kostenfreien Zugang zu Publikationen, Forschungsdaten, aber auch zu Software ein. Diese Faktoren haben das Publikationswesen der letzten Jahre nachhaltig beeinflusst. Es entstanden alternative Publikationjsformen und Plattformen zum Austausch wissenschaftlicher Informationen, die versuchen, den Open Access-Gedanken in die Tat umzusetzten.
Die vorliegende Arbeit beschreibt die Entwicklungen im Publikationswesen und die Entstehung und wesentlichen Merkmale des Open Access.
Den Schwerpunkt der Arbeit bildet der Aufbau und die Funktionsweise von intitutionellen Repositorien. Ziel dieser Dokumentenserver ist es, den Open Access-Gedanken innerhalb einer Institution zu verankern und deren wissenschaftliche Mitarbeiter dazu zu bewegen, ihre Publikationen über das Repositorium frei zugänglich zu machen. Dabei werden sämtliche Aspekte, die beim Aufbau und Betrieb eines institutionellen Repositoriums zu beachten sind, beschrieben.
Des weiteren wird anhand des konkreten Beispiels der Freien Universität Bozen erläutert, wie ein solches Vorhaben möglichst einfach in die Praxis umgesetzt werden kann.
In dieser Master Thesis wird auf Basis- und vertiefende Literatur aus den Bibliotheks- und Informationswissenschaften zurückgegriffen. Intensive Beschäftigung erfolgt auch mit den Homepages diverser Hochschulen und Forschungseinrichtungen, sowie von Informationsplattformen, die sich mit den behandelten Themen beschäftigen.Hinzu kommen Erkenntnisse, die auf einer Fachtagung, den Open Access-Tagen in Konstanz 2009 gewonnen wurden.
Im letzten, praxisorientierteren Teil der Arbeit wird auf persönliche Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag der Autorin eingegangen.


Bernhard Schubert: Konzeption und Beschreibung von Sammlungen nach FRBR, RAK-WB und RDA. Probleme und Perspektiven

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Problem der bibliographischen Beschreibung von Sammlungen. Zu diesem Zweck werden bisherige Ansätze auf diesem Gebiet – im deutschsprachigen Raum die RAK-WB, im internationalen Kontext das FRBR-Modell, das in Implementierung befindliche Regelwerk RDA sowie die relevanten Papiere Tillett Proposal sowie der "Final Report of the Working Group on Aggregates" – in ihren Herangehensweisen erläutert und die respektiven Vor- und Nachteile für NutzerInnen näher ausgeführt.

Das Kernstück der Arbeit bildet eine neue Typologie von Sammlungen, die konzeptionell auf FRBR aufbaut und die Erkenntniße der verschiedenen theoretischen Modelle berücksichtigt. Die hierarchische Typologie ist symmetrisch und umfaßt drei Klaßen, zwei Typen und diverse Varianten und Untervarianten von Sammlungen, anhand derer es erstmals möglich ist, eine alle Eventualitäten und Kombinationen berücksichtigende Einteilung von Sammlungen zu treffen. Zusätzlich werden bei allen Sammlungsvarianten die für NutzerInnen relevantesten Informationen ermittelt, was für die effektive Katalogisierung eine wichtige Reßource darstellt.

Im Anschluß an dieses Theoriekapitel werden die zuvor ausgewiesenen Arten von Sammlungen anhand von konkreten Beispielen erläutert, wobei die eingangs beschriebenen theoretischen Ansätze jeweils hinsichtlich ihrer Herangehensweise, Effizienz und NutzerInnenorientiertheit verglichen werden. Die Beispiele umfaßen neben Büchern als gängigstem Medientyp auch einen Film auf DVD, eine Audio-CD sowie eine CD-ROM, was die Flexibilität und universelle Anwendbarkeit der Typologie bestätigt.

Die Arbeit gelangt schließlich zu dem Schluß, daß ausnahmslos alle bisher vorgebrachten Ansätze zur Beschreibung von Sammlungen in bestimmten Aspekten defizitär sind und der Korrektur bedürfen. Die hier entwickelte Typologie könnte für eine konsistente Behandlung von Sammlungen die zukünftige Basis bieten.


Judith Schwartz: Das Beschwerdemanagement an österreichischen Universitätsbibliotheken - Evaluierung des Status Quo und daraus ableitbare Potenziale und Chancen

Ziel der Arbeit ist es, ausgehend von einem fundierten Überblick über den Forschungsstand zum Thema “Beschwerden” in einem betriebswirtschaftlichen Kontext die Stellung und den Aufbau von Beschwerdemanagement an den österreichischen Universitätsbibliotheken zu untersuchen. Für den Aufbau der Arbeit ergibt sich somit eine zweigeteilte Struktur: Theoretische Grundlagen des Beschwerdemanagements werden zunächst im Kontext der betriebswirtschaftlichen Konzepte zu KundInnenzufriedenheit und KundInnenbindung hergeleitet und in ihrer Entwicklung nachvollziehbar gemacht.

An diese theoretischen Überlegungen anschließend erfolgt eine empirische Untersuchung der Strukturen des Beschwerdemanagements in österreichischen Universitätsbibliotheken. Diese empirische Untersuchung wird mittels einer Fragebogenuntersuchung1 durchgeführt werden. Befragt werden die BibliotheksdirektorInnen bzw. BibliotheksleiterInnen. Der empirische Teil wird abgerundet durch die Darstellung des Beschwerdemanagements an der Universitätsbibliothek Oldenburg im Sinne eines “Good-Practice-Beispiels” , welches aufzeigt, welche Möglichkeiten es gibt, wenn Beschwerdemanagement systematisiert angewandt wird.

1 Als Grundlage wird dazu der von Schöber (1997) entwickelte Fragebogen herangezogen werden, der an die Spezifika wissenschaftlicher Bibliotheken adaptiert wird


Christoph Steiger: Formalerschließung von Musikdrucken nach RDA dargestellt an den Themen Werktitel und musikalische Ausgabeform

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Formalerschließung von Musikdrucken nach RDA. Kernbereiche dieser Darstellung sind einerseits die Regeln zu der aus FRBR stammende Entität Werk, sowie andererseits der Themenkreis musikalische Ausgabeform.

Zum Thema Werk werden die RDA-Stellen zum bevorzugten Titel sowie zum normierten Sucheinstieg von Musikwerken interpretiert. Für das Werk als abstrakte Entität des intellektuellen oder künstlerischen Inhalts sind also die Bestimmungen zum Erfassen des Titels des Werks zentral. Dabei wird auch regelmäßig ein Bezug zu den parallelen Regelungen in RAK-Musik bzw. AACR2 hingewiesen: Den Einheitssachtiteln nach RAK-Musik, die die Titel der Vorlage vereinheitlichen sollen, liegt eine andere Denkweise als den bevorzugten Titeln nach RDA, die das in den Ressourcen verkörperte Werk sichtbar machen sollen, zugrunde. Im Detail wird auf die Regeln zu den Titeln von Teilen von Musikwerken, zu Zusammenstellungen von Musikwerken eines Komponisten sowie zu den gemeinschaftlichen Werken eingegangen. Es wird auch versucht, für Sachverhalte, die in RDA nicht eindeutig  geregelt sind, Lösungen anzubieten.

Die musikalische Ausgabeform, die als das musikalische oder physische Layout des Inhalts Begriffe wie Partitur oder Klavierauszug umfasst, wird über diesen Begriff hinaus anhand der Bestimmungen zum Umfang von Noten und der Ausgabebeizeichnung dargestellt. Diese drei Themen sind in RDA nämlich nicht unabhängig voneinander zu verstehen. Dabei wird im Detail auf die entsprechende Bestimmung aus RAK-Musik eingegangen, die für ein Verständnis des Begriffs der musikalischen Ausgabeform auch in RDA unverzichtbar ist. Im Ergebnis stimmen die Bestimmungen von RAK-Musik und RDA in der Zielsetzung überein. RDA bietet aber mit der Möglichkeit, die musikalische Ausgabeform getrennt von der Ausgabebeizeichnung zu


Rainer Steltzer: Sanford Berman — Werk und Wirken eines Radical Librarian

Seit der Veröffentlichung seines Buches Prejudices and antipathies (1971), einer Abhandlung über tendenziöse Terminologie in den Library of Congress Subect Headings (LCSH), ist Sanford “Sandy ” Berman (geb. 1933) als lautstarker und unermüdlicher Kritiker des bibliothekarischen Mainstream der USA bekannt. Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über Bermans Wirken als Bibliothekar und Aktivist bieten, darunter sein Bemühen um benutzerfreundlichere Kataloge, sein sozialer Aktivismus, sein Einsatz für “alternative ” Materialien in Bibliotheken und sein Engagement im Kampf gegen Zensur und die Kommerzialisierung von Bibliotheken. Das zentrale Kapitel der Arbeit ist Bermans bis heute andauernder Kritik an der Terminologie der LCSH gewidmet.


Angelika Sternath: Wie zufrieden sind Sie mit unserer Bibliothek? : eine Anleitung zur effektiven und erfolgreichen Durchführung von Benutzerumfragen in wissenschaftlichen Bibliotheken am Beispiel der Universitätsbibliothek Klagenfurt

Wissenschaftliche Bibliotheken als Dienstleistungseinrichtungen müssen in der heutigen Informationsgesellschaft ihre Servicequalitäten ständig überprüfen, um die angebotenen Leistungen auf hohem Niveau halten zu können. Dies sollte allerdings unter dem Aspekt der ständig zunehmenden finanziellen Einsparungen geschehen. Ein mögliches Instrument zur überprüfung der Dienstleistungsqualität von wissenschaftlichen Bibliotheken stellen die Kunden- bzw. Benutzerbefragungen dar.
Methodisch versucht die vorliegende Arbeit, vom theoretischen Ansatz der Dienstleistung ausgehend, einen bibliotheksspezifischen Bezug herzustellen. Zu diesem Zweck widmet sich der erste Teil der Arbeit vorwiegend dentheoretischen Aspekten von Dienstleistung sowie Dienstleistungsqualität. Der zweite Teil konzentriert sich speziell auf die Dienstleistungsqualität von wissenschaftlichen Bibliotheken. Dazu wird im theoretischen Teil das Dienstleistungspotential der Bibliothekswissenschafter Klaus GANTERT und Rupert HACKER erläutert.
Im Anschluss daran folgt die Beschreibung des methodischen Vorgehens zur Benutzerbefragung an wissenschaftlichen Bibliotheken und zwar am Beispiel der Universitätsbibliothek Klagenfurt. Den Hauptteil der vorliegenden Arbeit bildet die Erhebung der Daten anhand einer Online-Umfrage an der Universitätsbibliothek Klagenfurt, welche auf Basis einer quantitativen Datenanalyse durchgeführt wurde. Das Ziel der Umfrage war es, die Erwartungen und Bedürfnisse der Bibliotheksbenutzer zu eruieren. Anschließend werden die gewonnenen Ergebnisse in der vorliegenden Arbeit präsentiert, interpretiert sowie mögliche bzw. alternative Lösungsvorschläge angeboten.
Im letzten Teil wird neben den wichtigsten Erkenntnissen noch ein Ausblick in die Zukunft gewährt und weitere mögliche Forschungsgebiete für Benutzerbefragungen eruiert.
Zusammenfassend lässt sich formulieren, dass gut durchdachte Benutzerumfragen in wissenschaftlichen Bibliotheken ein geeignetes Instrument darstellen können, um etwaige Qualitätsleistungen der befragten Bibliothek zu eruieren, zu überprüfen, zu erhalten bzw. optimal ausbauen zu können.


Kerstin Stieg: Open Access transition models in Austria – benefits, prospects and risks

Die vorliegende Master Thesis beschäftigt sich mit den seit relativ kurzer Zeit auf dem Markt befindlichen „Offsetting-Modellen“, in deren Rahmen das hybride Open-Access-Publizieren bei weitgehender Vermeidung des Phänomens „Double Dipping“ ermöglicht wird. In Österreich wurden bereits mehrere Open-Access- und Offsetting-Abkommen mit internationalen Verlagen verhandelt, wodurch Österreich in diesem Bereich von Open Access auch international als Pionier gilt. Jedes dieser Abkommen wird in der vorliegenden Master Thesis in einer SWOT-Analyse kritisch analysiert. Die Master Thesis enthält zudem einen Überblick über die Entwicklung von Open-Access- und Offsetting-Abkommen in anderen europäischen Ländern sowie über derzeitige Entwicklungen in den USA. Den theoretischen Überbau der Master Thesis bildet ein kurzer Überblick über den Publikationsmarkt an sich und den hybriden Open-Access-Markt im Besonderen. Ein weiterer Schwerpunkt der Thesis liegt auf derzeit sehr stark diskutierten Open-Access-Umstiegsszenarien. Abschließend gibt die vorliegende Master Thesis einen Ausblick auf künftige Entwicklungen hinsichtlich des weiteren Umstiegs auf Open Access in Österreich und darüber hinaus.


Sabine Stiegler: Open Access und das hybride Zeitschriftenmodell – Eine Analyse zur Transparenz bei ausgewählten Verlagen

Hintergrund dieser Arbeit ist der Wandel des Publikationswesens (von einem aufSubskriptionsgebühren basierenden Modell hin zu einem Modell, welches durch Publikationsfonds, Forschungsförderer, etc. finanziert wird) und das dadurch bedingte Auftreten von unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Eines dieser neuen Geschäftsmodelle ist das hybride Modell, welches AutorInnen die Möglichkeit bietet, Artikel in Subskriptionszeitschriften gegen Gebühr freizukaufen und damit für alle zugänglich zu machen. Gegenstand der Arbeit sind die hybriden Journale der Verlage Elsevier, Springer, Taylor & Francis, Oxford University Press, Wiley Blackwell, Cambridge University Press und SAGE. Die Aussagen von VerlagsmitarbeiterInnen im Interviewteil dieser Arbeit, die vorhandenen Journallisten zur Anpassung der Listenpreise von Subskriptionen und die offiziellen Double Dipping Policies auf den Webseiten des jeweiligen Verlages stellen den Kern dieser Arbeit dar und werden analysiert. Im Vergleich dazu werden das Vouchersystem der Royal Society of Chemistry und das Modell der nationalen Rückvergütung vorgestellt und kritisch betrachtet. Ziel dieser Arbeit ist es, Intransparenz aufzudecken und Empfehlungen zu geben, wie mehr Transparenz ermöglicht werden könnte. Die Studie stützt sich vorrangig auf die vorhandene wissenschaftliche Literatur zur Thematik und auf die Auswertung der einzelnen Websites der Verlage. Die mit den Verlagen durchgeführten schriftlichen Interviews erlauben eine präzise Aussage zu den dringlichsten Fragen, nämlich u.a. wie und ob das hybride Modell fortbestehen wird, wie die Anpassung der Subskriptionspreise am besten gehandhabt wird und ob angedacht ist, die Gesamtzahl von hybriden Artikeln auf der Website zu veröffentlichen. Außerdem werden in dieser Arbeit Vorschläge erarbeitet, welche Parameter die Listen zur Preisanpassung beinhalten sollten, damit für Bibliotheken und Forschungsförderungsinstitutionen mehr Transparenz gewährleistet werden kann.


Markus Stumpf: Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek Wien: Ausgewählte Teilergebnisse aus den Fachbereichs- und Institutsbibliotheken

Die Universitätsbibliothek Wien (UB Wien) beschäftigt sich umfassend mit ihren unrechtmäßigen Beständen und mit der Geschichte der eigenen Institution in der NS-Zeit. Im Rahmen des Projektes Provenienzforschung werden dabei die Ziele der Lokalisierung und Klärung unrechtmäßiger Bestände und deren Restitution, aber auch die aktive Auseinandersetzung mit dem Thema verfolgt.

Die (UB Wien) begann 2004 mit einem Provenienzforschungsprojekt zur Hauptbibliothek, das 2006 mit einem zweiten eigenständigen Projekt über die Fachbereichs- und Institutsbibliotheken (Außenbereich) erweitert wurde. Die Bestandsautopsien konnten mittlerweile abgeschlossen werden, sodass erste Ergebnisse vorliegen und bereits in einigen wenigen Fällen Restitutionen durchgeführt werden konnten.

In der Master Thesis werden als Beispiele die Untersuchungsergebnisse der Fachbereichsbibliothek (FB) Astronomie, FB Byzantinistik und Neogräzistik, FB Europäische Ethnologie, FB Judaistik und die der FB Philosophie dargestellt. Obwohl einige dieser Bibliotheken erst in den 1960er Jahren gegründet wurden, sind auf Grund von Bestandübernahmen auch problematische Bestände zu identifizieren.

Auf einige bedenkliche Bestände und Erwerbungen aus diesen Bibliotheken aber auch aus anderen der UB Wien werden in Exkursen exemplarische Blicke geworfen. Die Ergebnisse der Provenienzforschung zu Bänden der Arbeiterkammerbibliothek Wien, der Buchhandlung Belf, der Bücherei Richard Gustav Busch, zu Büchern von Moriz Kuffner, von Georg Petschek und von Wolf Krautstück sowie zu einem von der GESTAPO eingelieferten Band werden präsentiert.


Harald Tersch: Schreibkalender und Schreibkultur. Zur Rezeptionsgeschichte eines frühen Massenmediums (1500-1800)

Der Schreibkalender gehört zu den frühesten multimedialen Produkten der Buchgeschichte, das Druck und Handschrift zusammenführte: der gedruckte Teil sollte als Ratgeber und Lesestoff, die freien Seiten als Schreibraum genützt werden. Kalendernotizen verdienen innerhalb einer Bibliotheksgeschichte nicht weniger Beachtung als Besitzervermerke, da sie Auskunft darüber geben können, welche verschiedenen sozialen Funktionen das Buch für einzelne Käufer hatte. Der Kalender konnte die Rolle eines Wetterverzeichnisses, eines Wirtschaftsbuches, einer Familienchronik oder eines Arbeitsprotokolls übernehmen. Kalendernotizen von Kalenderproduzenten geben überdies wichtige Informationen zur Buchproduktion. Der Untersuchungszeitraum der Studie umfasst die Inkunabelzeit bis zum aufgeklärten Reformkalender. Eine wichtige materielle Grundlage der Arbeit bilden neben Editionen erhaltene handschriftliche Kalendernotizen in einzelnen österreichischen Sammlungen.

Kalenderbesitzer machten um 1500 durch Randnotizen aus dem Druck- ein Schreibmedium. Sie bevorzugten zunächst immerwährende Kalender, da diese sich durch einen langen Berechnungszeitraum sehr gut als Familienchroniken eigneten. Käufer notierten im Sinne der gedruckten astrologischen Prognosen am Rand der Kalendarien Naturkatastrophen, Wetterverhältnisse, aber auch Krankheiten, Patenschaften, Hochzeiten und Geburten in der Familie. Die Herausgeber reagierten rasch auf diese Transformationen, indem sie private wie amtliche Schreibtraditionen in die Programmatik des Druckteils integrierten. Verfasser von protestantischen Historienkalendern schrieben etwa um 1550 ihren Benützern vor, sie sollten unter die Druckdaten wichtige Vorfälle in der Familie aufzeichnen. Dadurch banden sie die familiäre Schreibkultur an die Reformationsgeschichte. Die jährlichen Schreibkalender sahen bereits mindestens eine leere Seite für Eintragungen vor und verknüpften durch Titel wie “Tagbuch” oder “Diarium” den Druckteil mit den Notizen. Der Erfolg des Schreibkalenders im 17. Jahrhundert war deswegen unaufhaltsam, weil er am besten die Form des Protokolls integrierte, das die genaue Zuordnung eines Ereignisses zu einem bestimmten Kalenderdatum verlangte. Prälaten hielten in ihren Kalendern Visitationsreisen fest, Fürsten und Verwaltungsbeamte Vermerke über Ausgaben, Briefe und Akten. Kalenderherausgeber sahen in den Sekretären und Kanzleischreibern eine wichtige Käufergruppe. Neben dem Wetter oder Aderlässen entwickelte sich die Schreibdisziplin zu einem zentralen Thema der kalendarischen Notizen.

Eine wichtige Voraussetzung für die Benützung des Kalenders als Schreibprotokoll war die Tatsache, dass Kalender nicht den modernen Vorstellungen von einem festen, statischen Kodex entsprachen. Verleger oder Käufer “schossen” zusätzlich Blätter zwischen die Monatskalendarien ein, was eine Ausdehnung des Beschreibstoffes bedeutete. Von eingehefteten Lagen bis zu gesonderten Tagebuchheften war es nur ein kleiner Schritt. Schreibkalender dienten in Kanzleien und in Familien als Neujahrsgeschenke, wodurch das Medium fest in der familiären und amtlichen Schreibtradition verankert wurde. Sichtbarer Ausdruck der Geschenkkultur sind die oft sehr gepflegten Einbände, die Widmungen an die Beschenkten enthielten und soziale Beziehungen und Hierarchien ausdrückten. Angesichts der hohen Kalenderauflagen muss mit dem Verlust eines Großteils des Bestandes gerechnet werden. Spuren von verlorenen Schreibkalendern lassen sich in handschriftlichen Bibliothekskatalogen, Wirtschaftsaufzeichnungen, in Reinschriften der Kalendernotizen oder in Textüberarbeitungen finden. Schreiberinnen und Schreiber des 16. bis 18. Jahrhunderts exzerpierten ihre jahrzehntelang geführten Eintragungen mit Methode, sie fügten sie zu chronologischen Lebensläufen zusammen und kombinierten sie mit Reiseberichten und Briefen. In der Aufklärung ließ sich die traditionelle Form der Kalendernotizen durchaus in neue anthropologische Modelle der Biographie integrieren, indem Schreiber die kalendarischen Fakten mit persönlichen Erinnerungen und Erkenntnissen während des Überarbeitungsprozesses konfrontierten.

Am Schluss der Arbeit stehen Hypothesen über die sinkende Bedeutung des Schreibkalenders für die Schreibkultur um 1800. Ein Grund bestand in der veränderten Tagebuchkultur des 18. Jahrhunderts. Vom Tagebuchschreiber wurden zunehmend detaillierte moralische Selbstreflexionen, aber auch Natürlichkeit und “Esprit” verlangt, was sich in einem derart traditionellen Medium wie dem Kalender kaum verwirklichen ließ. Weiters erlebte das Druckmedium des Schreibkalenders als “Bibel des Aberglaubens” eine substantielle Krise. Kalenderreformen der Aufklärung verboten astrologische Prognosen, sie integrierten dagegen Statistiken und legten die Schreibräume durch Spalten fest. Die neuen Rahmenbedingungen der Reformkalender förderten Vermerke, die weniger die Vergangenheit protokollierten als die Zukunft organisierten. Schließlich verhinderte der Siegeszug des Verlegereinbandes im 19. Jahrhundert eine Ausdehnung des Schreibraumes durch eingeschossene Blätter. Der Schreibkalender verschwand gegenüber neuen ökonomischen Formaten wie Agenda und Notizkalender, die bestimmte Schreib- und Schriftformen wie die Stenographie begünstigten.


Simone Waldboth: Integration von E-Learning in die Vermittlung von Informationskompetenz an der "Claudiana"

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Integration von E-Learning in die Lehrveranstaltung „Informationskompetenz“ an der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe „Claudiana“ in Bozen.

Nach einer kurzen Einleitung, die die Landesfachhochschule mit ihren Funktionen und Aufgaben vorstellt und die Entwicklung der Lehrveranstaltung Informationskompetenz an der „Claudiana“ beschreibt, befasst sich das zweite Kapitel mit den Modellen und Standards der Informationskompetenz und dem Begriff der Teaching Library.

Das dritte Kapitel beleuchtet die aktuelle Situation der Informationskompetenz an der „Claudiana“. Die Inhalte der aktuellen Lehrveranstaltungen werden beschrieben und durch Interviews mit den Studiengangsleitern und einer Befragung der Studierenden, wird die aktuelle Lage dargestellt. Die Umfrage ergab ein positives Feedback für die aktuellen Lehrveranstaltungen aber auch, dass sich die Studierenden im Bereich der Recherche in Suchmaschinen und Datenbanken zum Teil überschätzen und nicht den effizientesten Weg wählen. Außerdem wünschen sie sich einen höheren Praxisanteil. Positiv ist, dass die Studierenden der Einführung von E-Learning offen gegenüber stehen.

Das vierte Kapitel behandelt die Begriffe E-Learning, Blended Learning und die E-Learning-Plattform ILIAS, die an der „Claudiana“ verwendet wird. Daraufhin wird ein Konzept für die Integration von E-Learning in die Lehrveranstaltungen zur Informationskompetenz für alle drei Studienjahre erarbeitet. Aufbauend auf das Konzept der aktuellen Lehrveranstaltungen und unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus den Interviews und der Umfrage werden E-Learning-Module integriert. Für alle Studiengänge werden die Module gleich aufgebaut, der Praxisanteil wird erhöht und auf das Studienfach ausgerichtet.


Andreas Waldhör: Erstellung einer Konkordanz zwischen Basisklassifikation (BK) und Regensburger Verbundklassifikation (RVK) für den Fachbereich Recht

Ziel der vorliegenden Arbeit war die Erstellung einer Konkordanz zwischen der Regensburger Verbundklassifikation (RVK) und der Basisklassifikation (BK) für den Fachbereich Recht. Die Erstellung von Konkordanzen ist im bibliothekarischen Bereichmehrfach von Interesse, da einerseits Notationen verschiedener Klassifikationssysteme zusammengeführt werden und somit eine höhere Datendichte erreicht werden kann. Zum anderen können Konkordanzen in der Suchmaschinentechnologie Primo als “Werkzeug” bei der facettierten Suche eingesetzt werden. Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste (theoretische) Teil beschäftigt sich mit Klassifikationen als Hilfsmittel für die Freihandaufstellung und als Teil der klassifikatorischen Sacherschließung.

Im Anschluss daran werden drei große Klassifikationssysteme, die im Rahmen der Sacherschließung in Österreich eine wesentliche Rolle spielen (Verbundklassifikationen des OBV), dargestellt. Die Basisklassifikation und die Regensburger Verbundklassifikation werden kurz beschrieben, es wird untersucht wie juristische Medien in diesen Klassifikationen abgebildet werden. In diesem Zusammenhang wird auch der aktuelle Stand der RVK Erweiterung betreffend österreichisches Recht erörtert. Die Dewey – Dezimal – Klassifikation (DDC) wird auf ihre generelle Eignung als Klassifikation für juristische Medien genauer, anhand mehrerer praktischer Beispiele, untersucht. Insbesondere wird die “Konkordanzfähigkeit” der DDC im Hinblick auf die beiden anderen Systeme betreffend den Fachbereich Recht ermittelt. Ein kurzer Ausblick auf Unterschiede zwischen der angloamerikanischen Rechtsordnung und dem europäischen Civil Law ergänzt die Ausführungen zur DDC. Der zweite (praktische) Teil beinhaltet die Konkordanztabelle in Form einer Microsoft Excel Tabelle mit einem ausführlichen Kommentar. Diese Tabelle liegt auch in einer verkürzten Form vor, die für die praktische Umsetzung in der Verbunddatenbank vorgesehen ist.


Isabella Wasner-Peter: Entwurf eines “Wienportals”

Ungeachtet des jeweiligen Trägermateriales war es schon immer Kernaufgabe von wissenschaftlichen Bibliotheken, das Wissen in ihren Bereichen zu sammeln, aufzubereiten, zu vernetzen und der öffentlichkeit zu präsentieren. Mit der Entwicklung der neuen Medien, allen voran des Internets, sind Bibliotheken als wissenschaftliche Kompetenzzentren gefordert, umfassende Informationen aus Datenbanken und anderen digitalen Quellen in einer möglichst benutzerfreundlichen Form aufzubereiten und rund um die Uhr zugänglich zu machen. Bibliotheken, Archive und Museen bringen ihre digitalisierten Bestände und Metadaten in sogenannte BAM-Portale ein. Die Vernetzung von digitalem Kulturgut in einer Europäischen Digitalen Bibliothek, der Europeana, wird auch durch die Europäische Kommission unterstützt.
Während in Deutschland zahlreiche Landesbibliotheken regionale Themenportale betreiben, ist ein solches für Wien noch ein Desideratum, ebenso wie eine Wiener Regionalbibliographie, die im Rahmen dieser Arbeit entwickelt wird.
Ziel dieser Master These ist es, ein regionales Themenportal für Wien zu entwerfen. Dafür wurden deutsche und österreichische Portallösungen analysiert und daraus Modelle für das Wienportal abgeleitet. Neben inhaltlichen Aspekten werden in der Arbeit auch Fragen der Erschließung durch einheitliche Metadaten und eindeutige Zuordnung von Datensätzen, die für den Datenaustausch und die Vernetzung essentiell sind, der Benutzerfreundlichkeit und Gestaltungsmöglichkeiten, die das Web 2.0 für Benutzerinnen und Benutzer bringt, erörtert.


Ute Weiner: Vor uns die Dokumentenflut oder Automatische Indexierung als notwendige und sinnvolle Ergänzung zur intellektuellen Sacherschließung

Vor dem Hintergrund veränderter Ansprüche der Bibliotheksbenutzer an Recherchemöglichkeiten – weg vom klassischen Online-Katalog hin zum “One-Stop-Shop” mit Funktionalitäten wie thematisches Browsing, Relevanzranking und dergleichen mehr – einerseits und der notwendigen Bearbeitung von Massendaten (Stichwort Dokumentenflut) andererseits rücken Systeme zur automatischen Indexierung wieder verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses.

Da in Österreich die Beschäftigung mit diesem Thema im Bibliotheksbereich bislang nur sehr selektiv, bezogen auf wenige konkrete Projekte, erfolgte, wird zuerst ein allgemeiner theoretischer Überblick über die unterschiedlichen Verfahrensansätze der automatischen Indexierung geboten. Im nächsten Schritt werden mit der IDX-basierten Indexierungssoftware MILOS (mit den Teilprojekten MILOS I, MILOS II und KASCADE) und dem modularen System intelligentCAPTURE (mit der integrierten Indexierungssoftware AUTINDEX) die bis vor wenigen Jahren im deutschsprachigen Raum einzigen im Praxiseinsatz befindlichen automatischen Indexierungssysteme vorgestellt.

Mit zunehmender Notwendigkeit, neue Wege der inhaltlichen Erschließung zu beschreiten, wurden in den vergangenen 5 - 6 Jahren zahlreiche Software-entwicklungen auf ihre Einsatzmöglichkeit im Bibliotheksbereich hin getestet. Stellvertretend für diese in Entwicklung befindlichen Systeme zur automatischen inhaltlichen Erschließung wird das Projekt PETRUS, welches in den Jahren 2009 – 2011 an der DNB durchgeführt wurde und die Komponenten PICA Match&Merge sowie die Extraction Platform der Firma Averbis beinhaltet, vorgestellt.


Margot Werner: Zur Erinnerung an schönere Zeiten. Bilder aus der versunkenen Welt des jüdischen Sammlers Raoul Korty

Raoul Korty, 1889 geborener Sohn einer jüdischen Bankiersfamilie, war von frühester Jugend an durch seine Sammelleidenschaft geprägt. Korty diente im Ersten Weltkrieg als Offizier, nach Kriegsende widmete er sich vornehmlich dem Aufbau seiner Sammlung. Seinen Lebensunterhalt finanzierte Korty durch die Illustration von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften aus dem reichen Fundus seines privaten Bildarchivs.

Nach dem “Anschluss” war Korty gezwungen seine journalistische Tätigkeit aufzugeben. Der Verlust seines Lebensunterhalts und die Trennung von seiner nichtjüdischen Ehefrau führten wohl auch zum Scheitern seiner Emigrationspläne: Korty wurde 1944 in Wien verhaftet und Ende desselben Jahres im KZ Auschwitz ermordet.

In Vorbereitung seiner geplanten Emigration deponierte er einen Großteil seiner Sammlung bei einer Wiener Spedition. Unter tatkräftiger Mitwirkung der Nationalbibliothek wurde die Sammlung 1939 von der Gestapo beschlagnahmt und unentgeltlich in das hauseigene Bildarchiv eingewiesen. Dort lagerte die Sammlung auf Grund des Personalmangels in der Kriegszeit unangetastet und original verpackt bis 1945. Nach Kriegsende brachte Kortys überlebende Tochter einen Antrag auf Rückstellung der Fotosammlung ein. Die Nationalbibliothek war zwar grundsätzlich zur Rückgabe entsprechend den damaligen gesetzlichen Bestimmungen bereit, verweigerte jedoch der in beengten Wohnverhältnissen lebenden Tochter eine finanzielle Ablöse. Die Verhandlungen zogen sich Jahrzehnte in die Länge – wobei seitens der Österreichischen Nationalbibliothek immer wieder mit Ersitzungs-fristen spekuliert wurde – bis die Korrespondenz schließlich 1980 aus ungeklärten Gründen endete.

Erst 2003, im Zuge der entsprechend den Bestimmungen des 1998 erlassenen Kunstrück-gabegesetzes von der Österreichischen Nationalbibliothek angestrengten Provenienzforschung kam die mittlerweile fast in Vergessenheit geratene Sammlung wieder zum Vorschein. Auf Grund einer von der Österreichischen Nationalbibliothek vorgelegten umfassenden Sachverhaltsdarstellung stimmte das BM:BWK einer Restitution an die Erbin zu.

Auf Wunsch der hoch betagten Tochter des verfolgten Sammlers wurde das Konvolut von einem externen Sachverständigen bewertet und nach dessen Restitution im Jahr 2005 von der Österreichischen Nationalbibliothek angekauft.

Im Frühjahr 2007 wurde die nunmehr seit fast 70 Jahren in den Magazinen lagernde Sammlung wissenschaftlich aufgearbeitet. Dabei wurde nach dem Provenienzprinzip vorgegangen, die übernommene, weitgehend vom Sammler selbst geschaffene Ordnung wurde beibehalten.


Maria Winkler: Die Demokratisierung des Wissens. “Wissen für alle ” in historischen Enzyklopädien der Aufklärung und die Weiterführung dieses Gedankens durch die freie Abrufbarkeit dieser Enzyklopädien im Internet

“Wissen für alle! ” war die aufklärerische Devise zur Demokratisierung des Wissens. Die Enzyklopädie war dabei das bevorzugte Mittel der Aufklärer zur Vermittlung dieses Wissens. Drei dieser Enzyklopädien stehen im Mittelpunkt dieser Arbeit: Zedlers “Universal-Lexicon ”, Krünitz’ “Oekonomische Encyklopädie ” und natürlich Diderots und d’Alemberts “Encyclopédie ”, die wohl berühmteste der Enzyklopädien. Als “Kinder ” der Aufklärung waren sie darauf angelegt, allgemeines und auch sehr spezielles Wissen unters Volk zu bringen. Im 21. Jahrhundert werden diese Enzyklopädien online zugänglich gemacht und zwar für jedermann und jede Frau frei abrufbar und rund um die Uhr zugänglich. Hier geschieht im Internetzeitalter die Weiterführung des Gedankens der Aufklärung, Informationen, resp. Bildung, für “alle ” erreichbar zu machen. Dank moderner Retrieval Tools gelingt mit der Online-Stellung der historischen Enzyklopädien eine viel bessere Erschließung der Werke, als dies je bei den dicken, alten Bänden des Barock möglich gewesen wäre. Die Überführung der historischen Werke in Datenbanken erlaubt eine systematische Suche in den Enzyklopädien; früher war man an das Alphabet und die Verweise gebunden, nun kann man nach Sachgebieten suchen und neue Zusammenhänge innerhalb der Enzyklopädien entdecken, die wiederum Aufschluss geben über die damalige Zeit und ihre Denkmuster. Für alle historischen Wissenschaften ist diese Erschließung ein Gewinn an Wissen über die Zeit der Aufklärung und ihre Lebenswelten. So werden die Enzyklopädien der Aufklärungszeit hinübergerettet ins 21. Jahrhundert und dank Datenbank-Technologie und Web Tools um faszinierende Facetten erweitert.


Angelika Zdiarsky: Öffentlichkeitsarbeit an wissenschaftlichen Bibliotheken - mit einer vergleichenden Studie an Hand von ausgesuchten Beispielen aus dem In- und Ausland

Wissenschaftliche Bibliotheken müssen, um ihre Bedürfnisse ihren Öffentlichkeiten mitzuteilen, sich des Kommunikationsmittels der Öffentlichkeitsarbeit bedienen. Methodisch versucht die vorliegende Arbeit vom theoretischen Ansatz der Öffentlichkeitsarbeit einen bibliotheksspezifischen Bezug herzustellen. Zu diesem Zweck widmet sich der erste Teil der Arbeit vorwiegend den theoretischen Aspekten von Öffentlichkeitsarbeit. Da sich zahlreiche Definitionen von Öffentlichkeitsarbeit in der Literatur finden lassen, bot es sich an, eine eigene Definition von Öffentlichkeitsarbeit als Arbeitshypothese aufzustellen.

Der zweite Teil der Arbeit konzentriert sich speziell auf die Öffentlichkeitsarbeit von Bibliotheken. Dazu skizziert der theoretische Teil das bibliotheksspezifische Öffentlichkeitsarbeitsmodell von Schmidt. Die daran anschließende vergleichende Untersuchung der bibliothekarischen Umsetzung von Öffentlichkeitsarbeit konzentriert sich auf je eine repräsentative Bibliothek aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Das Ergebnis zeigte, daß große wissenschaftlichen Bibliotheken, Öffentlichkeitsarbeit als eigener Arbeitsprozeß verstehen. Exemplarisch werden auch die Grenzen und Möglichkeiten von bibliothekarischer Öffentlichkeitsarbeit an einer Spezialsammlung erläutert. Das abschließende Kapitel versucht die Situation der bibliothekarischen Öffentlichkeitsarbeit des Jahres 1990 mit einer aktuellen Momentaufnahme zu vergleichen.

Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß wissenschaftliche Bibliotheken des deutschsprachigen Raumes sich als Dienstleistungsunternehmen verstehen und das Kommunikationsmittel der Öffentlichkeitsarbeit bereits auf hohem Niveau einsetzen.


Barbara Zuckerstätter: Klassifikation und Beschlagwortung. Zur Verwendung von Schlagwörtern in Aufstellungsklassifikationen

Die vorliegende Arbeit gilt der Frage, ob sich die in zahlreichen Katalogisaten des Österreichischen Verbundkataloges enthaltenen Beschlagwortungsdaten eventuell für eine zur Buchaufstellung geeignete Klassifikation verwerten ließen. Um diese Frage beantworten zu können, war zunächst eine Einarbeitung in die Grundlagen der Klassifikationstheorie nötig, die im ersten Teil der Arbeit dokumentiert wird. Die Schwerpunkte bilden dabei Überlegungen zum Status von Klassen, zu Problemen systematischer Anordnung und zu Varianten der symbolischen Repräsentation dieser Ordnung durch Notationen. Im zweiten Teil wird versucht, die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Beschlagwortung und Klassifikation zu verdeutlichen. Dazu werden Teilbereiche von Facettenklassifikationen und Klassifikationsschlüsseln behandelt sowie einige Eigenschaften der Schlagwortnormdatei und der Methode Eppelsheimer erläutert. Im letzten Teil der Arbeit wird auf Basis der zuvor gewonnenen Erkenntnisse ein rudimentärer praktischer Versuch der Verwendung von Schlagwörtern für die Buchaufstellung durchgeführt. Dazu wird die Notation von 100 Titeln aus dem Bestand der Bibliothek der Fachhochschule Salzburg, die derzeit der Gruppe "Soziologie" zugeordnet sind, in verschiedenen Varianten mit Schlagwortdaten ergänzt, um eine Neugruppierung zu erreichen. Die einzelnen Varianten werden kurz vorgestellt und hinsichtlich der auffälligsten Vor- und Nachteile bewertet. Als Ergebnis der theoretischen Ausführungen und der praktischen Versuche lässt sich festhalten, dass die Verwendung von Schlagwortdaten möglich und auch nützlich wäre. Sie kann vermutlich aber nicht durch rein mechanische Eingliederung der Schlagwörter in die Notationen erfolgen, macht also einen intellektuellen Zusatzaufwand nötig.